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Inklusiv auf der Bühne

Das Schauspiel-Ensemble auf der Grips-Bühne begeistert Zuschauer mit dem Stück „Cheer out Loud"

Szene aus Cheer out Loud, Foto: David Baltzer/bildbuehne.deDer Sportverein Grünow steht kurz vor der Pleite, eine Idee muss dringend her. „Inklusion“ ist das Zauberwort, denn dafür sitzen die Fördergelder locker. Und ist der größte Fan des Cheerleading-Teams nicht ein Mädchen mit Behinderung? Schon werden eins und eins zusammengezählt, der Vorstand ist begeistert. So beginnt „Cheer Out Loud!“,  die große Spielzeitproduktion des Grips Theaters, das am 17. Januar 2019 im großen Haus am Hansaplatz mit einem inklusiven Ensemble uraufgeführt wurde. Dabei geht es in dem Stück, das live von dem Beatboxer Alexander Maulwurf und dem Cellisten Sonny Thet begleitet wird, unterhaltsamer zur Sache, als man es vielleicht bei einem „Inklusions-Stück“ vermuten könnte.

Theater Thikwa ist Kooperationspartner

Für Grips-Regisseur Robert Neumann war es dabei wichtig, dass die Schauspielerinnen und Schauspieler mit Behinderung nicht zwingend nur Figuren mit Behinderung spielen. Schließlich sind sie Profis: Rachel Rosen und Max Edgar Freitag kommen vom Theater Thikwa, das auch Kooperationspartner ist, und Carina Kühne ist unter anderem durch ihre Filmrolle in „Be my Baby“ bekannt geworden. Gemeinsam mit sechs Schauspielerinnen und Schauspielern aus dem Grips-Ensemble und den beiden Musikern gingen alle auf tägliche Entdeckungsreise des Kennenlernens während der dreimonatigen Probenzeit. Die Erkenntnis des Teams: Inklusion kann auch anstrengend sein und funktioniert nur im praktischen Tun. „Es sind insbesondere Berührungsängste, Vorurteile und Annahmen, die einem im Weg stehen, da nehme ich uns auch nicht aus“, resümiert Robert Neumann die gemeinsame Arbeit. „Die waren auch zu Beginn der Proben bei uns groß, keine Frage, aber die sind ja auch in der Gesellschaft groß. Mindestens ebenso groß allerdings ist der Spaß und die Produktivität, die wir miteinander erleben.“

Miteinander umgehen lernen

Der Aktivist Raúl Krauthausen, der mit seiner Kollegin Suse Bauer dem Team von „Cheer Out Loud!“ beratend zur Seite stand, kennt die anfängliche Befangenheit zwischen Menschen mit und ohne Behinderung nur zu gut. Die Erklärung, warum das so ist, ist einfach: „Da Kinder mit und ohne Behinderungen nicht gemeinsam in Kindergärten oder Schulen aufwachsen, führt dies dazu, dass wir später im Erwachsenenleben nicht wissen, wie wir miteinander umgehen sollen.“ Spätestens seit der UN-Behindertenrechtskonvention 2006 ist es aber „die Aufgabe der gesamten Gesellschaft, dafür zu sorgen, dass wir gemeinsam miteinander leben können“, so Raúl Krauthausen.

Macbeth oder Frühlings Erwachen inklusiv besetzen

Aber geht denn dieses Thema überhaupt mit dem Humor zusammen, für den das Grips Theater ja auch steht? „Das Thema Inklusion ist per se spröde und als Theaterstoff nicht wirklich geeignet“, gibt Robert Neumann lachend zu. „Wenn wir Macbeth, Max und Milli oder Frühlings Erwachen inklusiv besetzen, wird es interessant. Für mich funktioniert es dann aber auch, wenn wir das Thema Inklusion im Stück selber persiflieren, es in seiner Ernsthaftigkeit unterlaufen und die ganze, zum Teil sehr  hochgekochte emotionale Diskussion auf die Schippe nehmen. Bei den Proben passierte viel, was nicht planbar war, und mit viel schwarzem Humor sind wir über so manche Hürde gekommen!“ Das Ensemble ist glücklich mit dem Ergebnis, alle Beteiligten haben gemeinsam viel in den drei Monaten Probenzeit erlebt, voneinander gelernt und dabei Inklusion zu ihrem Alltag gemacht. Die Uraufführung und die folgenden Vorstellungen von „Cheer Out Loud!“erhielten viel Applaus und Begeisterungsrufe seitens des Publikums und es wurde auch viel gelacht.

Mehr Informationen zu Kartenbestellung, Preisen und Inhalt finden Sie unter:
www.grips-theater.de
Weitere Termine von Cheer Out Loud!: 11., 12. und 13. April

(aw)

Datum, 04 | 04 | 2019