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Social Entrepreneurship und Wohlfahrt

Zwillinge oder entfernte Verwandte? Bericht über Online-Veranstaltung vom 9. November 2021

Foto: congerdesign/Pixabay

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Sie stellen Fairtrade-Limonade her und unterstützen soziale Projekte. Sie pflanzen mit den Einnahmen ihrer Suchmaschine Bäume, sie stellen Snacks aus Insektenmehl her und schützen das Klima. Sozialunternehmer oder Social Entrepreneurs drängen mit innovativen Ideen auf den Markt.
Sie sind auch in Bereichen aktiv, in denen traditionelle Wohlfahrtsverbände und Vereine etabliert sind.

In einer Online-Veranstaltung stellte unter anderem der Paritätische Berlin am 9. November deshalb die Frage nach dem Verhältnis der Akteursgruppen: „Social Entrepreneurship und die Wohlfahrt: Zwillinge oder entfernte Verwandte?“

141 Teilnehmende haben online teilgenommen

Die gemeinsame Veranstaltung der Alice Salomon Hochschule Berlin (ASH), des Social Entrepreneurship Netzwerk Deutschland e. V. (SEND) und des Paritätischen Wohlfahrtsverband LV Berlin e. V. richtete sich an ein Fachpublikum. Das Thema stieß auf großes Interesse. Die drei Gastgeber konnten 141 Teilnehmende begrüßen. Der Einladung waren viele Akteure aus den Bereichen Social Entrepreneurship, Wohlfahrt und Hochschulen gefolgt.  

Die Hochschule München war mit einem informativen Vortrag von Prof. Dr. Martina Wegner vertreten, die sich mit dem Lehrgebiet „Organisation von Zukunftsdiskursen“ beschäftigt. Sie legte dar, wie schwierig die Abgrenzung des Sozialunternehmertums von den Sozialvereinen und -verbänden ist. Sie stellte die Frage, ob die Social Entrepreneurs vielleicht eher eine wirtschaftliche Logik und die Wohlfahrt eine stärker gesellschaftliche oder soziale Logik anwenden. Entrepreneurship beschrieb sie als „Kaderschmiede der Elite der Zukunft“ sowie als spannendes Arbeitsfeld für junge Menschen. „Social Entrepreneurship hat eine hohe Attraktivität für junge, gut ausgebildete Menschen, die Gemeinnützigkeit, Solidarität aber auch Renditen wichtig finden“, resümierte sie.

Gemeinsam und mit Innovation in die Zukunft

Auf dem digitalen Podium wurde anschließend angeregt diskutiert. Sabrina Konzok von SEND versteht die verschiedenen Akteursgruppen als Partner, die gemeinsam an der Lösung von Problemen arbeiten. „Ich kenne keine Sozialunternehmen, die die soziale Arbeit abschaffen oder sie entprofessionalisieren will“, sagte sie. Als eines der größten Themen bezeichnete sie die Digitalisierung. Hier könnten Sozialunternehmen eine wichtige Rolle spielen, auch für die Wohlfahrt.

Joël Dunand berichtete von seinem Unternehmen SODISYS, das digitale Lösungen für den sozialen Bereich anbietet. „Der Auftrag ist es aus meiner Sicht, das System zu ergänzen, es aber nicht zu ersetzen“, sagte er. Dafür wünsche er sich Fördertöpfe von der neuen Regierung. Nicht für sich, sondern für die Wohlfahrt, damit sie sich die Partner leisten und aussuchen kann, die sie bei der digitalen Transformation unterstützen.

Mit der Finanzierung von Innovation beschäftigt sich auch die ASH. Hans-Jürgen Lorenz von der Hochschule erklärte, warum viele Neugründungen aus dem universitären Umfeld kommen: „Wir beschäftigen uns schon sehr lange mit Gründungsförderung, wir haben ein Gründerzentrum aufgebaut“. Wie nötig diese Förderung und wie wichtig die Rolle von Social Entrepreneurs insbesondere bei der Digitalisierung ist, habe die Coronakrise gezeigt.  

Für eine gute Zusammenarbeit sprach sich schließlich Anne Jeglinski vom Paritätischen Berlin aus. „Wir leben in einer Zeit, in der wir es uns nicht mehr leisten können, Lagerbildung zu betreiben. Wir müssen gemeinsam Probleme lösen“, plädierte sie. Bei den Teilnehmenden stieß sie mit diesem Appell auf Zustimmung – in digitalen Zeiten markiert mit einem Daumen nach oben am Bildschirmrand.

Dominique Hensel, freie Autorin

(aw)

 

 

Datum, 18 | 11 | 2021