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Internationale Stalking Konferenz mit großer Resonanz

Über 250 Fachleute diskutierten am 4. April auf den Campus Virchow über neue Entwicklungen zum Thema Stalking

Justizsenator Dr. Dirk Behrendt und Wolf Ortiz-Müller, Stop-Stalking Berlin, auf der Stalking-Konferenz 2017

Über 250 Fachleute aus Wissenschaft, Politik und Praxis waren am 4. April auf den Campus Virchow in die Charité gekommen, um über neue Entwicklungen zum Thema Stalking zu diskutieren. Die Konferenz „10-Jahre-Nachstellungsgesetz - Wieder selbstbestimmt leben“ wurde gemeinsam von Stop-Stalking Berlin, der Charité und dem Paritätischen Wohlfahrtsverband Berlin durchgeführt. Zwölf Jahre nach der letzten Konferenz zu dem Thema, die in Frankfurt am Main stattgefunden hatte, trafen sich Expertinnen und Experten, um darüber zu diskutieren, wie Opferschutz und Täterarbeit in Zukunft verbessert werden können.

 

Grußworte des Justizministers der Bundesregierung und des Berliner Justizsenators

In einem per Video übertragenen Grußwort machte der Bundesminister für Justiz und Verbraucherschutz Heiko Maaß auf das veränderte Strafrecht  aufmerksam. So sei mit dem 2007 eingeführten Paragraphen 238 im Strafgesetzbuch die Strafverfolgung von Stalkern überhaupt erst möglich geworden. Gleichzeitig betonte der Minister, dass bis vor kurzem noch immer die Opfer gezwungen wurden, ihr Leben zu ändern, und nicht die Stalker. Dank einer kürzlich in Kraft getretenen Gesetzesänderung greife das Strafrecht nun schon ein, bevor ein Stalker das gewohnte Leben der Betroffenen zerstört habe.

Auch der Berliner Justizsenator Dr. Dirk Behrendt wies in seinen Begrüßungsworten auf die schwerwiegenden Folgen von Stalking für die Betroffenen hin. So sei es nicht nur notwendig die Opfer von Stalking wirksam zu unterstützen sondern auch mit den Tätern zu arbeiten, damit diese ihr Verhalten nachhaltig ändern.    

Fachleute aus dem In- und Ausland

Für fachlichen Input konnten für die Tagung so renommierte Experten und Expertinnen wie Dr. Jens Hoffmann und Dr. Troy McEwan gewonnen werden. Jens Hoffmann thematisierte in seinem Plenarvortag das Bedrohungsmanagement bei Stalkingfällen. Die australische Stalkingexpertin Dr. Troy McEwan stellte in ihrem Plenarvortrag das Behandlungskonzept des „Problem Behaviour Program“ in Melbourne vor, das weltweit als Vorbild für die Arbeit mit Stalkern dient.

Insgesamt sechs Symposien, fünf Workshops, zwei „Psychiatrie Lectures“ sowie eine Poster-Session boten reichlich Gelegenheit, eine Vielzahl von Themen inhaltlich zu vertiefen.   

So gab das Hauptsymposium „Opferschutz“ einen Einblick in die inhaltliche Arbeit und Schwerpunktsetzung verschiedener Opferschutzeinrichtungen. Juristisch Interessierte hatten während des Symposiums „Gesetzgebung und Strafverfolgung“ die Gelegenheit, sich über den  aktuellen Stand des bis dahin weiter fortschreitenden Gesetzgebungsprozesses zu informieren. Aber auch praktische Erfahrungen mit der Umsetzung im polizeilichen Alltag und in einer Staatsanwaltschaft wurden vorgestellt und diskutiert. Das Symposium „Fallmanagement bei Stalking“ verknüpfte die geographischen Perspektiven aus England, der Schweiz und aus Deutschland, ebenso wie die inhaltlichen Perspektiven der am Fallmanagement beteiligten Institutionen und Akteure.

Das Hauptsymposium „Täterarbeit“ führte erstmalig die vier in Deutschland arbeitenden Stalkingtäter-Einrichtungen zusammen. Jedes dieser innovativen Projekte stellte die Besonderheiten des eigenen Vorgehens dar. Während das Symposium „Diskriminierung und Kultur“ den Blick vom reinen Straftatbestand hin zu den gesellschaftlich-kulturellen Bedingungen weitete, richtete das Symposium „Familienkontext“ den Fokus auf die Frage, wie Kinder von Stalking-Betroffenen als oftmals sekundäre, manchmal sogar primäre Leidtragende von Stalking geschützt werden können.

Die Workshops widmeten sich unter anderem dem hochaktuellen Thema „Cyberstalking“, einem evaluierten Gruppenangebot für „Trennungsstalker“ und der Gefährdetenansprache der Berliner Polizei. Ebenso wurden Selbsthilfemöglichkeiten für Stalkingbetroffene und die Methode der „Schematherapie“ in der Arbeit mit Opfern und Tätern vorgestellt.   

Bei den so genannten „Psychiatrie Lectures“ bzw. Vertiefungsforen handelte es sich um einstündige Formate, in denen Experten und Expertinnen die Themen „Falsche Stalkingopfer“ und „Psychotische Stalker“ präsentierten, die dann anschließend in Fachdialogen mit den Teilnehmenden vertieft wurden.

Weiterführung des Dialogs

Die während der Konferenz behandelten Fragestellungen sollen nun aufgegriffen werden, um zukünftige Strategien für die Unterstützung von Opfern und die Arbeit mit Tätern von Stalking zu diskutieren. Im Rahmen eines hierfür ins Leben gerufenen „Netzwerk gegen Stalking“ werden bereits Ende Mai unter dem Dach des Paritätischen Landesverbandes erneut Expertinnen und Experten zusammenkommen. Gemeinsam soll überlegt werden, welche Schritte und Maßnahmen – ergänzend zum neugefassten Nachstellungsgesetz - einzuleiten sind, um die Erkenntnisse der Konferenz in ein nachhaltiges Vorgehen im Land Berlin umzusetzen.

Die Stalking Konferenz wurde mit Unterstützung der Stiftung Parität finanziert.

Text: Irina Meyer
Fotos: Matt Rider

(vb)

Datum, 11 | 05 | 2017