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Nur durch Zusammenarbeit kann Hilfe wirksam sein!

Zweiter Teil der Veranstaltungsreihe „Paritätische Perspektiven 2018“ über Straßensozialarbeit und bezirks- und ressortübergreifende Zusammenarbeit

Im Gespräch: Innensenator Andreas Geisel zu Gast bei den Paritätischen Perspektiven

Straßensozialarbeit kann nur bezirksübergreifend und in Zusammenarbeit mit den zuständigen Fachressorts wirkungsvoll sein. Über diese Richtung in der Wohnungslosen- und Obdachlosenpolitik waren sich die Teilnehmer der Diskussionsrunde am 25. Juni 2018 in der Landesgeschäftsstelle des Paritätischen Berlin einig. Auf dem Podium erörterten Dr. Gabriele Schlimper, die Geschäftsführerin des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Berlin, der Berliner Senator für Inneres und Sport, Andreas Geisel und Juri Schaffranek von Gangway e.V. ihre Ideen über den Weg zu einer solchen Zusammenarbeit.

„Ich habe den Eindruck, dass das Thema Wohnungslosigkeit und Obdachlosigkeit bei den Verantwortlichen angekommen ist: Man hat sich auf den Weg gemacht“, eröffnete Dr. Gabriele Schlimper das Gespräch. Deshalb sei es gerade jetzt an der Zeit, einen dauerhaften Dialog aufzunehmen und auf die Probleme aufmerksam zu machen. Sie plädierte dafür, mit allen Beteiligten beim Senat und aus den Bezirken das Gespräch zu suchen sowie die Gründe für Wohnungslosigkeit zu hinterfragen. Dabei sollten auch die Träger von Straßensozialarbeit als Seismografen aktueller Entwicklungen auf der Straße berücksichtigt werden.

Auch wenn das Ziel klar zu sein scheint, sieht die Praxis noch anders aus. Juri Schaffranek von Gangway e.V. kritisierte: „Eine gremien- und ressortübergreifende Zusammenarbeit gibt es kaum“. Er beschrieb als Beispiel das Feld der hygienischen Versorgung von Obdachlosen, für die auch eine medizinische Betreuung nötig ist. 

„Leider kommen die Senatsverwaltungen für Gesundheit und für Soziales nicht ins Gespräch. Dabei bleiben gute und schnell umsetzbare Konzepte auf der Strecke“, veranschaulichte Schaffranek den Bedarf einer stärkeren Zusammenarbeit der Ressorts.

Senator Andreas Geisel bestätigte den Handlungsbedarf: „Das Thema Obdachlosigkeit wird immer größer, es bewegt die Menschen“. So seien die Kältehilfeplätze in diesem Jahr verdoppelt worden, „aber wir sind weit davon entfernt, allen Obdachlosen zu helfen“. Die Hinweise des Fachpublikums seien ihm willkommen. „Ich bin heute gekommen, um etwas zu lernen“, sagte er. Impulse erhielt er aus dem Podium und aus der anschließenden lebhaften Diskussion des Fachpublikums. Dabei ging es unter andere, um die unterschiedlichen Rollen der Straßensozialarbeiter und der Ordnungskräfte.

Die etwa 70 Teilnehmenden berichteten eindrucksvoll aus ihrem Alltag in der Straßensozialarbeit. Senator Andreas Geisel gaben sie viele Impulse mit auf den Weg: das Gespräch zu suchen, Probleme zu bemerken, Konzepte wie „Housing First“ aus Finnland zu diskutieren und eine ganzjährige Unterbringung von Wohnungslosen ähnlich der Kältehilfe zu organisieren. In diesem Zusammenhang wiesen sie darauf hin, dass zunehmend auch Kinder und Familien betroffen seien und untergebracht werden müssten. Schließlich sprach sich die Runde für eine kontinuierliche Finanzierung von Straßensozialarbeit an den Brennpunkten der Stadt aus.

Die nächste Veranstaltung in der Reihe „Paritätische Perspektiven 2018“ wird sich Ende August mit der Gesundheitsversorgung von Wohnungs- und Obdachlosen beschäftigen.

Text: Dominique Hensel
Foto: Patricia Kalisch

Datum, 26 | 06 | 2018