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Prävention von Wohnungs- und Obdachlosigkeit – eine gemeinsame Aufgabe

Auftakt der Veranstaltungsreihe „Paritätische Perspektiven 2018: Wohnungslosenpolitik gemeinsam gestalten"

Im Gespräch: Dr. Gabriele Schlimper und Senatorin Elke Breitenbach

Am 18. Januar 2018 diskutierten Dr. Gabriele Schlimper, die Geschäftsführerin des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Berlin, die Berliner Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales, Elke Breitenbach und der Sozialbürgermeister der Stadt Karlsruhe, Dr. Martin Lenz über Möglichkeiten, Wohnungs- und Obdachlosigkeit zu verhindern. Zu dem Fachgespräch in der Landesgeschäftsstelle des Paritätischen kamen mehr als 80 interessierte Besucher.

„Im Herbst sind immer wieder alle überrascht“, beschrieb Dr. Gabriele Schlimper den bisherigen politischen Umgang mit Wohnungslosigkeit. Doch kaum ist der Winter vorbei, interessiere das Thema niemanden mehr. Angesichts der von Wohlfahrtsverbänden geschätzten Zahl von 30.000 Wohnungslosen in Berlin muss sich das ändern. Die Veranstaltungsreihe wird sich deshalb auch in weiteren Fachgesprächen das ganze Jahr über mit der Berliner Wohnungslosenpolitik beschäftigen und hoffentlich zu einer Strategie beitragen, wie mit Obdach- und Wohnungslosigkeit besser umgegangen und wie sie verhindert werden kann.

Fachstellen in den Bezirken und einheitliches Vorgehen

Dr. Gabriele Schlimper dankte der Sozialsenatorin für ihr Engagement für die „1. Strategiekonferenz zur Wohnungslosigkeit und -politik“, bei der eine Woche zuvor erstmals Bezirke, Senatsverwaltung, Wohlfahrtsverbände und Hilfsorganisationen gemeinsam nach Lösungen suchten. Um die Bedeutung der Zusammenarbeit aller Beteiligten ging es im folgenden Gespräch immer wieder. Einigkeit herrschte vor allem darin, dass die zwölf Bezirke und die zwölf Jobcenter Berlins einheitlich agieren müssen.

Das Land Berlin zahle jährlich bis zu 273 Millionen Euro für Unterbringungen. Mehr in die Verhinderung von Wohnungslosigkeit zu investieren, senke letzten Endes die Kosten, argumentierte Dr. Gabriele Schlimper. In den Bezirken müsse es eigene Fachstellen geben. Sie könnten aufsuchende Hilfe bei von Wohnungslosigkeit bedrohten Menschen leisten. Was es auf keinen Fall mehr geben darf, seien Räumungen durch städtische Wohnungsbaugesellschaften – 2017 waren es 345!

Ein beispielhaftes Konzept: Wohnungslosenhilfe in Karlsruhe

Dr. Martin Lenz machte mit seinen Erfahrungen als Karlsruher Sozialbürgermeister Mut, wo seit drei Jahrzehnten Prävention gelebt werde. Räumungsklagen gebe es in Karlsruhe nicht mehr. Das Fachstellenkonzept könne auch in Berlin „schneller kommen, als Sie denken“.

Ein Frühwarnsystem müsse her, stimmte Elke Breitenbach zu: „Bei uns funktioniert es nicht.“ Mit den Wohnungsbaugesellschaften werde sie reden. Auch beim Fachstellenkonzept sieht die Senatorin „keinen Dissens“. Eine genaue Statistik, die die Wohnungs- und Obdachlosen in Berlin erfasst, ist ein weiteres zentrales Paritätisches Anliegen, über das gesprochen wurde. In Zusammenarbeit mit der Alice Salomon Hochschule will die Senatsverwaltung bis 2019 damit beginnen.

Text: Martin Thoma
Foto: Der Paritätische Berlin/Tanja Schnitzler

(vb)

Datum, 25 | 01 | 2018