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Erfolg der Hilfen hängt von verfügbarem Wohnraum für wohnungslose Menschen ab

Die mitHilfe GmbH bietet Hilfe für Menschen in Wohnungsnot

Die mitHilfe GmbH engagiert sich als gemeinnütziger freier Träger der Sozialhilfe in Berlin in den Bereichen Ambulante Soziale Dienste und Hilfe für geflüchtete Menschen. Der Träger unterstützt seit 2003 Menschen im Rahmen von Betreuungen gemäß §§ 67 ff SGB XII. Anliegen und Auftrag ist es, Menschen zu helfen, deren soziale Schwierigkeiten zu existenziellen Notlagen und letztendlich häufig zum Verlust ihres Wohnraums geführt haben.   

Soziale Schwierigkeiten als Grund für drohenden Wohnungsverlust

Hilfe suchen in der Beratungsstelle von mitHilfe GmbH; Foto: Dajana KruseFehlende familiäre bzw. soziale Ressourcen, brüchige (Bildungs-)Biographien, Armut, Verschuldung, resignativer Rückzug, destruktive Bewältigungsmechanismen und andere Schwierigkeiten sind Gründe dafür, dass Menschen in problematische Situationen und existenzielle Notlagen geraten. In der Regel erhalten Menschen erst Hilfe gem. §§ 67 ff SGB XII, wenn sie durch Kündigung oder Räumung akut vom Verlust ihrer Wohnung bedroht oder betroffen sind. Die Möglichkeiten, neuen Wohnraum zu erlangen oder drohende Wohnungslosigkeit abzuwenden, haben sich für einkommensarme Haushalte in den letzten Jahren dramatisch verschlechtert, da die Neuvermietung von Wohnraum inzwischen sehr lukrativ ist. 

Herausforderungen für die Hilfeerbringung 

Noch vor wenigen Jahren konnten Menschen, die ihre Wohnung verloren hatten, innerhalb weniger Monate in neuen Wohnraum vermittelt werden. Die Betreuungsmaßnahme wurde genutzt,  um den neu erlangten Wohnraum nachhaltig zu sichern. Heutzutage ist bei Wohnraumverlust in der Regel von einer mittel- bis langfristigen Unterbringung in Wohnheimen auszugehen.  

Die Arbeit mit bereits wohnungslosen Menschen, deren elementares Grundbedürfnis auf eigenen Wohnraum in der Regel nicht absehbar befriedigt werden wird, ist mittlerweile überwiegender Alltag. Diesen Menschen Mut zu machen, sie zu motivieren kontinuierlich an der Entwicklung von Perspektiven zu arbeiten, ist häufig ein Grenzgang für Mitarbeitende, zumal sie um die marginale Wirksamkeit von Maßnahmen wie dem Geschützten Marktsegment wissen. 

Auch Haushalte mit Kindern geraten zunehmend in Wohnungsnot und sind mittlerweile vielfach in Hilfen gem. §§ 67 ff SGB XII anzutreffen. Die Leistungstypen Betreutes Einzelwohnen (BEW) sowie Wohnungserhalt und Wohnungserlangung (WuW) sind jedoch auf Einzelpersonen ausgerichtet und bilden keinen ausreichenden Rahmen für die Betreuung ganzer Familien. 

Problematisch ist außerdem der steigende finanzielle Druck der Kostenträger, die aufgrund vorgegebener Planmengen zu einer Heraufsetzung der Zugangsschwellen für die Hilfen neigen bzw. auf früheren  Abschluss der Maßnahme drängen. 

Die Politik ist gefordert

Gerade weil preiswerte Wohnraum so knapp ist, muss der Prävention zur Vermeidung von Wohnungsverlust herausragende Bedeutung zu kommen. Das hieße beispielsweise, dass Menschen Hilfe gem. §§ 67 ff SGB XII selbstverständlich schon dann erhalten, wenn Schwierigkeiten entstehen, die dazu führen könnten, dass der Verlust der Wohnung droht. Die Dauer der Maßnahmen wiederum sollte eine nachhaltige Wirksamkeit der Hilfe ermöglichen, etwa was die Fähigkeit angeht, neuen Wohnraum auch langfristig erhalten zu können. 

In Hilfen gem. §§ 67 ff SGB XII werden häufig Personengruppen betreut, deren Bedarf den Stundenumfang bestehender Leistungstypen übersteigt. Das sind etwa Menschen mit psychischen Problemen oder Suchterkrankungen, insbesondere aber auch Haushalte mit Kindern. Hier müssen Hilfen flexibel und orientiert an Bedarfen gestaltet werden. Für Familien wäre zunächst ein neuer Leistungstyp mit erhöhtem Stundenumfang wünschenswert.

Die Budgetierung von Hilfen ist aus Sicht zunehmender Verknappung bezirklicher Haushalte nachvollziehbar. Allerdings ist der Anspruch auf Hilfen gem. §§ 67 ff SGB XII im Bundesrecht verankert. Eine Deckelung dieser Hilfen steht im Widerspruch dazu. Dass die finanzielle Verantwortung nicht erfüllter Planmengen den Kommunen überlassen wird, ist insofern rechtlich fragwürdig und ein Dilemma für die Bezirke. Es erschwert fachlich sinnvolle Entscheidungen, gerade auch in Bezug auf die dringend notwendige präventive Gewährungspraxis. 

Der Erfolg von Hilfen zur Überwindung sozialer Schwierigkeiten hängt maßgeblich von verfügbarem Wohnraum für wohnungslose Menschen ab. Gerade in Ballungszentren wie Berlin muss Politik mehr denn je Maßnahmen ergreifen, die der Verdrängung einkommensschwacher oder verschuldeter Haushalte vom Wohnungsmarkt entgegenwirken.  

Mehr Informationen unter: www.mithilfe.org

Text: Anna-Sophie Lüdtke

Foto: Dajana Kruse

(vb)

Datum, 19 | 07 | 2017