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Für ein Leben ohne Einsamkeit im Alter

Der Verein Freunde alter Menschen im Porträt

Im letzten Jahr machte ein junger Mann aus England ein Experiment, das ihn an seine psychischen Grenzen brachte. Er schloss sich eine Woche lang in seiner Wohnung ein und verbrachte diese Woche ohne jegliche soziale Kontakte. Kein Telefon, kein Computer, nur der Fernseher. Bereits nach kurzer Zeit litt er unter Schlafproblemen. Seine Stimmung verschlechterte sich zunehmend und er fühlte sich in einem emotionalen Ausnahmezustand. Auf youtube ist unter dem Titel "The Loneliness Project"  ein kurzes Video über diese erstaunliche Erfahrung zu sehen.

Einsamkeit ein Makel

Dieser Zustand von Einsamkeit ist für alte Menschen oft traurige Realität. Besonders wenn sie nicht mehr so mobil sind, unter Krankheiten leiden und die eigene Wohnung nur noch mit fremder Hilfe verlassen können. Weitere Gründe sind, dass Familien heute weit weg voneinander leben, man sich nicht gut versteht oder die Kinder und Freunde bereits gestorben sind. Eine Studie der Ruhr-Uni Bochum ergab, dass jeder Fünfte ab 85 Jahre unter Einsamkeit leide.

Aus alten Menschen werden „Alte Freunde“

Der Verein Freunde alter Menschen e.V. engagiert sich seit 1991 für ein Leben ohne Einsamkeit im Alter und konzentriert sich dabei auf Menschen ab 75 Jahre. Zum Verein kommen alte Menschen aus verschiedenen Gründen. Eines haben alle gemeinsam, sie fühlen sich einsam. Das ist ein Makel, den man nicht zugibt. Scham macht sich breit. Dabei hätten viele nicht gedacht, dass ihnen das einmal passieren würde. „Ich war immer gerne unter Leuten, hatte viele Freunde und Familie. Doch jetzt kann ich meine Wohnung nicht alleine verlassen, mein Mann und meine Freunde sind fast alle verstorben und meine Tochter hat wenig Zeit“, sagt Käthe (97).

m Mittelpunkt der Arbeit des Vereins stehen Besuchspartnerschaften zwischen Jung und Alt, bei denen ein freiwilliger Mitarbeiter einen alten Menschen regelmäßig besucht. Es gilt dabei der Grundsatz, aus alten Menschen „Alte Freunde“ zu machen. Das Anliegen ist, dauerhafte Freundschaften zu schaffen, die auf gegenseitigem Respekt aufbauen. Deshalb nehmen sich die Koordinatoren viel Zeit, um in persönlichen Gesprächen herauszufinden, wer gut zusammenpasst. Die Besuchspartnerschaften werden berlinweit gestiftet.

Auch der 93-jährige Peter Ehlers* aus Berlin-Neukölln wurde vor vier Jahren auf den Verein und die Möglichkeit einer Besuchspartnerschaft aufmerksam. Wir haben Peter interviewt.

Herr Ehlers, warum haben Sie sich an den Verein gewandt?
Ich habe keine Möglichkeit mehr rauszukommen. Mir fällt zu Hause oft die Decke auf den Kopf. Ich habe jemanden gebraucht, der Zeit für mich hat. Und das war der Jochen.

Seit wann werden Sie von Jochen besucht?
Jochen kommt mich seit vier Jahren so alle zwei Wochen besuchen.

Wie sehen die Besuche aus?
Ich war früher Architekt. Aber ich habe viel verlernt. Jochen ist auch Architekt. Wir teilen die Leidenschaft für Baukunst und Ausstellungen. Das verbindet. Wir unterhalten uns oft über Architektur und schauen uns neue Gebäude an oder gehen in Ausstellungen. Wir haben schon das Bauhaus-Archiv besucht und waren zu Ausstellungen im Martin-Gropius-Bau und der Berlinischen Galerie. Wir haben uns noch nie gelangweilt.

Über die Freunde alter Menschen

Freunde alter Menschen e.V. – les petits frères des Pauvres ist eine Freiwilligen-Organisation mit internationaler Verbreitung. Seit 25 Jahren ist der Verein unter dem Namen Freunde alter Menschen in Deutschland aktiv. In Berlin engagieren sich über 200 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für über 300 Alte Freunde, bundesweit über 500 Freiwillige für über 600 Alte Freunde. Der Verein stiftet Besuchspartnerschaften zwischen Jung und Alt, organisiert Veranstaltungen und unterhält einen Telefondienst. Darüber hinaus berät er zu Themen rund ums Alter und engagiert sich für eine altenfreundliche Quartiersentwicklung.

Kontakt:
Freunde alter Menschen e.V.
Geschäftsführer
Klaus-W. Pawletko
Tieckstraße 9
10115 Berlin
030 13 89 57 90
kapawletko(at)famev.de
www.famev.de

(rs)

Datum, 26 | 03 | 2018