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Religionsfreie Geflüchtete erleben auch in Berlin Bedrohung

Welthumanistentag ist Anlass, um auf die Situation dieser Menschen aufmerksam zu machen

Werbung für das Berliner Straßenfest am Welthumanistentag, Quelle: HVD

Menschen, die wegen ihrer Nichtreligiosität aus ihren Heimatländern fliehen, werden hierzulande weiter bedroht. In Berlin erleben dies areligiöse und religionsferne Geflüchtete auch Monate und Jahre nach ihrer Ankunft. Der Welthumanistentag am 21. Juni bietet einen Anlass, auf die Situation dieser Menschen aufmerksam zu machen.

Zwei konkrete Beispiele

Jasmina* ist aus Syrien geflohen und wohnt zurzeit in einer Flüchtlingsunterkunft in Berlin. Sie lebt religionsfrei und verzichtet deshalb auf religiöse Kleidungsstücke. Von Mitbewohnerinnen und Mitbewohnern in ihrer Unterkunft wird sie deshalb immer wieder unter Druck gesetzt und als Schlampe beschimpft. Als Hussein*, ein kurdischstämmiger Syrer, bei über 30 Grad auf der Sonnenallee einen Schluck Wasser trank, wurde er plötzlich von muslimischen Passantinnen und Passanten bedrängt. Er brach in ihren Augen die Fastenregeln im Ramadan und wurde als „schlechter Muslim“ beschimpft. Dabei ist er nicht gläubig und fühlt sich an diese Regeln nicht gebunden.

Sichere Unterbringung gefordert

„Es kann nicht sein, dass Menschen, die aufgrund ihrer aufgeklärten und säkularen Einstellungen aus ihren Heimatländern fliehen mussten, nun aus denselben Gründen auch hierzulande Drangsalierungen und Bedrohungen ausgesetzt sind. Leider passiert dies aber tagtäglich“, erklärt Katja Labidi, Koordinatorin der Projekte für und mit geflüchteten Menschen im Humanistischen Verband Berlin-Brandenburg KdöR. Um diesen Menschen eine Stimme zu geben und auf das Problem ihrer anhaltenden Gefährdung aufmerksam zu machen, hat der Verband den Arbeitskreis „Humanistische Geflüchtete“ mitinitiiert. „Viele trauen sich selbst im vermeintlich sicheren Deutschland nicht, sich zu ihrem Nichtglauben zu bekennen. Wir fordern den Berliner Senat dazu auf, dieses Problem anzuerkennen und für eine sichere Unterbringung dieser Menschen zu sorgen, so wie er dies bereits mit queeren Flüchtlingen macht“, erklärt Labidi weiter.

Asylgesetz sollte auch diese Menschen schützen

„Der deutsche Staat ignoriert bisher vollkommen, dass Menschen in einigen Regionen auf dieser Welt aufgrund ihrer Nichtreligiosität verfolgt werden“, erklärt Florian Zimmermann, Präsident des Humanistischen Verbandes Deutschlands. „Die deutsche Asylgesetzgebung schützt zwar ausdrücklich Menschen, die aufgrund ihrer Religion verfolgt werden, aber nicht jene, die aufgrund ihrer Nichtreligiösität verfolgt werden“, so Zimmermann weiter. Der Humanistische Verband Berlin-Brandenburg KdöR begleitete 2017 etwa den Fall eines Irakers, dem in Deutschland Asyl verwehrt wurde, obwohl er im Irak wegen seiner Nichtreligiosität verfolgt wurde.

Report dokumentiert Missstände

Jährlich belegt der Meinungsfreiheitsbericht der Internationalen Humanistischen und Ethischen Union die weltweite Verfolgung und Benachteiligung von Humanistinnen und Humanisten, Atheistinnen und Atheisten sowie Nichtreligiösen. Der „Freedom of Thought Report“ dokumentiert Missstände in Bezug auf die Rechte, den gesetzlichen Status und die Benachteiligungen in mehr als 180 Staaten. Demnach existieren in 55 Ländern bis heute gesetzliche Verbote, die „Gotteslästerung“ mit schweren Strafen bedrohen. 22 Länder kriminalisieren die Abkehr von einer Religion und in 13 Ländern riskieren Menschen den Tod, wenn sie sich als nichtreligiös bekennen. Besonders in islamischen Ländern sowie Ländern mit einem hohen muslimischen Bevölkerungsanteil werden Religionsfreie und Humanistinnen und Humanisten systematisch verfolgt.

Wegen ihrer Nichtreligiösität Verfolgte bisher oft unsichtbar 

„Während es für Verfolgung religiöser Minderheiten ein öffentliches Bewusstsein gibt und dies von der Weltgemeinschaft verurteilt wird, bleiben Religionsfreie und Humanistinnen und Humanisten, die wegen ihrer Nichtreligiosität verfolgt werden, bisher weitgehend unsichtbar. Dabei sind sie besonders brutalen Attacken ausgesetzt“, erklärt Gary McLelland, geschäftsführender Direktor der Internationalen Humanistischen und Ethischen Union.

Am Welthumanistentag am 21. Juni gibt es zwei größere Feiern:

Der Humanistische Verband Berlin-Brandenburg feiert an diesem Tag das „Ein Fest für freie Geister“.
Wallstraße 61-65
10179 Berlin

Zudem findet um 17 Uhr die Veranstaltung "Verfolgte Humanist_innen" statt. Diese Feier wird vom Dachverband Freier Weltanschauungsgemeinschaften e.V. in Kooperation mit der Humanistischen Akademie Berlin-Brandenburg und dem Humanistischen Verband Berlin-Brandenburg KdöR organisiert.
Humanistische Akademie Berlin-Brandenburg
Brückenstraße 5a
10179 Berlin

*Die Namen der betroffenen Personen sind aus Sicherheitsgründen geändert.

Mehr Infos unter: www.hvd-bb.de

Datum, 21 | 06 | 2018