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Serie: Tiere – im Paritätischen Auftrag unterwegs

Kategorie: Aus dem Verband, Rundbrief, Jugend

Heute: Schildkröten, Frettchen, Pferde, Gänse & Co. auf dem Kinderbauernhof NUSZ der ufaFabrik e. V.

Kind mit Pony "Flocke"

Kind mit Pony "Flocke"; Foto: NUSZ Ufa Fabrik e. V.

Sie beruhigen bei Therapiegesprächen, fördern das Verantwortungsgefühl und das Selbstbewusstsein von Jugendlichen und suchtkranken Menschen, die Sicherheit blinder oder das Wohlbefinden älterer Menschen: Tiere. Oft sind Hunde, aber auch Pferde, Ziegen, Bienen und Eulen sind im Einsatz bei Paritätischen Mitgliedsorganisationen.

 

Der Kinderbauernhof NUSZ der ufaFabrik e. V. bietet Kontakt zu gleich mehrerer Tieren, etwa Schildkröten, Frettchen, Pferden und Gänsen. Durch den Kontakt mit ihnen lernen Kinder auch etwas über Vertrauen, Verantwortung, Ernährung und Umwelt.

 

Kinder werden im Aufwachsen ständig von Tieren begleitet. Ob als Kuscheltier, im Märchen oder in Tiergeschichten: ihre Neugier auch am lebendigen Tier, ist geweckt. So ist es nicht verwunderlich, dass der Wunsch nach einem eigenen, lebendigen Haustier entsteht. Und da aus den verschiedensten Gründen wie Platz- und Zeitmangel, Allergien oder Kosten, nicht in jedem Haushalt ein Haustier gehalten werden kann, sind Einrichtungen mit Tierhaltung für viele Kinder eine gelungene Alternative zum eigenen Haustier. Ein Kinderbauernhof passt da besonders gut in den kindlichen Alltag und ist innerstädtisch weniger als landwirtschaftlicher Hof zu verstehen.

 

Zu jeder Jahreszeit kommen Kinder aus der Nachbarschaft und erkennen sehr schnell, ob der Besuch am Kinderbauernhof einmalig bleibt. Natürlich fühlt sich das Fell sehr kuschelig an, aber insbesondere im Fellwechsel haart es auch sehr. Am Kinderbauernhof riecht es auch besonders. Klar können die Tiere hier nicht auf die Toilette gehen. Aber jeden Tag muss ja das Gehege sauber gemacht werden.

 

Kinder die regelmäßig kommen, werden zu Stammkindern und bleiben oft ihre ganze Kindheit. Unter fachlicher Anleitung werden sie angehalten Verantwortung für sich selbst und andere zu übernehmen. Sie können ihr eigenes Pflegetier bekommen, und im Zusammenspiel von Ernährung und Bewegung lernen sie den Umgang mit Lebensmitteln. In der Arbeit mit Tieren entwickeln sie sich selbst einzuschätzen, ihr Verhalten zu reflektieren und auch Gefahren zu erkennen. Wer das Tier streicheln möchte muss sich ruhig verhalten und das Vertrauen gewinnen.

 

Auch bei den größeren Tieren, beispielsweise den Ponys, spielen Angst und Vertrauen eine große Rolle. Hier bekommen Nähe und die Distanz – wann lasse ich wen, wie nah an mich ran? Wieso rennen immer alle weg? Komm mir nicht zu nahe! Fass mich nicht an! – Bedeutung. Das persönliche Auftreten kann ein Auslöser für Flucht oder Liebkosung sein. Die Kinder erfahren, dass Kommunikation nicht ausschließlich verbal stattfindet und ein Tiergehege nicht der Spielplatz sein kann. So wirkt der Umgang mit Tieren auf die einen belebend, auf die anderen eher beruhigend.

 

Der Tierbereich verbindet alle sozialen Schichten und kennt keine Altersgrenzen oder ethnische Schranken. So können Familien am Familiennachmittag mit ihren Kindern im Tierbereich und beim Ponyreiten verweilen, vormittags nehmen Kitagruppen die Fütterungsführung mit Ponyreiten an, und Grundschulklassen verbringen ihre Projekttage am Kinderbauernhof.

 

Angefangen hat es, als 1980 die kulturinteressierten Menschen sich auf dem Gelände der Ufa Fabrik sich eine eigene, am Tierwohl orientierte, Tierhaltung zulegten. Die Tiere lockten die neugierigen Kinder aus der Nachbarschaft an und der Kinderbauernhof war entstanden. Heute leben hier Ponys, Gänse, Kaninchen, Hühner, Frettchen, Meerschweinchen und Schildkröten.

 

Diese Einrichtung der offenen Kinder- und Jugendarbeit wird gefördert vom Jugendamt Tempelhof-Schöneberg und aus Spenden. Die Inhalte der umfangreichen Angebote sind überwiegend tiergestützt und reichen von sozialen bis hin zu umweltbildenden Themen. Sie sind für alle Kinder im Alter von 6 bis 14 Jahren und kostenlos.

 

Da die Arbeit mit Tieren an 365 Tagen im Jahr einen enormen pflegerischen Aufwand aber auch eine besondere fachliche Qualifikation bedeutet, ist neben den sozialpädagogischen Fachkräften auch ein Tierpfleger beschäftigt. Zahlreiche Ehrenamtliche, Praktikanten und Praktikantinnen, zwei freiwillige Teilnehmende im ökologischen Jahr und insbesondere die Stammkinder unterstützen die Einrichtung tatkräftig.

 

Andreas Knöbel, Kinderbauernhof NUSZ Ufa Fabrik e. V.

 

Mehr über den Kinderbauernhof NUSZ Ufa Fabrik e. V. erfahren Sie über diesen Link.

 

Der Beitrag ist aus dem Paritätischen Rundbrief 2 2022.
Hier können Sie den Paritätische Rundbrief 2 2022 herunterladen.

 

Aufruf: Sind auch in Ihrer Mitgliedsorganisation Tiere im sozialen Einsatz und möchten Sie deren Einsatz vorstellen? Dann freuen wir uns zunächst über eine Mail mit einem kurzen Hinweis (ein Satz) zur Tierart und dem sozialen Bereich an: rundbrief(at)paritaet-berlin.de.

 

(aw)

 

Datum, 13 | 05 | 2022