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„engagement.macht.demokratie“

Bericht zur Fachveranstaltung im Nachbarschaftshaus Urbanstraße am 5. Juni 2019

Gesprächsrunde bei der Veranstaltung, Foto: Martin Thoma

Gesprächsrunde bei der Veranstaltung, Foto: Martin Thoma

Freiwilliges Engagement braucht Demokratie – doch wie wichtig ist eine starke Zivilgesellschaft für die Demokratie? Dazu diskutierten Expertinnen und Experten aus Politik, Wissenschaft und Drittem Sektor auf der Fachveranstaltung „engagement.macht.demokratie“ am 5. Juni mit einem interessierten Publikum im Nachbarschaftshaus Urbanstraße.

Besonders deutlich wurde: gesellschaftliche Herausforderungen wie Zuwanderung, Landflucht, Digitalisierung und steigende soziale Ungleichheit machen eine selbstbewusste Zivilgesellschaft und ein sichtbares Engagement nötig. So können engagierte Bürgerinnen und Bürger ein starkes Zeichen setzen – für Vielfalt und gesellschaftlichen Zusammenhalt und gegen Politikverdrossenheit und Populismus.

Die gemeinsame Fachveranstaltung des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes LV Berlin e.V. und des Tagesspiegels bildet den inhaltlichen Auftakt zur Gemeinsamen Sache – Berliner Freiwilligentage, die vom 13. bis zum 22. September 2019 stattfindet, dieses Jahr mit dem Schwerpunkt "engagement.macht.demokratie".

Grußwort von Sawsan Chebli

Sawsan Chebli, Bevollmächtigte des Landes Berlin beim Bund und Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement und Internationales, machte in ihrem Grußwort zunächst auf die wechselseitige Wirkung von Engagement und Demokratie aufmerksam und betonte, dass neue, bisher nicht erreichte Zielgruppen für das Engagement gewonnen werden müssen. Dazu soll auch die Erarbeitung einer Engagement-Strategie beitragen.

Hilfe zur Selbsthilfe bieten

Dr. Gabriele Schlimper, Geschäftsführerin des Paritätischen Berlin, stellte heraus, dass Ehrenamt und Demokratie zwei Seiten einer Medaille sind: Ist die Zivilgesellschaft schwach, entsteht Raum für populistische Parteien. Darüber hinaus setze die Stärkung demokratischer Strukturen durch Engagement auch Hilfe zur Selbsthilfe voraus. Denn das freiwillige Engagement sei mit Selbsthilfe eng verbunden. Deshalb unterstützt der Paritätische Berlin seit vielen Jahrzehnten die Selbsthilfe und das Engagement. Und 770 soziale Organisationen mit 30.000 Ehrenamtlichen zeigen, dass dies der richtige Weg ist.

Engagement und Zivilgesellschaft im Stresstest

In seiner Keynote richtete Dr. Rupert Graf Strachwitz, Vorstandsvorsitzender der Maecenata Stiftung, den Blick auf die unverzichtbare Wächterrolle, welche die Zivilgesellschaft angesichts von Staats- und Marktversagen einnehme. Daraus ergebe sich eine potenzielle Machtposition. Allerdings verkleinerten sich auch Handlungsspielräume für das Engagement, die aber durch neue Allianzen, wie etwa die „Fridays for Future“-Bewegung, wieder ausgeweitet werden könnten.

Nachbarschaft wirkt

Anne Jeglinski, Leiterin der Geschäftsstelle Bezirke, Paritätischer Wohlfahrtsverband Landesverband Berlin e.V., stellte die Arbeit der Stadtteilzentren in Berlin vor. Am Beispiel der Berliner Freiwilligentage und der Spendenmeisterschaft zeigt sie, wie das Engagement für die Menschen in den Nachbarschaften wirkt.

#DemoraktischEngagiert

Carola Schaaf-Derichs, Geschäftsführerin Landesfreiwilligenagentur Berlin und Sprecherrätin im Landesnetzwerk Bürgerengagement, stellte unter dem Titel #DemokratischEngagiert die 9. Berliner Engagementwoche vor, die zeitgleich und in Kooperation mit der Woche des bürgerschaftlichen Engagements und den Berliner Freiwilligentagen stattfindet.

Gespräch: Macht Engagement Demokratie?

In der Podiumsdiskussion beleuchten die Expertinnen und Experten den Zusammenhang von Demokratie und Engagement aus den Perspektiven von Zivilgesellschaft, Staat und Wissenschaft. Vertreten waren Elke Breitenbach, Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales Berlin, Prof. Dr. Annette Zimmer, Professorin für Deutsche und Europäische Sozialpolitik und Vergleichende Politikwissenschaft Universität Münster, Thomas Heppener, Leiter des Referats Demokratieförderung im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Gerd Nowakowski, Der Tagesspiegel, moderierte das Gespräch.

Dabei begrüßte die Gesprächsrunde zunächst die hohe Anzahl von Engagierten in Deutschland: 30 Millionen Engagierte in Vereinen und Verbänden zeigen, dass Menschen über ihren Tellerrand blicken, neue Perspektiven einnehmen und so Vielfalt und Toleranz stärken. Zwar führe das Engagement nicht mehr wie in den 1980er Jahren zur Gründung von Parteien, doch gehen starke Bewegungen, etwa für den Klimaschutz aus diesem politischen Engagement hervor.

Schließlich wird nochmals die Wichtigkeit des Engagements aufgezeigt wenn es darum geht, fremdenfeindlichen Tendenzen zu begegnen. Doch gerade im ländlichen Raum sehen sich demokratisch Engagierte teilweise rechtsextremen Gruppen gegenübergestellt. Deshalb muss das Engagement immer neu gestärkt – und das heißt auch: sichtbar gemacht werden. Ehrenamt findet noch zu oft im Verborgenen statt. Es muss sichtbar gemacht werden, erst dann kann es der so oft beschworene Kitt der Gesellschaft sein.

Mehr Infos:
im Internet: gemeinsamesache.berlin
E-Mail: freiwilligentage(at)paritaet-berlin.de
Tel.: 030 8 60 01 -626

(aw)

Datum, 20 | 06 | 2019