Kiezreporter der Schulstation von Aufwind e.V. - Foto: Stefanie Lehmann Unionhilfswerk - Kindergartengruppe - Foto: Christiane Weidner Eine Breakdanceshow - Foto: Eberhard Auriga Kletterwald - Foto: Nachbarschaftsheim Schöne

„Pflege der Mundgesundheit soll noch mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden“

Fünf Fragen an Mario Czaja, Senator für Gesundheit und Soziales

Mario Czaja, Foto: SenGesSoz

Mario Czaja ist seit 1. Dezember 2011 Senator für Gesundheit und Soziales. Im Mai 2014 stellte die Senatsverwaltung für Gesundheit die Untersuchungsergebnisse der Zahnärztlichen Dienste vom Schuljahr 2012/13 vor, für die in allen Bezirken insgesamt 190.759 Berliner Kinder und Jugendliche untersucht wurden. Miguel-Pascal Schaar stellte dem Senator Fünf Fragen zu Zahnpflege und Mundgesundheit in Berlin.

Wie schlimm steht es um die Zähne der Berliner Kinder?

Bei den meisten Kindern sieht es gut aus. Die Mundgesundheit der Berliner Kinder ist auf einem hohen Niveau angelangt. Bei Kitakindern haben wir immer mehr Kinder mit kariesfreien Zähnen. Aktuelle Auswertungen zeigen, dass 77 Prozent in dieser Altersgruppe ein gesundes Gebiss haben. Allerdings gibt es diese erfreuliche Entwicklung bei den Grundschülerinnen und Grundschülern nicht. Hier ist nur die Hälfte der Untersuchten kariesfrei. Jedes dritte Grundschulkind hat sogar einen Gebisszustand, der einer zahnärztlichen Behandlung bedarf. Vom Ziel der Bundeszahnärztekammer, wonach im Jahr 2020 80 Prozent der Sechsjährigen ein kariesfreies Gebiss aufweisen sollen, sind wir noch ein ganzes Stück entfernt.

Was hat zusammengefasst Ihre Untersuchung zur Zahngesundheit Berliner Kinder ergeben?

Der jahrelange Trend einer positiven Entwicklung der Mundgesundheit bei Kindern ist leider ins Stocken geraten. Ein besonders kritischer Punkt scheint es zu sein, wenn die Kinder von der Kita zur Schule wechseln. In diesem Zeitraum etwa verlieren die Kinder auch ihre Milchzähne und es bilden sich die bleibenden Zähne. Während von den Dreijährigen noch 82 Prozent ein Gebiss ohne Karies haben, sind es bei den Sechsjährigen nur noch 50 Prozent. Hier besteht unbedingt Handlungsbedarf.

Was kann die Berliner Politik zur Verbesserung beitragen?

Wir wollen den guten Gesundheitszustand der Kinder in Berlin weiter verbessern und Hemmnissen so früh wie möglich entgegentreten. Dafür haben wir ein ganzes Bündel von Maßnahmen geschnürt. Im Februar diesen Jahres haben wir beispielsweise ein Konzept zur Eindämmung frühkindlicher Karies vorgestellt. Es ist in Zusammenarbeit mit der Bundeszahnärztekammer, der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung, des Bundesverbands der Kinderzahnärzte und des Deutschen Hebammenverbands entstanden. Es wird von der Universität Greifswald wissenschaftlich begleitet. Wir setzen dabei bei den Kleinst- und Kleinkindern an. So sollen bereits zwischen dem 6. und 30. Lebensmonat drei zahnärztliche Früherkennungsuntersuchungen durchgeführt und im gelben Vorsorgeheft dokumentiert werden. Schon 2009 wurde in Berlin der Kinderzahnpass eingeführt, in dem die erste zahnärztliche Früherkennungsuntersuchung im Alter von 6 bis 18 Monaten vorgesehen ist. Eltern sollen so frühzeitig für die Mundgesundheit ihres Kindes sensibilisiert und als Verbündete im Kampf gegen Karies gewonnen werden.
Auch möchte ich in Zusammenarbeit mit meiner Kollegin Bildungssenatorin Scheeres dafür Sorge tragen, dass der Pflege der Mundgesundheit in den Kitas noch mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird. Es gibt Kitas, in denen nicht mehr täglich die Zähne geputzt werden. Gerade diese Kitas sollen animiert werden, das Zähneputzen wieder in den Tagesablauf zu integrieren und den Kindern somit ein elementares Gesundheitsverhalten zu vermitteln.

Wie wäre es mit einem Unterrichtsfach „Gesundheit“ in Berliner Schulen?

Schon jetzt werden bis zu dreimal im Jahr Unterrichtseinheiten im Rahmen der zahnmedizinischen Gruppenprophylaxe durchgeführt. Außerdem sind im Rahmenlehrplan für die Berliner Grundschulen Themen wie Gesundheitsförderung und Körper – Gesundheit – Entwicklung in den unterschiedlichen Unterrichtsfächern verankert. Dies bestärkt unsere Vorhaben, dass Kinder frühzeitig an gesundheitsfördernde und präventive Verhaltensweisen herangeführt werden. Denn was in früher Kindheit erlernt wird, wird zumeist auch im Erwachsenenalter beibehalten. Insofern steht Gesundheit auch im Unterricht auf dem Lehrplan.

Wie könnte die Kita- und Schulessensversorgung einen Beitrag zur Verbesserung leisten?

Aktionen wie ein „zuckerfreier Vormittag“ in Kitas oder auch ein durch die Kita organisiertes Frühstück bieten Kindern die Möglichkeit, abwechslungsreiche und gesunde Ernährung in der Gemeinschaft zu erleben. So können spielerisch Freude und Geschmack von gesundem Essen entwickelt werden. Das trägt auch zur Mundgesundheit bei. Das regelmäßige, gründliche Putzen der Zähne bleibt allerdings von herausragender Bedeutung. Es wäre wünschenswert, wenn das Zähneputzen als tägliches Ritual auch bei Grundschülerinnen und Grundschülern gelten würde. Mit Beginn der Schulzeit fällt dieses Ritual – in der Kita noch üblich – leider weg. Das ist bedauerlich, denn gerade in der Zeit, in der die bleibenden Zähne durchbrechen, ist es wichtig, am täglichen Zähneputzen festzuhalten. Das verbessert die Mundgesundheit und stärkt das Gesundheitsverhalten der Heranwachsenden.

Die Daten zum Schuljahr 2012/2013 sind im Gesundheits- und Sozialinformationssystem der Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales abrufbar unter gsi-berlin.info (Erweiterte Suche: Kontext: „Mundgesundheit der Berliner Kinder 2012/2013“)

(RS)

Datum, 26 | 08 | 2014