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Für Verständnis und Vielfalt

„Rote Nasen“ Clowns besuchen Flüchtlinge

Lachen verbindet. Foto: Gregor Zielke

„Schlabber-di-du-gaga-baba?“, fragt Clownin Tina den zehnjährigen Abbas aus Äthiopien und gestikuliert wild wie ein Dirigent. „Baba-du-schi“, antwortet dieser, nickt dabei und fängt an, eine kleine Melodie zu summen.

„Gibberisch“ heißt die Sprache, in der sich die beiden unterhalten. Gibberisch kennt keine Grammatik, keine Regeln und doch beherrscht es jeder, weil es eine Phantasiesprache ist, die auf wundersame Weise von jedem verstanden wird. Perfekt, um mit Menschen zu kommunizieren, die nach langer Flucht aus Syrien, Afghanistan oder der Ukraine hier bei uns in Berlin angekommen sind und für die Deutsch wahrscheinlich genauso fremd klingt. Nur dass Gibberisch eben viel lustiger ist.

Clownin Tina vom gemeinnützigen Verein „Rote Nasen“ arbeitet in einem mehrwöchigen Workshop mit Kindern aus Flüchtlingsfamilien an Zirkusnummern. Geübt werden Fertigkeiten wie Jonglage, Artistik oder Clownerie, die die Kinder am Schluss in einer kleinen Vorführung präsentieren. Die Stimmung in den Workshops ist sehr ausgelassen, fröhlich und es wird viel gelacht.

Gemeinsames Lachen verbindet
Deborah Harder, Familienberaterin im Haus Leo, der Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlingsfamilien der Berliner Stadtmission, erinnert sich noch sehr gut an die erste Begegnung zwischen „Rote Nasen“ Clowns und den Anwohnern des Hauses: „Die Kinder waren sofort begeistert. Soviel Lachen habe ich wirklich selten erlebt und so viel Leichtigkeit. Das Schöne war, dass es den Clowns sofort gelungen war eine Verbindung aufzubauen – eben über die Tollpatschigkeit und das gemeinsame Lachen. Das war kein Auslachen sondern ein Miteinander-Lachen. Das hat ganz schnell eine Verbindung geschaffen.“

Seit März 2015 sind „Rote Nasen“ Clowns in unterschiedlichen Einrichtungen für Flüchtlinge unterwegs, sowohl in Berlin als auch in Potsdam. Bislang waren die Clowns eher für ihre Besuche in Krankenhäusern und Senioreneinrichtungen bekannt. Doch in den vergangenen zwei Jahren hat der gemeinnützige Verein intensiv an Programmen gearbeitet für all jene, die hierzulande Zuflucht suchen. Damals war noch nicht abzusehen, wie viele Menschen tatsächlich zu uns kommen würden. Zwar sieht „Rote Nasen“ sich nicht als politisch aktive, aber als menschliche und mitfühlende Organisation, die sich von Anfang an für leidende Menschen eingesetzt hat. Daher war es für den Verein nur konsequent, auch Projekte für Flüchtlinge zu entwickeln.

Keine Mediziner, aber mit heilender Wirkung
„Emergency Smile“, so heißt das spezielle Programm von „Rote Nasen“ für Menschen in oder aus Kriegs- oder Katastrophengebieten. Hoffnung und Mut schenken, durch die positive Kraft des Humors – das ist der Gedanke, der sich hinter „Emergency Smile“ verbirgt. „Rote Nasen“ Clowns sind Künstler, die in Clownerie oder Schauspiel ausgebildet sind und speziell für ihre Einsätze in medizinischen und sozialen Einrichtungen trainiert wurden. Sie sind keine Mediziner oder Psychologen, wie oft vermutet wird. Dennoch weiß der künstlerische Leiter von „Rote Nasen“, Reinhard Horstkotte, aus langjähriger Erfahrung, dass eine Begegnung mit dem Clown immer etwas Positives, Nachhaltiges hinterlässt:

„Es wäre anmaßend zu sagen, ich kann jetzt das Kind von seinen Traumata heilen, indem ich als Clown da hingehe. Was wir aber tun, ist, dass wir den Lebensfunken suchen, der in jedem Menschen steckt, und mit diesem Funken arbeiten. Das klappt eigentlich fast immer. Ich glaube wirklich, dass der Mensch aus einer guten Erfahrung Kraft gewinnen kann, um eine schlechte Erfahrung anzugehen, zu meistern und zu überwinden.“

Clownsprogramm kann weitergehen
Doch „Rote Nasen“ will noch einen Schritt weiter gehen mit seinem Projekt, das nicht nur für Bewohner von Flüchtlingsunterkünften konzipiert ist, sondern auch für Anwohner solcher Einrichtungen. Schließlich geht es dem Verein auch darum, Brücken zu schaffen. „Wir wollen dazu beitragen, eine positive Willkommenskultur zu erschaffen in unserer Gesellschaft, indem wir etwas mit den Kindern spielen. Wir sind miteinander einfach da, feiern das Leben und zeigen, dass es etwas Schönes ist, anderen Menschen zu helfen und da zu sein“, so Reinhard Horstkotte.

Dank der Heinz und Heide Dürr-Stiftung konnte im Haus Leo der erste „Emergency Smile“ Workshop von „Rote Nasen“ umgesetzt werden, der auch als eine Art Meilenstein zu sehen ist. Denn nach der erfolgreichen gemeinsamen Premiere hat die Heinz und Heide Dürr-Stiftung beschlossen, eine weitere, längerfristige Zusammenarbeit mit der Clownsorganisation einzugehen. Ab März dieses Jahres gibt es im Haus Leo also die Fortsetzung des „Rote Nasen“ Programms: Immer mittwochs kommen die Clowns, um den Bewohnern Musik, Lachen und Hoffnung zu bringen

Zu „Rote Nasen“
Rote Nasen e.V. gehört zur internationalen Organisation „Red Noses – Clowndoctors International“, die Lachen und Lebensfreude zu kranken und leidenden Menschen bringt.
Die „Rote Nasen“ Gruppe ist in zehn Ländern tätig und damit die operativ größte Vereinigung von Clowns in medizinischen und sozialen Einrichtungen. In Deutschland ist „Rote Nasen“ seit 2003 ein fester Bestandteil in vielen renommierten Gesundheitseinrichtungen und Kliniken.

Weitere Infos zu Projekten von „Rote Nasen“ unter rotenasen.de

Datum, 24 | 03 | 2016