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Erster Ambulanter Pflegedienst erhält das Qualitätssiegel Lebensort Vielfalt®

Nach erfolgreicher Prüfung hat die Schwulenberatung Berlin das Qualitätssiegel Lebensort Vielfalt® an den CuraDomo Pflegedienst vergeben.

Zur Verleihung des Gütesiegels erklärt die Staatssekretärin des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ, Juliane Seifert: „Unsere Gesellschaft ist vielfältig – in jedem Lebensalter. Viele ältere Schwule und Lesben haben im Laufe ihres Lebens Diskriminierung erfahren. Damit sie bei einer Pflegebedürftigkeit gut versorgt werden können, ist es erforderlich, dass sich Alten- und Pflegeeinrichtungen öffnen und weiterentwickeln. Mit dem Qualitätssiegel „Lebensort Vielfalt“ fördert das BMFSFJ eine entsprechende Sensibilisierung in Pflegeeinrichtungen. Ich freue mich sehr, dass dieses Qualitätssiegel erweitert wurde und nun erstmalig einem ambulanten Dienst verliehen wird.“

Nach den Zertifizierungen der ersten stationären Einrichtungen in Berlin und Nordrhein-Westfalen erhielt der CuraDomo Pflegedienst am 10. Dezember 2019 als erste ambulante Einrichtung das Qualitätssiegel für die Implementierung einer LSBTI* kultursensiblen Pflege. Ambulante Dienste erhalten die Auszeichnung, wenn sie sich nachweislich bemühen, die sexuelle und geschlechtliche Vielfalt ihrer Klient*innen und Mitarbeitenden als wesentlichen Aspekt ihrer Persönlichkeit zu berücksichtigen - in der Pflege wie im alltäglichen Leben.

Zum Hintergrund

Laut Schätzungen werden bundesweit 40.000 LSBTI* ambulant gepflegt. Wissen über die Lebensgeschichten von LSBTI* und die sich daraus ergebenden Bedarfe können die meisten ambulanten Pflegeeinrichtungen nicht aufweisen.

Die Biografien von (älteren) LSBTI* sind geprägt von Erfahrungen der Abwertung, Diskriminierung und Repression. Zur Erinnerung: Homosexualität wurde erst 1993 aus dem Katalog der Krankheiten der WHO gestrichen, der §175 des deutschen Strafgesetzbuches, Grundlage für über 50.000 Verurteilungen, wurde erst 1994 abgeschafft. Trans*- und intergeschlechtliche Personen beklagen auch heute noch Barrieren bzw. eine menschenrechtsverletzende Praxis in der Gesundheitsversorgung.

Auf Grund der hohen Vulnerablität dieser Bevölkerungsgruppe, ist die Furcht bei LSBTI* vor einem Autonomieverlust bei eintretender Pflegebedürftigkeit enorm groß. Entsprechend ist der Wunsch nach dem Verbleib in der eigenen Häuslichkeit bei LSBTI* noch stärker ausgeprägt.

Mit dem Diversity Checkambulant besteht nun auch für ambulante Pflegediensten die Möglichkeit den Status Quo in Bezug auf die Offenheit für LSBTI* zu analysieren. Gleichzeitig bietet der Diversity Check aber auch praktische Anregungen, wie die Öffnung für LSBTI* in der Pflege ausgestaltet werden kann. Dabei unterstützt das Berater*innenteam der Schwulenberatung Berlin Einrichtungen, die das Qualitätssiegel erwerben möchten.

Bereits mehrere ambulante Dienste haben sich für das Modellprojekt entschieden. In dem vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend geförderten Projekt sind noch Plätze frei. Im Rahmen der Förderphase des Qualitätssiegels bis 2020 stehen Pflegeeinrichtungen, die das Siegel erwerben möchten, ein kostenlose Beratungsangebot zur Verfügung. Auch die Zertifizierung ist kostenlos.

Pressekontakt:
Eva Obernauer e.obernauer(at)schwulenberatungberlin.de
Frank Kutscha  f.kutscha(at)schwuleneberatungberlin.de
Schwulenberatung Berlin
Niebuhrstraße 59-60, 10629 Berlin
Tel.: 030 23 36 90 70

Weitere Informationen zum Qualitätssiegel Lebensort Vielfalt erhalten Sie unter:
www.qualitaetssiegel-lebensort-vielfalt.de

(rs)

Datum, 11 | 12 | 2019