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Mobilität und Inklusion

Ergebnisse einer Umfrage des Berliner Behindertenverbandes

Schlechte Noten für die BVG: Ergebnisse der BBV-Umfrage

„Wir machen Sie mobil“, so werben die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) für sich.
Der Berliner Behindertenverband hat die Werbung kürzlich überprüft. 600 Berlinerinnen und Berliner mit Behinderung beantworteten die Frage „Wie gut werden bei den Berliner Bussen, U-Bahnen und Straßenbahnen die Bedürfnisse mobilitätseingeschränkter Menschen berücksichtigt?“ Das Ergebnis ist ernüchternd. Am besten schneiden noch die Busse ab: 6,3 % der Befragten gaben ihnen die Note 1 (Sehr gut), hingegen 13,5 % die Note 5 (Mangelhaft). Auf den Plätzen 2 und 3 folgen U-Bahn und Straßenbahn, mit deutlich schlechteren Werten. Am schlechtesten wurde der Umgang der BVG mit defekten Fahrstühlen bewertet: 56,9 % der Befragten gaben die Note 5, niemand die Note 1.

Wie kommen solche schlechten Umfragewerte zustande? Ein Grund ist die fehlende wirksame Einbeziehung behinderter Menschen z. B. bei der Neuanschaffung von Fahrzeugen und der Gestaltung von Rampen und anderen Hilfsmitteln am Fahrzeug. Ihre Bedürfnisse werden immer noch  ungenügend berücksichtigt. Dominik Peter, Vorstandsmitglied beim Paritätischen Wohlfahrtsverband Berlin sagt dazu: „Wenn zum Beispiel Neuheiten vorgestellt werden und die Behindertenverbände in den entsprechenden Gremien daran massive Kritik üben, ist es völlig indiskutabel, wenn BVG und S-Bahn anschließend ganz gezielt den Eindruck erwecken wollen, die neuen Produkte seien sozusagen von den Verbänden abgesegnet worden, nur weil sie in den Gremien vorgestellt wurden.“

Eine bessere Beteiligung der Berlinerinnen und Berliner mit Behinderung, wie sie auch der Paritätische Wohlfahrtsverband Berlin fordert, könnte den öffentlichen Nahverkehr für alle attraktiver machen. Denn eine zu steile Rampe ist nicht nur für den Rollstuhlfahrer ein Hindernis, sondern auch für ältere Menschen oder Eltern mit Kinderwagen. Defekte Fahrstühle behindern alle, die keine Treppen laufen können.

Mehr Beteiligung würde nicht nur die Kundenzufriedenheit erhöhen, sondern auch die Inklusion von Menschen mit Behinderung befördern, weil es dann selbstverständlicher wird, dass alle die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen. Ganz nach dem Slogan „Wir machen Sie mobil.“

Zur Umfrage: www.berliner-behindertenzeitung.de/wp-content/uploads/2017/03/BBV-Umfrageergebnisse.pdf

Autorin: Ulrike Pohl, Fachreferentin des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Berlin und selbst im Rollstuhl unterwegs

 

(Pe)

Datum, 28 | 03 | 2017