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„Gesundheitsordner“ für Gefangene der Justizvollzugsanstalt (JVA) Moabit vorgestellt

Informationen zum Thema Gesundheit in Haft Texte in acht Sprachen

Vorgestellt: Der neue Gesundheitsordner; v.l.n.r. Olaf Ladentin, Rosemarie Dorsch-Jäger (JVA Moabit), Daniela Staack (Berliner Aids-Hilfe e.V.), Irina Meyer (Parit. LV). Foto: Mitja Kirsch

Während eines Vernetzungstreffens von Berliner Trägern der freien Straffälligenhilfe am 21. September 2018 im Paritätischen Wohlfahrtsverband Berlin wurde der neu erstellte „Gesundheitsordner“ für Gefangene präsentiert. Dabei handelt es sich um eine Informationssammlung, die gemeinsam von der Berliner Aids-Hilfe, der JVA Moabit und dem Paritätischen –Wohlfahrtsverband Berlin herausgegeben wird. 

Menschen, die inhaftiert werden, müssen sich meist in kürzester Zeit an eine für sie völlig neue Situation gewöhnen. Die Bewältigung des Haftalltags stellt eine große Herausforderung für sie dar. Viele von ihnen haben schon vor der Inhaftierung gesundheitliche Probleme. Aber auch das Leben in der Haftanstalt bringt seelische und körperliche Belastungen mit sich.

In der JVA Moabit sind gegenwärtig etwa 1000 Gefangene untergebracht. Die Unterbringung so vieler Menschen auf engem Raum birgt die beispielsweise die Gefahr einer schnelleren Übertragung von Infektionskrankheiten. Hinzu kommt die psychisch angespannte Situation, die das körperliche Abwehrwehrsystem deutlich schwächen kann.

In dem „Gesundheitsordner“ sind die wichtigsten Informationen zum Thema Gesundheit in Haft enthalten. Er wird in einer Auflage von 2.500 Exemplaren gedruckt und soll jedem Gefangenen in der JVA Moabit zur Verfügung gestellt werden. Da momentan etwa 70 Prozent der Gefangenen in der Anstalt eine andere als die deutsche Nationalität haben, werden die Texte in acht Sprachen übersetzt.

Die im Gesundheitsordner zusammengestellten Informationen klären über verschiedene Erkrankungen auf und enthalten Tipps und Hinweise, wie die Gefangenen zu ihrer körperlichen und seelischen Gesundheit beitragen können, und an wen sie sich im Bedarfsfall wenden können.

Neben Informationen über Infektionskrankheiten wie Tuberkulose, Hepatitis und HIV oder über Hilfsangebote bei Sucherkrankungen sind in dem Ordner zahlreiche Hinweise zur Prävention von Krankheiten enthalten. Dies betrifft die Bereiche Hygiene und Ernährung ebenso wie Impfungen.

Die Informationssammlung zeigt jedoch auch Möglichkeiten auf, wie die Haftzeit möglichst sinnvoll genutzt werden kann. Dies betrifft beispielsweise die Bereiche Freizeit, Sport, Religion, Bildung und Hilfe zur Selbsthilfe. Auch das Thema Suizidprophylaxe wird behandelt. Nicht zuletzt sind spezifische Informationen für die Gruppe der älteren Inhaftierten in dem Ordner enthalten.

Damit sich jeder Gefangene gut in der Sammlung zurechtfinden kann, wurden die Texte zu den verschiedenen Themen mit aussagekräftigen Piktogrammen illustriert, die von der Designerin Katja Stögmüller eigens für den Gesundheitsordner entwickelt wurden. 

Gesundheitsordner für Menschen in Haft

Mit der Entwicklung des „Gesundheitsordners“ werden die Ergebnisse und Empfehlungen der Arbeitsgruppe „Prävention für Menschen in Haft“ im Projekt „Umsetzung des Rahmenkonzepts des Senats zur HIV-/Aids-/STI-Prävention und Versorgung betroffener Menschen in Berlin“ aufgegriffen, die von 2011 bis 2012 unter Federführung der Senatsverwaltung für Gesundheit mehrfach tagte. Eine zentrale Empfehlung bezog sich auf die dringende Notwendigkeit, inhaftierte Menschen in Berlin über das Thema Gesundheit besser zu informieren.

Das Vernetzungstreffen der Berliner Träger, auf dem der „Gesundheitsordner“ vorgestellt wurde, widmete sich dem Thema „Straffälligkeit, Gesundheit und die Rolle der freien Straffälligenhilfe“. Das Treffen wurde anlässlich der bundesweiten Aktionstage Gefängnis durchgeführt, die in diesem Jahr vom 21. bis zum 30. September unter dem Motto „Hingesehen! Gefängnis – Gesundheit – Gesellschaft“ stattfinden. Mit den Aktionstagen soll auf die Situation von Gefangenen aufmerksam gemacht, auf spezifische Themen und Probleme des Strafvollzugs hingewiesen und die Öffentlichkeit sensibilisiert werden.Der Gesundheitsordner wurde mithilfe der finanziellen Förderung des Paritätischen Landesverbandes als Pilotprojekt in der JVA Moabit umgesetzt. Perspektivisch soll die Materialsammlung ausgeweitet und auch den Gefangenen in anderen Haftanstalten ausgehändigt werden.

„Mit der Zusammenstellung, Vervielfältigung und Verteilung einer solchen Informationsmappe an die Gefangenen wird eine bereits vor Jahren von einer Expertengruppe formulierte Empfehlung nun endlich in die Tat umgesetzt. Hervorzuheben ist die außerordentlich gute und konstruktive Zusammenarbeit zwischen JVA und freien Trägern, also zwischen „drinnen und draußen“ bei der Umsetzung. Dieses Beispiel sollte Schule machen!“

Irina Meyer, Referentin für Straffälligen- und Opferhilfe

(vb)

Datum, 21 | 09 | 2018