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Opferschutz verbessern durch proaktive Kontaktaufnahme

Servicestellen proaktiv für Betroffene und Wegweiser für Beschuldigte von Straftaten

Neue Schilder für Beratungsstellen, Foto: Opferhilfe Berlin e. V.

Die proaktive Kontaktaufnahme zu Betroffenen von Straftaten durch Opferhilfeeinrichtungen hat bereits in mehreren europäischen Ländern zu einer höheren Inanspruchnahme der vorhandenen Hilfs- und Unterstützungsangebote geführt.

Um auch in Berlin mehr Betroffenen besser helfen zu können, haben sich Mitgliedsorganisationen des Paritätischen Wohlfahrtsverbands in den vergangenen Jahren intensiv mit diesem Ansatz auseinandergesetzt und nach Realisierungsmöglichkeiten gesucht. Die Bemühungen waren erfolgreich: Im aktuellen Justizhaushalt wurden Mittel für die Einrichtung zweier Servicestellen zur Umsetzung des proaktiven Ansatzes sowohl in der Opferhilfe als auch in der Täterarbeit zur Verfügung gestellt. Seit März 2020 befinden sich beide Servicestellen im Aufbau.

Im Rahmen eines vom Paritätischen Berlin organisierten virtuellen Fachgespräches am 20. November 2020 haben die Träger der Einrichtungen mehreren Vertreterinnen und Vertretern des Rechts- und des Innenausschusses des Abgeordnetenhauses sowie der Senatsverwaltungen für Justiz, für Inneres und für Gleichstellung die Profile und die Kooperationsstrukturen der Servicestellen sowie den aktuellen Stand der Umsetzung beider Vorhaben vorgestellt.

Die Proaktiv-Servicestelle für Betroffene von Straftaten des Trägers Opferhilfe Berlin e. V. kooperiert eng mit der Polizei, damit Betroffene von Straftaten nach Anzeigenerstattung kontaktiert werden und an passende Beratungsstellen vermittelt werden können. Sie erhalten auf diesem Weg verständliche, bedarfs- und bedürfnisorientierte Informationen und professionelle Unterstützung. Durch dieses frühzeitige Unterstützungsangebot kann psychische Belastung reduziert und das Selbstwirksamkeitsempfinden der betroffenen Menschen gestärkt werden.

Die Servicestelle Wegweiser des Trägers selbst.bestimmt e. V. richtet sich an Menschen, die einer Straftat im Bereich interpersoneller Gewalt psychischer und physischer Art beschuldigt werden. Parallel zum Ermittlungs- und sich gegebenenfalls anschließendem Strafverfahren soll ihnen im Rahmen der Anzeigenbearbeitung durch die Polizei ein Angebot unterbreitet werden, um sich mit den Tatumständen und -folgen auseinanderzusetzen. Übergreifendes Ziel dabei ist die Prävention von Gewalt und somit ein verbesserter Opferschutz.

Im Rahmen des Fachgespräches konnten die Träger eindrucksvoll demonstrieren, dass seit dem Projektstart bereits viel erreicht wurde. Beide Servicestellen sind wichtige Bausteine für ein verbessertes Opferschutzsystem in Berlin geworden. Damit der proaktive Ansatz vom Pilotprojekt zum Standardangebot in Berlin werden kann, müssen die Einrichtungen jedoch nachhaltig und auskömmlich finanziert werden.

Die an dem Fachgespräch Beteiligten waren sich einig, dass Opferschutz als gesamtgesellschaftliche Aufgabe begriffen werden muss. Dafür bedarf es einer langfristig orientierten Herangehensweise über Behördengrenzen hinweg. Sowohl die Entstehungsgeschichte als auch die bisherige Arbeit der Servicestellen haben gezeigt, dass eine konstruktive und ressortübergreifende Zusammenarbeit zwischen Trägern, Politik und Verwaltung möglich ist. Nicht zuletzt trägt das Land Berlin damit wirkungsvoll zur Umsetzung der EU-Opferschutzrichtlinie und der Istanbul-Konvention zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt bei.

Irina Meyer, Referentin Straffälligen und Opferhilfe/Schuldner- und allgemeine Sozialberatung beim Paritätischen Berlin

Datum, 26 | 03 | 2021