Kiezreporter der Schulstation von Aufwind e.V. - Foto: Stefanie Lehmann Unionhilfswerk - Kindergartengruppe - Foto: Christiane Weidner Eine Breakdanceshow - Foto: Eberhard Auriga Kletterwald - Foto: Nachbarschaftsheim Schöne

Gesundheitliche Versorgungssituation nach sexualisierter Gewalt verbessern

Pressemitteilung von S.I.G.N.A.L. e.V.

Seit März 2020 haben Menschen nach einer Vergewaltigung, sexuellen Nötigung oder Misshandlung einen gesetzlichen Anspruch auf eine vertrauliche, das heißt anzeigenunabhängige, Spurensicherung und Befunddokumentation. Es handelt sich um eine Leistung der gesetzlichen Krankenkasse, festgeschrieben in
§27 iVm §132k SGB V. Bis heute ist dieser Anspruch (auch) in Berlin nur auf dem Papier vorhanden.

S.I.G.N.A.L. e. V. hat am 10. September 2021 eine Fachtagung zur „gesundheitlichen (Erst-)Versorgung nach sexualisierter Gewalt“ mit 147 Teilnehmenden veranstaltet und eine Erklärung zum Handlungsbedarf veröffentlicht. Die Erklärung wird von zentralen Akteuren und Akteurinnen der Berliner Gesundheitsversorgung und -politik, der Zufluchts- und Beratungseinrichtungen und der Frauengesundheit mitgetragen. Der Umsetzung des Rechtsanspruchs auf eine von Krankenkassen finanzierte vertrauliche Spurensicherung und Dokumentation misst S.I.G.N.A.L. e. V. höchste Bedeutung bei.

Marion Winterholler, S.I.G.N.A.L. e. V.: „Das Versorgungsangebot nach sexualisierter Gewalt ist in Berlin
nicht ausreichend. Es gibt kein Angebot der vertraulichen Spurensicherung und Dokumentation, das rund
um die Uhr, an Wochenenden, Feiertagen und in den Nächten erreichbar ist. Wir brauchen bezirkliche,
niedrigschwellige Angebote, die medizinische Versorgung und eine Spurensicherung/Dokumentation unter
einem Dach miteinander verknüpfen. Das spezialisierte Angebot der rechtsmedizinischen Gewaltschutzambulanz an der Charité ist ein wichtiger, fester Bestandteil im Versorgungsnetz. Es ist aber nicht ausreichend für den bestehenden Bedarf. Für Kliniken, die eine vertrauliche Spurensicherung und Dokumentation anbieten, muss klar sein, dass die Leistung angemessen finanziert wird.

Karin Wieners, S.I.G.N.A.L e. V.: „Eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe hat im Rahmen des Runden Tischs
Berlin – Gesundheitsversorgung bei häuslicher und sexualisierter Gewalt schon Anfang 2020 Empfehlungen
für die Umsetzung der kassenfinanzierten vertraulichen Spurensicherung vorgelegt. Diese Empfehlungen
gilt es umzusetzen. Dazu gehört zum Beispiel auch, dass regelmäßige Fortbildungen für involvierte Mitarbeitende der Krankenhäuser und KITs zur Spurensicherung bereitgestellt werden. Damit kann eine
hohe Qualität der Versorgung gewährleistet werden. Der Berliner Senat ist in der Verantwortung jetzt die
nächsten Schritte einzuleiten und den gesetzlichen Versorgungsanspruch auf eine vertrauliche Spurensicherung und Dokumentation nach sexueller Gewalt und Misshandlung zu realisieren.

Die Pressemitteilung können Sie sich zudem hier downloaden.

Kontakt:
S.I.G.N.A.L. e. V.
Marion Winterholler, Karin Wieners
030 – 246 30 579
winterholler@signal-intervention.de

Weitere Informationen:

Erklärung „Umfassende medizinische Erstversorgung nach Vergewaltigung gewährleisten. Versorgungslücken
schließen!“


Fachliche Empfehlungen zur Umsetzung der kassenfinanzierten Spurensicherung in Berlin

Weitere Informationen zum Gesetz und zu Aktivitäten

(ik)

Datum, 22 | 09 | 2021