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Erstes Medizinisches Behandlungszentrum für Erwachsene mit Behinderungen (MZEB) eröffnet

Dr. med. Frau Tanja Sappok, Dr. Gabriele Schlimper, Staatssekretär Martin Matz, Ines Schuster. Foto: catalina film

Am 1. September 2020 nahm das MZEB Berlin-Nord der GIB-Stiftung seinen Betrieb auf, die offizielle Eröffnung folgte am 9. September mit einem kleinen Festakt – coronabedingt im Hof des MZEB. Geladen waren neben Mitarbeitenden des MZEB und der GIB-Stiftung auch Vertreterinnen und Vertreter von Politik und Verbänden der Behindertenhilfe. Die Eröffnung des Medizischen Behandlungszentrums für Erwachsene mit Behinderungen ist für Berlin eine Premiere.

Dr. Gabriele Schlimper, Geschäftsführerin des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Berlin, lobte noch einmal die hervorragende und pionierhafte Tätigkeit des GIB e.V., der seit nun über 20 Jahren beweist, dass die „Klinik kein Ort zum Leben ist“ und der Menschen mit Behinderungen ein Zuhause gibt. Sie verwies darauf, dass die tiefe Überzeugung und Unermüdlichkeit, mit der sich die GIB-Gründer Erik Boehlke und Ernestine Brauns für diese Menschen einsetzen, nun folgerichtig auch zur Gründung eines für sie spezialisierten medizinischen Zentrums führen musste.

Der Staatssekretär der Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung, Martin Matz, betonte, welch langer und schwieriger Weg bis zur Errichtung des ersten MZEB in Berlin zu bewältigen war. Er sieht in GIB den Wellenbrecher für weitere MZEBs und forderte auch vom Bund mehr Initiative zur Förderung solcher Zentren.

Ines Schuster, Referentin der Landesbeauftragten für Menschen mit Behinderung, verwies darauf, dass der Gleichbehandlungsgrundsatz nicht in Frage gestellt werden dürfe, wenn Menschen mit geistiger Behinderung oder schwerer Mehrfachbehinderung in einem besonderen Zentrum gesundheitlich versorgt würden. Diese Zentren müssten vielmehr als zusätzliches Angebot zur Regelversorgung gesehen werden.
Die Versorgung in einem MZEB sei keine desintegrative Behandlung dieser Menschen, sondern eine Notwendigkeit. MZEBs entbinden selbstverständlich nicht die Regelversorgung von ihrer Aufgabe. Erik Boehlke bedankte sich, dass ein entsprechendes Gutachten der Landesbeauftragten große Steine aus dem Weg zum MZEB geräumt habe.

Dr. Tanja Sappok, Präsidentin der European Association for Mental Health in Intellectual Disability (EAMHID) und stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für seelische Gesundheit bei geistiger Behinderung (DGSGB) betonte daraufhin, dass nicht sämtliche 45.000 in Berlin lebenden Menschen mit Behinderungen in MZEBs behandelt werden sollten. Erik Boehlke warf ein, dass etwa ein Drittel dieser Menschen eine Intelligenzminderung und psychiatrische Erkrankungen aufweisen und MZEBs in erster Linie für diese Menschen eingerichtet werden sollten. Frau Sappok führte weiter aus, dass ein Großteil dieser Menschen neben ihrer Behinderung häufig weitere Erkrankungen erleiden, die eine bessere und besonders ausgerichtete, umfassende medizinische Versorgung erfordert.

Nach dem zeremoniellen Teil der Eröffnung gab es einen kleinen Umtrunk sowie die Möglichkeit, sich durch die Räume des MZEB Berlin-Nord führen zu lassen.

Der Start ist getan. Der positive Grundton, den die Anwesenden der Eröffnung spürten, macht Hoffnung, dass das MZEB Berlin-Nord seinem Anspruch gerecht werden und die Verbesserung der medizinischen Versorgung für Menschen mit geistigen Behinderungen gelingen wird. Und dass die Wellen stark genug gebrochen wurden, um weiteren MZEBs die Gründung zu erleichtern.

Mehr Informationen zum MZB Berlin-Nord: www.mzeb-nord.de

(Pe)

 

 

 

Datum, 24 | 09 | 2020