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Strategie wechseln - Das vertraute Umfeld verlassen

Der Paritätische Berlin arbeitet mit Social Start-ups zusammen. Die Kooperationen regen den Verband zu neuen Arbeitsmethoden an.

Anne Jeglinski bei der Eröffnung des Innovationsforums, Foto: Melanie Lorenz

Das gesellschaftliche Umfeld der sozialen Arbeit wird immer komplexer. Demografischer Wandel, Digitalisierung, Fachkräftemangel, steigende Ungleichheit und vieles mehr erhöhen den Druck auf Leitung und Mitarbeitende sozialer Organisationen. Hinzu kommt, dass soziale Organisationen zunehmend als Kostenfaktor gesehen werden und dass Verwaltung und Leistungsträger vor allem ökonomische Kriterien im Blick haben.

Wir wollten wissen, wie wir Innovation zum integralen Bestandteil unserer täglichen Arbeit und der unserer Mitgliedsorganisationen machen können. Wir wollten herausfinden, wie wir damit den wachsenden gesellschaftlichen Herausforderungen besser begegnen können. Nicht umsonst steht der Auftrag, sachkundige und zeitgerechte Sozialarbeit zum Wohle der Gesellschaft und des einzelnen Menschen zu leisten, in unserer Satzung. Im Herbst 2019 haben wir, der Paritätische Wohlfahrtsverband Berlin und die Paritätische Akademie Berlin, deshalb das Paritätische Innovationsforum entwickelt.

Wir unterstützen gemeinnützige Organisationen, die neue Ansätze entwickeln und erproben. Dabei profitieren wir vom Know-how unserer Kooperationspartner, um Ideen, Konzepte und Methoden kennenzulernen, zu nutzen und weiterzuentwickeln. Zu Innovation zählt für uns auch der Fokus auf die Wirkung sozialer Arbeit. Grundgedanke ist dabei, uns von Kreativität, Mut und Offenheit für Neues leiten zu lassen, anstatt darüber nachzudenken, was nicht geht. Der Entstehung des Innovationsforums ging eine intensive Phase der Annäherung des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes an Sozialunternehmertum und Social Start-ups voraus. Wir haben Pilotprojekte mit Organisationen wie Betterplace.org, dem Betterplace Lab, Nebenan.de sowie Phineo durchgeführt. Zum einen verließen wir dabei als Verband das Terrain der Wohlfahrt, zum anderen ließen wir uns auf einen Prozess der Annäherung ein, der wie das Erlernen einer neuen Sprache erschien. Wir kamen so mit Methoden, Inhalten und Haltungen in Berührung, die wir nicht kannten, die uns herausforderten und teilweise auch überforderten, die uns aber auch faszinierten. In den Netzwerken, die wir entwickelt haben, ist es mittlerweile Standard, dass wir Expertinnen und Experten aus anderen Branchen einladen und wir unsere Arbeit reflektieren und stetig weiterentwickeln.

An Wirkung orientieren

Mit der Öffnung für das Thema Wirkungsorientierung und der Annäherung an Sozialunternehmen startete ein Veränderungsprozess, der von den Mitarbeitenden des Verbandes und der Paritätischen Akademie Berlin viel abverlangte. Wir erkannten, dass auch innerhalb unseres Verbandes ein Wandlungsprozess einsetzte, den es zu unterstützen galt, sollte die Öffnung zu mehr Innovation und Wirkung gelingen. Wir setzten uns mit agilen Methoden auseinander und implementierten, was für unsere Arbeit notwendig erschien und wir ließen uns auch auf einen internen Reflexionsprozess ein, um die Bedingungen für das Innovationsforum auch innerhalb unserer Organisationen zu schaffen.

Das Innovationsforum bündelt einerseits Wissen und Expertise aus dem Paritätischen Wohlfahrtsverband Berlin, der Paritätischen Akademie Berlin und lädt externe Expertinnen und Experten ein. Andererseits werden unsere Mitgliedsorganisationen zu zentralen Akteuren und bekommen eine Plattform, auf der sie auch ihre eigenen innovativen Ansätze einbringen können, um diese mit anderen Mitgliedern zu teilen.Veränderung ist Teil von Innovation und der Fokus auf die Wirkung sozialer Arbeit beinhaltet ein stetiges Hinterfragen von dem, was wir tun. Insofern wird uns die Veränderung stets auch selbst betreffen, wenn wir Innovation und Wirkungsorientierung weiter im Blick haben.

Anne Jeglinski ist Leiterin der Geschäftsstelle Bezirke, Innovation und Wirkung beim Paritätischen Wohlfahrtsverband Berlin. jeglinski(at)paritaet-berlin.de
Cengizhan Yüksel ist Bereichsleiter Weiterbildung und  Foren der Paritätischen Akademie Berlin. c.yueksel(at)akademie.org

Das Innovationsforum und seine Bestandteile

Netzwerkarbeit – Verschiedenste Akteure zusammenzubringen, ist eine Voraussetzung für die Entwicklung von neuen Ideen. Dafür gibt es die große Tagung ,Paritätische Perspektiven‘, die exklusiveren ,Paritätischen Kamingespräche‘ und ,Paritätischen Netzwerke‘ zu Fachthemen.

Workshops – Soziale Organisationen können zusammen mit Expertinnen und Experten, zum Beispiel aus Social Startups oder der Wissenschaft, neues Wissen erlangen und in ihren Organisationen anwenden.

Weiterbildung – Die Komplexität der Thematik findet sich auch in den Weiterbildungsangeboten der Paritätischen Akademie Berlin wieder. Diese setzen bei der Organisationsentwicklung, Methoden und persönlichen Kompetenzen an, um das Thema Innovation und Wirkung ganzheitlich zu bedienen. Hierzu gehören Seminare und Kurse zu den Themen Wirkungsmanagement, agiles Arbeiten und Führen, Design Thinking, New Work und Digitalisierung.

Wirkung – Darzustellen und zu analysieren, wie soziale Arbeit wirkt, wird weiter an Bedeutung gewinnen. Ab Februar 2020 gibt es den ersten Zertifikatskurs Wirkungsmanagement an der Paritätischen Akademie. Ab März können Organisationen auch in kürzeren Formaten Grundlagen der Wirkungsorientierung kennenlernen.

Dieser Beitrag wurde bei Wohlfahrt Intern veröffentlicht und Sie finden ihn hier.

(ne)

Datum, 03 | 03 | 2020