Kiezreporter der Schulstation von Aufwind e.V. - Foto: Stefanie Lehmann Unionhilfswerk - Kindergartengruppe - Foto: Christiane Weidner Eine Breakdanceshow - Foto: Eberhard Auriga Kletterwald - Foto: Nachbarschaftsheim Schöne

Pflege darf nicht mit Leiharbeit sichergestellt werden

Maßnahmenpaket für die Eindämmung von Leiharbeit in der Pflege

Ältere Frau im Pflegeheim bekommt Tasse gereicht von einer Pflegekraft

Im Pflegeheim, Foto: Holger Groß

Der Personalmangel in der Pflege trifft die Krankenhäuser ebenso wie die Langzeit- und ambulanten Pflegedienste. Immer häufiger müssen zur Sicherstellung der Versorgung Zeitarbeitskräfte eingesetzt werden.

Für Pflegekräfte ist die Zeitarbeit attraktiv, weil die Pflegekräfte von den Zeitarbeitsfirmen häufig höher vergütet werden und sie sich ihre Arbeitszeiten aussuchen können – weniger Nachtschichten und weniger Wochenendarbeit. Das steigert unweigerlich die Belastung des Stammpersonals. Es entsteht die Gefahr einer Reduzierung der Patientensicherheit und der Pflegequalität.

Gemeinsam mit diesen Akteurinnen und Akteuren der Berliner Gesundheits- und Pflegebranche hat Pflegesenatorin Dilek Kalayci am 16. September ein gemeinsam entwickeltes Maßnahmenpaket zur Eindämmung der Leiharbeit in der Pflege vorgestellt.

Dieses beinhaltet:

•    Passus im Berliner Pakt für die Pflege
•    eine Berliner Bundesratsinitiative zur generellen Unterbindung der Arbeitnehmerüberlassung im Pflege- und Krankenhausbereich
•    ein Gutachten zur Prüfung der Auswirkungen der Leiharbeit auf die Pflegequalität und Versorgungssicherheit mit der Charité
•    Eckpunkte eines Rahmenüberlassungsvertrags für Zeitarbeitsfirmen
•    eine Verankerung der generellen Unterbindung im Wohnteilhabegesetz (Ordnungsrecht)
•    die Festschreibung der generellen Unterbindung in die Rahmenverträge Pflege
•    die verstärkte Anzeige und Beschwerdemanagement für Verletzung von Überlassungsverträgen
•    weitere Qualitätskriterien bei der Zulassung von Erlaubnisinhabern

Dilek Kalayci, Senatorin für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung: „Die Entwicklung der Leiharbeit in der Pflege in Berlin gibt inzwischen Anlass zur Sorge. Patientensicherheit, Pflegequalität und Versorgungssicherheit werden gefährdet Die Krankenhäuser beklagen, dass Pflegepersonal insbesondere im intensivmedizinischen Bereich von den Leasingfirmen gezielt abgeworben wird. Als Folge verschlechtern sich die Arbeitsbedingungen für festangestellte Pflegekräfte und deren Belastung nimmt zu. Problematisch ist das Phänomen insbesondere aus gesundheits- und pflegepolitischer Sicht. Pflegekräfte, die die Strukturen und Prozesse der Station eines Krankenhauses oder einer Pflegeeinrichtung nicht kennen, gefährden die Patientensicherheit und die Pflegequalität. Pflege ist eine Mensch-zu-Mensch-Beziehung. Die ist bei kurzen Einsätzen der Leiharbeitskräfte schwer aufzubauen.“

Dr. Oliver Zobel, Referent für Stationäre Pflege und Altenhilfe Paritätischer Wohlfahrtsverband Berlin: „Aus Sicht des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Berlin ist die Langzeitpflege im Alter und die Akutpflege im Krankenhaus eine zentrale Grunddaseinsfunktion für unsere Stadtgesellschaft, die nicht mit Zeitarbeit sichergestellt werden kann. Gute Pflege braucht Vertrauen und Verlässlichkeit. Leiharbeit, mit wechselndem Personal, kann das nicht leisten. Im Gegenteil: Leiharbeit erschwert verbindliches gemeinsames Handeln im Pflegeteam und belastet das Arbeitsklima in den Einrichtungen. Wir unterstützen die Bundesratsinitiative des Landes Berlin und dir Reformen auf Landesebene im Krankenhausgesetz und Wohn- und Teilhabegesetz für Pflegeeinrichtungen als die wichtigsten Signale, um gute Pflege sicherzustellen. Bis die Gesetzesänderungen greifen, brauchen wir Selbstverpflichtungen und Qualitätsstandards in der Zusammenarbeit mit Leiharbeitsfirmen.“

Die Pressemitteilung finden Sie hier.

(rs)

Datum, 17 | 12 | 2019