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Evaluation bestätigt die Wirkung von Jugendsozialarbeit

Berliner Schülerinnen und Schüler profitieren vom Landesprogramm Jugendsozialarbeit an Berliner Schulen

Symbolfoto; Quelle: Pixabay

Symbolfoto; Quelle: Pixabay

Ende 2006 startete in Berlin das Landesprogramm „Jugendsozialarbeit an Berliner Schulen“ an 52 Hauptschulen. Schülerinnen und Schüler sollen unter anderem Unterstützung bei der Bewältigung schulischer Anforderungen erhalten und in ihrem Selbstbewusstsein gestärkt werden. Der Abbau von Schuldistanz, die Stärkung der Erziehungsverantwortung von Eltern sowie die Öffnung der Schulen in den Sozialraum waren weitere Ziele. Verankerte konzeptionellen Standards sind die Umsetzung mit freien Trägern der Jugendhilfe, die Versorgung pro Schule mit mindestens einer Stelle und einer gemeinsamen Fort- und Weiterbildungsverpflichtung in Tandems.

Untersuchung der Wirksamkeit

Zum Zeitpunkt der Evaluation durch die Carl von Ossietzky Universität Oldenburg – von Oktober 2016 bis Dezember 2017 – wurde das Landesprogramm auf 249 allgemeinbildende Schulen aller Arten ausgeweitet. Erstmalig wurde mit der Evaluation die Wirksamkeit des Landesprogramms untersucht. Dies geschah auf Grundlage statistischer Daten, etwa bei der Entwicklung von Schuldistanz und Schulabbrüchen, Erhöhung von Schulabschlüssen, Reduzierung von Gewaltvorfällen. Ebenso wurden verschiedene Akteursgruppen befragt, zum Beispiel zur Bewertung des Landesprogramms im Hinblick auf die Programmziele, die Rahmenbedingungen und die Umsetzung.

Positive Ergebnisse

Die im Frühjahr 2018 vorgestellten Ergebnisse der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg lassen durch zahlreiche und teilweise überraschend positive Befunde aufhorchen. So belegt der Vergleich der am Landesprogramm teilnehmenden Programmschulen mit Nicht-Programmschulen im Zeitraum von 2011 bis 2015 eine signifikante Abnahme von Schuldistanz und von Schulabbrüchen sowie eine signifikante Zunahme der Abschlussquote. Damit ist eindeutig bewiesen: Jugendsozialarbeit in Kooperation von freien Trägern der Jugendhilfe mit den Berliner Schulen kommt unmittelbar bei den Kindern und Jugendlichen an!

Enge Kooperationen sind hilfreich

Überraschend sind nach Prof. Dr. Karsten Speck von der Uni Oldenburg auch die Befragungsergebnisse der unterschiedlichen Akteursgruppen. Mit hoher Übereinstimmung schreiben Geschäftsführungen der freien Träger der Jugendhilfe, ihre Praxiskolleginnen und Kollegen, Schulleitungen, Lehrkräfte und Eltern der Jugendsozialarbeit an Schulen einen äußerst hohen Nutzen und eine weitestgehend gelingende Umsetzung in der Praxis zu. Diese von Schule und Jugendhilfe gemeinsam getragenen Einschätzungen stehen nach Speck für ein außergewöhnlich positives Kooperationsverhältnis, welches bundesweit  einzigartig ist. Die Kooperation mit den freien Trägern der Jugendhilfe und dem multiprofessionellen Austausch in Tandem-  und Tridem- Fortbildungen werden dabei als äußerst förderlich angesehen.

Empfehlungen für die Zukunft

Prof. Dr. Karsten Speck spricht deutliche Empfehlungen zur Weiterentwicklung des Landesprogramms  aus: Ein flächendeckender Ausbau auf alle Berliner Schulen, die Stärkung und Klärung von Steuerung und Zuständigkeiten sowie eine stärkere konzeptionelle Gesamtrahmung mit Abstimmung der unterschiedlichen Programme zur Kooperation und Vernetzung sind drängende Hinweise.

Der Paritätische Landesverband Berlin sieht sich durch diese Ergebnisse in seinen jahrelangen Forderungen nach einem flächendeckenden Ausbau der Jugendsozialarbeit an Schulen gestärkt. Im Interesse von Chancengerechtigkeit müssen zukünftig alle Schülerinnen und Schüler davon profitieren können. Hierfür setzen wir uns mit unseren Mitgliedsorganisationen weiterhin aktiv ein. Dabei werden auch grundsätzliche Fragen nach bedarfsgerechterer Ausstattung und personeller Aufstockung sowie eine angemessenere Bezahlung der Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter zu berücksichtigen sein.

Elvira Kriebel, Referentin schulbezogene Jugendhilfe

(aw) 

Datum, 24 | 10 | 2018