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Entbürokratisierung der Pflegedokumentation – Wir sind dabei!

Der Paritätische Berlin unterstützt Einrichtungen bei der Umsetzung

Reflexionstreffen beim Paritätischen Berlin, Fotos: N. Peretz

Seit den 80er-Jahren herrscht in Deutschland ein überbordendes Ausmaß an Pflegedokumentation. Im Jahr 2012 wurde Elisabeth Beikirch vom Bundesgesundheitsministerium als Ombudsfrau eingesetzt und erhielt den Auftrag, ein Strukturmodell zur Pflegedokumentation in der Langzeitpflege zu testen. Von September 2013 bis Januar 2014 wurde es von ambulanten und stationären Pflegeinrichtungen in ganz Deutschland erprobt. Auch Paritätische Mitgliedsorganisationen in Berlin beteiligten sich an dieser Testphase.

Koordination in einem Projektbüro
Nach erfolgreich beendeter Testphase wurde von den Vertragspartnern am 4. Juli 2014 eine gemeinsame Erklärung nach §113 SGB XI zur bundesweiten Implementierung unterschrieben. Karl-Josef Laumann, Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, sorgte dafür, dass im Mai 2015 das Projektbüro zur Koordination und Steuerung der Umsetzung seine Arbeit aufnehmen konnte. Ziel war es, dass sich 25 Prozent aller Pflegeeinrichtungen an der Umsetzung des Projektes beteiligen sollten. Dies wurde im August 2015 mit 6800 registrierten Einrichtungen erreicht. Die Umsetzung des Projektes erfolgt nach dem Schneeballprinzip: Deutschland wurde in sechs Regionen unterteilt, die jeweils aus einem bis vier Bundesländern bestehen. Jede Region hat eine Regionalkoordinatorin, die mit der Ombudsfrau die Schulungsunterlagen erstellte. Die Regionalkoordinatorinnen und -koordinatoren hatten zudem die Aufgabe, 650 Multiplikatorinnen und Multiplikatoren zu schulen, diese individuell bei Fragen zu beraten und vierteljährliche Reflexionstreffen anzubieten. Außerdem nahmen sie an den Sitzungen eines Kooperationsgremiums teil, das auf Länderebene einberufen wurde (siehe Bild).

Umsetzung beim Paritätischen Berlin
Der Paritätische Landesverband Berlin e.V. hat die Notwendigkeit des Engagements erkannt und entschieden, in das Projekt zu investieren. Für die teilnehmenden Einrichtungen zeigten sich nach der Testphase folgende Vorteile:

  • Entlastung und Motivation der Mitarbeiter durch die Umstellung auf eine schlanke Pflegedokumentation, die fachlichen Kriterien standhält und gleichzeitig übersichtlich, praxistauglich und zeitschonend ist.
  • Mehr Zeit für direkte Pflege und Betreuung hilfe- und pflegebedürftiger Menschen.
  • Ein erheblicher Beitrag zur Gesundheitsförderung. Die Pflegedokumentation stellt keinen zusätzlichen Belastungsfaktor im beruflichen Alltag mehr dar und die fachliche Kompetenz der Pflegefachkräfte wird gestärkt.

Der Landesverband hat daraufhin drei Multiplikatorinnen und Multiplikatoren schulen lassen und mit der Umsetzung des Modells für die Mitgliedsorganisationen, die sich freiwillig dem Projekt anschließen wollten, beauftragt.

Dr. Christiane Panka, Diplom Pflegewirtin (FH), bekleidet nun diese Stelle und ist als Projektleitung nominiert. Sie koordiniert die Anmeldungen interessierter Einrichtungen. Die Schulungen werden von ihr inhaltlich und organisatorisch vorbereitet und teilweise in Zusammenarbeit mit der Paritätischen Akademie, durchgeführt. Die Reflexionstreffen (acht bis Ende 2015) sowie der weitere Aufbau eines Netzwerkes und Treffen der Netzwerkteilnehmerinnen und Netzwerkteilnehmer werden von ihr organisiert und begleitet. In besonderen Fällen besucht sie Einrichtungen zur Vorbereitung und Begleitung der Umstellung. Der weitere Schulungsbedarf wird regelmäßig evaluiert und kommuniziert. Ein eigener Verteiler für Nachrichten und aktuelle Informationen wurde eingerichtet. Regelmäßige Berichte erfolgen über die Internetplattform alsopfleg (paritaet-alsopfleg.de).

Strukturmodelle für ambulante und stationäre Pflegeeinrichtungen
Zu den Mitgliedseinrichtungen des Paritätischen Landesverbandes Berlin e.V. gehören 42 ambulante Dienste, fünf Kurzzeitpflegeeinrichtungen, sieben Tagespflegeeinrichtungen, 36 vollstationäre Pflegeeinrichtungen und sechs Hospize, insgesamt 96 Einrichtungen. Bis jetzt existiert ein Strukturmodell nur für die ambulanten und stationären Einrichtungen (insgesamt 78). Für die Tages- und Kurzzeitpflegen soll im Laufe des Jahres 2015 ein Strukturmodell entwickelt werden. Es ist geplant, 2016 im Landesverband für diese Einrichtungen ein weiteres Schulungskonzept zu entwickeln und umzusetzen.

Jede Einrichtung hat im Laufe der Zeit ihr eigenes Dokumentationsverfahren eingeführt und trainiert. Es ist weder möglich, noch angedacht, dass alle in gleicher Art und Weise dokumentieren. Ein „Reset“, ein Paradigmenwechsel ist notwendig, der jedoch ohne Schulung und Übung nicht umsetzbar ist:

  • Der Eindruck, nur für Prüfinstanzen zu dokumentieren, muss aufgehoben werden.
  • Die Angst muss durch rechtssicheres Handeln genommen werden („mit einem Fuß stehen die Pflegenden immer schon im Gefängnis“).
  • Die fachliche Kompetenz der Pflegefachkräfte muss gestärkt werden.
  • Der Stellenwert der Pflegedokumentation für den beruflichen Alltag muss zurückgewonnen werden.

Dieser „Resetknopf“ kann nur gedrückt werden, wenn die Einrichtung nicht schon sehr viele andere Projekte in der Planung und Umsetzung hat und personelle, sachliche, finanzielle und zeitliche Ressourcen vorhanden sind. Auch hier kann es Unterstützung durch den Landesverband geben. In den Grundschulungen werden dafür Informationen mitgeteilt.

Schulungen durch den Paritätischen
Durch die Schulungen werden die Einrichtungsleitungen dazu befähigt, selbst als Multiplikatoren zu wirken und wiederum die einrichtungseigenen Mitarbeiter zu schulen. Zu den begleitenden Umstellungen vieler Prozesse im Qualitätsmanagement wird in den Schulungen beraten.
Ziel des Paritätischen Landesverbandes  ist es, alle betroffenen Einrichtungen über die Sinnhaftigkeit der Umstellung der Pflegedokumentation zu informieren und alle Einrichtungen, die freiwillig teilnehmen möchten, so gut wie möglich zu unterstützen. Bis zum September 2015 wurden 161 Personen von der Projektgruppe im Landesverband Berlin geschult.

Neben den Schulungen gibt es folgende Angebote:

  • Weiterentwicklung des Netzwerktreffens für alle Interessierten in ca. dreimonatigen Abständen
  • Teilnahme der drei Multiplikatorinnen und Multiplikatoren an den regionalen Reflexionstreffen alle drei Monate
  • Weitergabe akuter Fragen und neuer Informationen an die Regionalkoordinatorin
  • Informationsaustausch über die Plattform „alsopfleg“ und den Mailverteiler
  • Pflege einer Liste und eines Mailverteilers der registrierten Teilnehmerinnen und Teilnehmern im Projektbüro von der Projektleitung
  • Informationsaustausch über die Homepage ein-step.de mit eigenem Chatroom und Zugangsdaten

(vb)

Datum, 07 | 10 | 2015