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„Seit ich das mache, gehe ich anders durchs Leben“

Das Engagement von Carola Schmidt, einer Familienbegleiterin im ambulanten Kinderhospizdienst der Björn Schulz Stiftung

Familienbegleiterinnen und -begleiter spenden Zeit und Wärme. Foto: Uta KellermannSeit über 20 Jahren begleitet der ambulante Kinderhospizdienst der Björn Schulz Stiftung Familien mit Kindern, die lebensverkürzend erkrankt sind. Über 100 ehrenamtliche Familienbegleiterinnen und -begleiter unterstützen die betroffenen Familien. Vorbereitet im Rahmen eines umfassenden Kurses stehen die Ehrenamtlichen als Gesprächspartner und Helfer im Alltag zur Verfügung. Dabei begegnen sie Betroffenen in tiefer Trauer. 

Carola Schmidt ist Mitte 40 als ihr Körper und ihre Seele ihr ein Stopp setzen. Als engagierte Gymnasiallehrerin hatte sie viel Kraft in die Arbeit investiert. Und dabei sich und ihre Bedürfnisse hinten angestellt. Sie nutzt ihre Krise als Chance, sich neu kennenzulernen und ihrem Leben eine neue Richtung zu geben. Zum Neustart in Berlin gehört auch die bewusste Entscheidung, sich für Bedürftige einsetzen zu wollen. So kommt sie zur Björn Schulz Stiftung. Denn sie erinnert sich an ihre Pläne als 18-Jährige; Sie wollte sich irgendwann einmal im Hospizbereich engagieren. Jetzt ist es für sie soweit.

In dem knapp einjährigen Vorbereitungskurs zur Familienbegleiterin lernt sie viel über Kommunikation, den Prozess des Abschiednehmens, der Trauer und über Krankheitsbilder, aber vor allem über sich. Wo sind ihre Grenzen? Wie kann sie noch mehr Achtsamkeit in ihr Leben bringen? Woraus zieht sie Kraft? Wie geht sie mit der eigenen Endlichkeit um? Die Ausbildung ist eine intensive Phase der Selbsterfahrung. Diese mit anderen angehenden Familienbegleiterinnen und -begleitern zu teilen, schweißt zusammen. Carola erfährt intensive Begegnungen und nimmt enge Freundschaften mit in ihren Alltag.

Ihr erster Einsatz als Familienbegleiterin führt sie in eine türkische Familie. Über zwei Jahre ist sie einmal pro Woche für drei Stunden vor Ort und kümmert sich um das zehnjährige Mädchen. Der kleine Bruder ist schwer an Leukämie erkrankt, die Schwester leidet mit. Wenn Kinder schwer erkranken, bringt dies den Alltag des gesamten Familiensystems aus der Balance. Daher richten sich die Angebote der Björn Schulz Stiftung auch an betroffene Geschwisterkinder. Eine Stammzellenspende seiner Schwester rettet den kleinen Jungen. Die Familie kann gemeinsam weiterleben.

Aber nicht immer geht es so positiv aus. Abschied nehmen von einem Kind musste Carola erstmals im vergangenen Jahr. Finn wurde nach der Geburt eine Lebenserwartung von drei Monaten vorausgesagt. Er ist ein Kämpfer und schafft drei Jahre. In der gesamten Zeit ist Carola an seiner Seite, unterstützt die Eltern, wird zur Ersatzoma. Am Ende trauern Eltern und Carola gemeinsam. Der Kontakt bleibt über Finns Tod hinaus bestehen.

Trotz der Grenzerfahrungen, die Carola macht, strahlen ihre Augen, wenn sie von Finn erzählt. „Das, was ich rein gebe in eine Begleitung, bekomme ich zigfach zurück.“ Wenn sie in ihrem Engagement an eigene Grenzen stößt, wird sie von der Supervision in der Björn Schulz Stiftung aufgefangen. Sie gehe bewusster durchs Leben. Ihr Leben sei erfüllter als früher. Und darum muss es im Ehrenamt gehen.

Mehr Infos unter:
www.bjoern-schulz-stiftung.de

Stefanie Wind, Björn Schulz Stiftung  

(aw)

Datum, 26 | 10 | 2018