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Paritätische Perspektiven 2018

Gesundheitliche Versorgung von obdach- und wohnungslosen Menschen

Diskussionsrunde bei den Paritätischen Perspektiven 2018; Foto: Patricia Kalisch

Auf 40.000 schätzt die LIGA der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege die Zahl der Wohnungslosen in Berlin, vermutlich 4000 bis 6000 von ihnen leben auf der Straße. Ihre gesundheitliche Versorgung war Thema einer Podiumsdiskussion, die im Rahmen der ganzjährigen Veranstaltungsreihe „Paritätische Perspektiven 2018: Wohnungslosenpolitik gemeinsam gestalten“ am 22. Oktober in der Landesgeschäftsstelle des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Berlin in der Brandenburger Straße stattfand.

Auf dem Podium sprachen Dilek Kolat, Senatorin für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung, Dr. Jenny de la Torre, Gründerin der „Jenny De la Torre Stiftung“ und Leiterin eines Gesundheitszentrums für Obdachlose, Dr. Jörg Schmidt, Abteilungsleiter des Zentralen Abrechnungsmanagements der Charité Berlin und Dr. Gabriele Schlimper, Geschäftsführerin des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Berlin. Das Publikum aus Abgeordneten, Ärzten und von Wohnungslosigkeit Betroffenen, aus Vertretern Paritätischer Mitgliedsorganisationen, der Senatsverwaltung und von Krankenhäusern beteiligte sich intensiv an der Diskussion.

Foto: Patricia KalischGeredet wurde unter anderem über die Schwierigkeiten des Zugangs zu medizinischer und pflegerischer Versorgung für Menschen, die als „nicht wartezimmerfähig“ tituliert werden, die fehlende Krankenversicherung eines Großteils der Wohnungslosen, das Zusammengehen von Straßensozialarbeit und medizinischer Versorgung und die vom Senat neu eingerichtete zentrale Clearingstelle für alle Menschen ohne Krankenversicherung.

Gesundheitssenatorin Kolat stellte das Konzept der Clearingstelle vor. Ihre erste Aufgabe sei es, zu prüfen, ob ein Versicherungsschutz hergestellt werden kann und Menschen dabei zu unterstützen, ihre Rechte gegenüber den Kassen durchzusetzen. Sie werde intensiv mit allen Stellen der Obdachlosenarbeit in der Stadt, mit den Jobcentern, mit den Kassen zusammenarbeiten. Für Menschen ohne Versicherungsschutz soll ein Notfallfonds die Behandlungskosten übernehmen, der jährlich mit 750.000 Euro ausgestattet werden und für Spenden offen sein soll.

Dr. Jörg Schmidt von der Charité betonte, dass im Krankenhaus jeder Hilfe bekomme, unabhängig davon, ob eine Rechnung gestellt werden kann. Gleichzeitig machte er die finanzielle Dimension des Problems für die Krankenhäuser deutlich: Die Charité bleibt jährlich auf fünf bis sechs Millionen Euro offenen Forderungen sitzen. Dr. Jenny de la Torre ergänzte, dass 70 Prozent ihrer Klienten nicht versichert sind.

Foto: Patricia KalischDie Arbeit mit Obdachlosen habe viel mit Vertrauen zu tun, das über Jahre aufgebaut werden muss. Dieser entscheidende Punkt wurde von Dr. de la Torre, aber auch in mehreren Redebeiträgen aus dem Publikum angesprochen. Außerdem suchten sich Obdachlose ihre Einrichtungen oft da, wo sie ihr „Wohnzimmer“ installieren. Es müsse daher mehr dezentrale Möglichkeiten geben, um den Menschen zu helfen, wo sie sind.

Text: Martin Thoma
(vb)

Datum, 23 | 10 | 2018