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Selbstbestimmung und Vollmacht statt Ohnmacht

Fachtagung zur rechtlichen Betreuung in Berlin

Gut besucht: Die Fachtagung zur Rechtlichen Betreuung; Foto: Oliver Zobel

Der Konferenzsaal im Sozialwerk Berlin war voll, sehr voll. Das große Interesse überraschte selbst die Veranstalter. Rund 140 Interessierte wollten hören, wie es um die rechtliche Betreuung in Berlin steht. Der Landesseniorenbeirat Berlin und die Interessengemeinschaft der Berliner Betreuungsvereine hatten die Veranstaltung gemeinsam mit dem Paritätischen Wohlfahrtsverband Berlin lange vorbereitet. Wie die Resonanz zeigt, interessiert das Thema viele. Besonders ältere Menschen treibt die Frage um: „Was wird, wenn ich mal nicht mehr selbst für mich entscheiden kann, wenn meine geistige Kraft nachlässt oder ich vielleicht sogar dement werde?“ Für immer mehr Menschen ist Selbstbestimmtheit im Alter wichtig. Geht es nach dem Betreuungsgesetz (§§ 1896 ff. des Bürgerlichen Gesetzbuchs), hat die rechtliche Betreuung Bedürftiger durch ehrenamtliche gesetzliche Betreuer Vorrang.

Das heißt, die Behörde muss erst prüfen, ob Angehörige oder ehrenamtlich Tätige zur Verfügung stehen, ehe ein Berufsbetreuer (z.B. ein Anwalt) eingeschaltet wird. Bundesweit liegt die Betreuungsquote durch Ehrenamtliche bei 60 Prozent. Berlin liegt mit rund 30 Prozent weit unter dem Bundesdurchschnitt.

Das hat verschiedene Ursachen, wie auf der Tagung deutlich wurde. So arbeiten die Betreuungsbehörden und Betreuungsvereine, in denen die Ehrenamtlichen organisiert sind, in den verschiedenen Bezirken unterschiedlich gut zusammen. Andere machen den Mangel an Ehrenamtlichen in diesem Bereich dafür verantwortlich. Dass etwas getan werden muss, um die rechtliche Betreuung in Berlin zu verbessern, wurde auf der Tagung klar. So forderte Oliver Zobel, Fachreferent für ältere Menschen und pflegebedürftige Menschen in Heimen, eine bessere Unterstützung durch die zuständigen Senatsverwaltungen für Soziales und Justiz. Schon lange fehle es dort an Ansprechpartnern.

Zuhörer der FachtagungDass sich unter der jetzigen Regierungskoalition in der Hinsicht etwas ändern wird, versprach Michael Räßler-Wolff aus der Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Soziales. Seit kurzem erst für den Bereich Senioren zuständig, bot er den Versammelten eine konstruktive Zusammenarbeit an. Ingeborg Simon vom Landesseniorenbeirat forderte die Anwesenden auf, gemeinsam aktiv zu werden. Sie schlug vor, die bereits formulierten und diskutierten Forderungen u.a. für eine Stärkung des Ehrenamtes, für mehr Selbstbestimmung und einer überörtlichen Betreuungsbehörde ins Abgeordnetenhaus einzubringen. Eine Anhörung soll organisiert werden.

Alle waren sich zum Abschluss einige: Das Thema ist zu wichtig, um es auf die lange Bank zu schieben. Die Tagung war ein wichtiger Auftakt, damit sich die Bedingungen für die rechtliche Betreuung in Berlin verbessern, ganz im Sinne des Mottos der Tagung „Selbstbestimmung statt Ohnmacht“.

Mehr zum Thema Pflege finden Sie hier und in unserem Fachportal www.paritaet-alsopfleg.de

(vb)

Datum, 23 | 03 | 2017