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„Kulturelle Bildung bewegt Herz und Verstand, Kopf und Körper“

Kategorie: Jugend, Jugendhilfe, Kultur, Sport, Fünf Fragen

Fünf Fragen an Cornelia Schuster, Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung Berlin e.V. (LKJ )

Cornelia Schuster, LKJ

Cornelia Schuster, LKJ; Foto: privat

Als Diplom Pädagogin mit wirtschaftlichem Background (FA Wirtschaftskauffrau) ist Cornelia Schuster seit 2004 die Leiterin des Koordinationsbüros der Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung Berlin e.V. (LKJ). Die ersten Berufserfahrungen als Geschäftsführerin sammelte Cornelia Schuster in einem großen soziokulturellen Zentrum in Leipzig, war dort zuständig für die Angebote für Kinder und Jugendliche. Dann führte der Weg über einige Jahre in der Bildungsforschung sowie eine bewegte Zeit in der Frauenpolitik zurück zur Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, zur kulturellen Bildung.
Die Fragen stellte Andreas Schulz, Jugendhilfereferent des Paritätischen Berlin.


Frau Schuster, Sie leiten das Koordinationsbüro der LKJ Berlin e.V. Wofür steht der Verein und was macht Ihre Arbeit aus?

Cornelia Schuster: Die Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung Berlin e.V. (LKJ) bildet das „fachpolitische Dach“ der in der kulturellen Kinder- und Jugendarbeit engagierten Träger und Einrichtungen. Dazu gehören Musik- und Jugendkunstschulen, Kindertheater und Jugendmuseen, Rock- und Popinitiativen, Jugendorchester, Tanz- und Literaturgruppen, medien- und theaterpädagogische Zentren, Zirkusprojekte, bezirkliche und überregionale kulturelle Kinder- und Jugendfreizeitzentren. Die LKJ fördert die Zusammenarbeit der aktuell 45 Mitgliedsverbände, regt interdisziplinäre und interkulturelle Projekte und Veranstaltungen an. Sie organisiert landesweite Fachforen und Fortbildungsangebote und unterstützt Evaluation und Qualitätsentwicklung mit Arbeitshilfen und Beratung.

Wesentliche Aufgabe der LKJ ist und wird es bleiben, Öffentlichkeit, Politik, Verwaltung und Wirtschaft in die Verantwortung zu nehmen dafür, dass kulturelle Bildung, und Teilhabe für
und von Kindern und Jugendlichen als Querschnittsaufgaben der Bildungs-, Kultur- und Stadtentwicklungspolitik begriffen werden. Dazu gehören die angemessene Bereitstellung von Mitteln für die Arbeit ebenso wie die stadtweite Förderung innovativer, vielfältiger und anregender Lern-, Handlungs- und Erfahrungsräume, die die Lebens- und Entfaltungsbedürfnisse von Kindern und Jugendlichen fördern.

Können Sie uns Beispiele für eigene, selbstinitiierte Projekte nennen?

Cornelia Schuster: Wir haben ein breites Spektrum an Projekten entwickelt. Das Projekt „Freiwilliges Soziales Jahr in der Kultur“ ist etabliert und ein Erfolgsmodell geworden. Wir begleiten pro Jahr 130 Freiwillige in Berlin und Brandenburg.
Mit „Kubinaut – Navigation Kulturelle Bildung“ sind wir Mitbetreiber und Kooperationspartner der digitalen Plattform für kulturelle Bildung in Berlin. Entwickelt haben wir Kubinaut in enger Zusammenarbeit mit der Kulturprojekte GmbH.
Mit dem Bildungspass „Kompetenznachweis Kultur“, für den die LKJ ebenfalls Servicestelle ist, verfügt die kulturelle Jugendbildung über ein ausgewiesenes Nachweisverfahren für den Erwerb von Schlüsselkompetenzen im Rahmen kultureller Bildungsangebote.

2014 sind wir mit dem „InfoPoint Kulturelle Bildung“ an den Start gegangen. Mit dem InfoPoint informieren, beraten und unterstützen wir gemeinnützige Institutionen, Verbände und Netzwerke der Jugendarbeit und der Jugendkulturarbeit bei der Suche nach geeigneten Fördermitteln. Ein Hauptaugenmerk bildete dabei auch das Bundesprogramm „Kultur macht stark!“. Dass dieser Service sinnvoll ist, zeigt die überdurchschnittliche Beteiligung von Berlin im Verhältnis zu anderen Bundesländern. Im Durchschnitt gibt es in Deutschland 40,6 Anträge je 100.000 Kinder und Jugendliche zwischen drei und 17 Jahren. In Berlin sind es rund 126, damit liegt Berlin an erster Stelle (Stand März 2015). Auch im Hinblick auf die Fördersumme je Kind oder Jugendlichen ist Berlin an erster Stelle mit 20,68 Euro, im Bundesdurchschnitt beträgt die Fördersumme 5,33 Euro.

Was motiviert Sie an der kulturellen Bildung persönlich?

Cornelia Schuster:
Kulturelle Bildung ist ganzheitlich, alle Sinne schärfend, Wahrnehmung anregend, Ausdruckskraft schulend, Kommunikation und soziale Empathie fördernd. Bildung ohne ästhetische Erfahrung, künstlerisches Gestalten und kreative Eigentätigkeit ist für mich nicht vorstellbar. „Aus halben Portionen ganze Persönlichkeiten machen“, so beschrieb die BKJ vor Jahren daher zu Recht das Selbstverständnis und den Auftrag der Einrichtungen der kulturellen Kinder- und Jugendbildung. Diesem Verständnis fühle ich mich verpflichtet.

Um den Stellenwert der kulturellen Bildung muss öffentlich – zumindest programmatisch – nicht gestritten werden, mit der Finanzierung sieht es allerdings anders aus. So finden außerschulische Angebote der kulturellen Kinder- und Jugendbildung zwar weithin Anerkennung, kämpfen aber seit Jahren mit schwindenden Fördersummen. Auch dafür lohnt es sich einzusetzen bzw. immer aufs Neue aufmerksam zu machen.

Mit Blick auf die Zukunft der kulturellen Bildung – wie agiert die LKJ?

Cornelia Schuster:
Mit der Antwort auf Herausforderungen, die (nicht nur) uns gestellt werden: Wir haben gerade das vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend geförderte Projekt „ePartizipation in der Jugend(kultur)arbeit/Kulturellen Bildung“ beendet. Wir freuen uns, dass wir das im Rahmen des Projektes entwickelte Curriculum „Methodenset Barcamp“ als Open Educational Resources (OER) zur Verfügung stellen können. Das heißt, das Curriculum kann, darf und soll von den Fachkräften der Jugendkulturarbeit und von den Jugendlichen weiter entwickelt werden.

Die Arbeit mit jungen geflüchteten Menschen steht sicher auch bei der LKJ aktuell auf der Tagesordnung. Was planen Sie?

Cornelia Schuster:
Potenziale kultureller Bildung für die Integration von jungen Geflüchteten nutzen – das ist der Hintergrund für unsere Überlegungen für ein neues Berliner Modellprojekt. Gegenwärtig entwickeln wir einen Freiwilligendienst für Menschen mit Fluchterfahrung: „BFD – Refugees Welcome“. Hier sind wir aktuell im Gespräch mit der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft und auf der Suche nach Unterstützern und Förderern. Darüber hinaus planen wir für 2016 eine größere Fachtagung beziehungsweise einen Ratschlag – diese Veranstaltung soll dem Erfahrungsaustausch und der Anregung von Angeboten und Projekten für und mit Menschen mit Fluchterfahrung dienen. Ganz zentral wäre hierbei, Geflüchtete selbst zu Worte kommen zu lassen: Was brauchen sie, wie können Einrichtungen/Mitarbeitende ihnen Wege öffnen, was können und wollen sie selbst tun. Aber auch alle anderen Projekte der LKJ – Kubinaut, InfoPoint Kulturelle Bildung – sind sensibilisiert für das Thema und aktiv dabei. So hat sich der InfoPoint Kulturelle Bildung bereits im letzten Jahr bei einer Veranstaltung mit Informations- und Fördermöglichkeiten für Projekte mit Migranten und Migrantinnen sowie Flüchtlingen auseinandergesetzt. Vor allem auf die Arbeit unserer Mitglieder sei an dieser Stelle hingewiesen.

Grundsätzlich gilt natürlich: Die Situation ist derzeit schwierig, da zunächst die grundlegenden Bedarfe wie Unterkunft, Verpflegung, Registrierung etc. zu bewältigen sind. Bei allen Aktivitäten ist zu berücksichtigen, Menschen in Not und mit schwierigen Lebens- und Fluchtgeschichten nicht mit „unangemessenen“ Angeboten zu bedrängen.

Mehr Informationen und alle Projekte der LKJ unter lkj-berlin.de.
Mehr zum Curriculum „Methodenset Barcamp“ unter lkj-berlin.de/methodenset-barcamp.


Datum, 26 | 01 | 2016