Kiezreporter der Schulstation von Aufwind e.V. - Foto: Stefanie Lehmann Unionhilfswerk - Kindergartengruppe - Foto: Christiane Weidner Eine Breakdanceshow - Foto: Eberhard Auriga Kletterwald - Foto: Nachbarschaftsheim Schöne

Ein Apell an die Solidarität der Gesellschaft

Dr. Gregor Gysi bei der Eröffnungsfeier des Betreuungsverbundes für Menschen mit MS in Köpenick

Bundestagsabgeordneter Dr. Gregor Gysi hat am Donnerstag, den 14. Februar 2019 die Schirmherrschaft der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft Landesverband Berlin e.V. übernommen.

Mehr als 50 geladene Gäste waren gekommen, um en Betreuungsverbund in der neuen modernen Wohnanlage der degewo AG offiziell zu eröffnen. Darunter der neue Schirmherr Gregor Gysi, Sandra Wehrmann aus dem Vorstand der degewo AG und natürlich die Geschäftsführerin und der Vorstandsvorsitzende der DMSG Berlin, Karin May und Priv.- Doz.Dr. Karl Baum. Mindestens genauso wichtig aber war die Anwesenheit aller Bewohner dieses neuen Projektes, das beispielhaft für Betreutes Wohnen ist.

Karin May eröffnete die Feierlichkeiten in Köpenick mit einem Grußwort, bevor die DMSG-Geschäftsführerin dann gleich Dr. Gregor Gysi symbolisch einen Schirm überreichte und den Bundestagsabgeordneten offiziell als Schirmherren vorstellte. Gysi bedankte sich für das Vertrauen und bestärkte noch einmal sein Engagement: „Es ist mir nicht nur eine Ehre, sondern auch ein Bedürfnis diese Schirmherrschaft zu übernehmen. Wir sprechen ja hier nicht von irgendwelchen Menschen, von irgendeiner Krankheit. Jede und Jeder kann davon betroffen werden und das Fatale: Leider ist MS bisher nicht heilbar. Ich möchte in bescheidenem Maße meinen Beitrag dazu leisten, den Betroffenen Mut und Kraft zu geben und die Organisation, die sich so vorbildlich um diese Menschen kümmert, wirksam zu unterstützen“.

In seiner Antrittsrede lobte Gysi das neue Projekt der DMSG, den Betreuungsverbund Köpenick, und nahm dies zum Anlass den Finger in die gesellschaftliche Wunde zu legen: „Das erinnert uns an etwas, was in unserer auf Leistung getrimmten Gesellschaft nicht gerne gehört wird: Wenn sie oder er vom Glück verlassen werden, brauchen wir die menschliche Solidarität und müssen uns darauf verlassen können. Das macht doch eigentlich erst eine lebenswerte Gesellschaft aus. Wir dürfen uns nicht dazu bringen lassen, Solidarität für unnötig oder gar überflüssig zu halten. Sie muss ein Grundwert in unserer Gesellschaft bleiben oder wieder werden , damit der Artikel 1 unseres Grundgesetzes nicht nur auf dem Papier steht, sondern für alle gilt und von allen gelebt werden kann: Die Würde des Menschen ist unantastbar“.

Gregor Gysi appellierte mit deutlichen Worten an die Politik: „Ich hoffe darauf, dass wir der Pflege und Betreuung in unserer Gesellschaft künftig eine noch größere Aufmerksamkeit widmen. Ja, das heißt auch, dass wir dafür viel mehr Geld ausgeben müssen. Mich ärgert ungemein, dass die Bundesregierung ernsthaft bis 2024 den Rüstungsetat auf über 60 Milliarden Euro pro Jahr steigern will und gleichzeitig die Eigenanteile in Pflegeeinrichtungen so hoch sind, dass immer mehr Betroffene aufs Sozialamt müssen. Was ist denn das für eine Schwerpunktsetzung in der herrschenden Politik unseres Landes, ich bitte Sie!?“ Er jedenfalls, so Gysi weiter, werde sich weiter engagieren und nun insbesondere für die DMSG-Berlin einsetzen, damit der Verein die Unterstützung bekomme, die er verdient.

Der Vorstandvorsitzende Dr. Karl Baum bedankte sich anschließend bei Gysi für diese eindrucksvollen Worte und sein Engagement als Schirmherr und stimmte dem Politiker, insbesondere in Sachen Solidarität in der Gesellschaft, nachdrücklich zu. Baum und die DMSG-Berlin kämpfen schon seit Jahren, besonders für ein selbstbestimmtes Leben der Erkrankten und Betroffenen.

Der zweite Teil der Veranstaltung gebührte dann ausschließlich dem neuen Betreuungsverbund Köpenick. Mit dem eröffneten ersten Betreuungsverbund bietet der DMSG Landesverband Berlin eine Lösung für das tägliche Leben für an MS erkrankte Menschen an. Das Projekt befindet sich in einer Wohnanlage der DEGEWO in der Joachimstraße / Ecke Lindenstraße im Bezirk Köpenick. Es besteht aus 11 barrierefreien, weitgehend rollstuhlgerechten Ein- und Zwei-Zimmerwohnungen sowie einer großen Stützpunktwohnung im gleichen Haus. Die Klienten sind selbst Mieter der Wohnungen, die sie auch eigenständig einrichten. In der Stützpunktwohnung haben die Sozialarbeiter/innen ihre Arbeitsräume. „Die Übergabe der Wohnungen des Betreuungsverbundes ist ein Meilenstein in unserer Arbeit und unserem Bemühen die Situation von MS-Erkrankten stetig zu verbessern“, so die Geschäftsführerin der DMSG-Berlin Karin May, „Das tägliche Leben der betroffenen Bewohner hat sich dadurch von heute auf morgen  exorbitant verbessert und so die Lebensqualität trotz schwerer Erkrankung um ein Vielfaches erhöht“, freut sich May. Das betreute Einzelwohnen ist eine ambulante sozialpädagogische Hilfe für Menschen, die aufgrund einer Behinderung in ihrer eigenen Wohnung Unterstützung bei der Alltagsbewältigung sowie zur Teilnahme und Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft benötigen.

Das Vorstandmitglied der degewo AG Sandra Wehrmann unterstrich wie wichtig dieses Projekt auch für ihr Unternehmen sei. Dass dieses Vorhaben in nur 7 Jahren, von der Idee bis zur heutigen Schlüsselübergabe, vollzogen worden sei, zeige dies deutlich. Wehrmann, sichtlich bewegt: „Liebe DMSG, ich kann ihnen hiermit versichern, dass die degewo AG auch weitere Projekte in dieser Art in Zukunft gerne unterstützen will!“

Nach einer professionellen, musikalischen Umrahmung durch das „Aulos Streich – Duo“, führte Jutta Moltrecht, die „Mutter des Projekts“ (Dr. Baum), die Anwesenden noch einmal durch die Geschichte dieses anfänglichen Mammut-Vorhabens. Eindrucksvoll beschrieb sie die ersten vagen Gedanken und Ideen über die jahrelangen Verhandlungen bis schließlich hin zur jetzigen Schlüsselübergabe. Lobende Worte der Zusammenarbeit, sowie ein großes Dankeschön fand sie speziell in Richtung der degewo. DMSG-Vorstandvorsitzender Dr. Baum ließ es sich nicht nehmen, Frau Moltrecht noch einmal persönlich für ihre herausragende Arbeit in den letzten Jahren zu danken: „Ohne Sie, wäre das hier alles nicht möglich gewesen. Danke dafür!“

Eine gelungene, feierliche und emotionale Veranstaltung der DMSG-Berlin schloss mit einem get-together, bei dem für das leibliche Wohl gesorgt war und noch lange intensiv und offen weitergesprochen wurde. Einhelliger Tenor: Ein starker DMSG Landesverband mit politischer und gesellschaftlicher Unterstützung, kann zuversichtlich in die Zukunft gehen.

Mehr unter: www.dmsg-berlin.de

(vb)

Datum, 26 | 02 | 2019