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„Die Technik soll uns bei der Arbeit helfen“

Kategorie: Aus dem Verband, Pflege

Fachtag zur Digitalisierung in der Pflege mit Experten und Referenten aus der Praxis

Digital im Einsatz: Eine App wird während des Fachtages vorgestellt

Kann die Digitalisierung helfen, bei der Betreuung pflegebedürftiger Menschen Entlastung zu bringen und Freiräume zu schaffen? Sind Apps und digitale Assistenzsysteme Fluch oder Segen im Pflegealltag? Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigten sich Pflegekräfte sowie Expertinnen und Experten beim Fachtag „Digitalisierung in der Pflege“ des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Berlin am 29. April.

„Die Technik soll uns bei der Arbeit helfen“, brachte Dr. Gabriele Schlimper, Geschäftsführerin des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Berlin, den Wunsch der Pflegenden an digitale Hilfsmittel auf den Punkt. Die Entwicklung stehe aber noch am Anfang. Es gebe viele Gründe, die Vorteile der modernen Technologien auch in der Pflege zu nutzen. „Online-Arztkontakte sind sehr hilfreich und führen deutlich zu Entlastung“, benannte Dr. Schlimper ein Beispiel, das bereits eingesetzt wird. „Wir sollten über weitere sinnvolle Lösungen nachdenken. Es stellt sich nicht die Frage, ob digitale Hilfsmittel in der Pflege eingesetzt werden sollten, sondern wie und wie schnell“, sagte sie.

Auf die Potenziale der neuen Techniken wies auch Prof. Dr. Hans-Jochen Brauns, Vorstandsmitglied des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Berlin, hin. Nicht nur in der Verwaltung könne die Technik hilfreich sein. Auch viele Pflegeleistungen könnten digitalisiert werden. So könnten Assistenzsysteme bei der Körperpflege, beim Aufstehen, bei Reinigungsarbeiten und bei der Essenszubereitung mitwirken. Sie geben vielleicht Hilfe bei der Strukturierung des Tagesablaufs, Computerspiele könnten zum Erhalt der geistigen Beweglichkeit von Pflegebedürftigen beitragen. „Wir können digitale Potentiale auch nutzen, um der Einsamkeit entgegenzuwirken – etwa mit digitalen Familientreffen oder Online-Kaffeeklatsch mit Freunden“, zählte Prof. Dr. Brauns Möglichkeiten auf. „Auf jeden Fall sollten wir selbst die Anforderungen an Digitalisierung definieren, die benötigt wird“, sagte er. Nur so könnten digitale Hilfsmittel entstehen, die in der Praxis der ambulanten oder stationären Pflege tatsächlich eine Hilfe sind.

Nicht alles ist Zukunftsmusik. Dr. Wenke Wegner von der ArbeitGestalten Beratungsgesellschaft stellte eine ganze Reihe von bereits existierenden Assistenzsystemen zur Entlastung von professionell Pflegenden und Angehörigen vor. Vom intelligenten Herdwächter über moderne Dusch-WCs bis hin zu Apps zur Wundbeurteilung via Smartphone werden sie punktuell bereits eingesetzt. Während die Sensortechnologie in der Pflege gut angenommen werde, herrsche noch Skepsis hinsichtlich des Einsatzes von Robotern. Ein Problem sei die Finanzierung solcher Hilfsmittel. „Die Frage der Vergütung ist bisher nicht geklärt. Es muss von Politikern erst noch erkannt werden, dass das kein Spielzeug ist, das blinkt, sondern dass diese Technik wirklich hilft“, sagte Dr. Wegner.

Beim Nachdenken über Digitalisierung in der Pflege geht es nicht nur um technische Fragen. Der Theologe Dr. Herrmann Augustin stellte in seinem Vortrag ethische Grundfragen in den Raum. Er fragte provokativ: Sollen Roboter Krankenpfleger und Krankenschwestern ersetzen? „Digitale Technologien dürfen nur Handwerkszeug sein, künstliche Intelligenz ist Hilfe, nicht Ersatz“, sagte Dr. Augustin. Er sei für jeden neuen Roboter, „wenn ich trotzdem einen Menschen treffen kann“.

Einen weiteren Aspekt fügte Beate Lüdke vom Weiterbildungsinstitut Quensi dem Fachtag hinzu. Sie zeigte in ihrem Vortrag, wie digitales Lernen für die Ausbildung in der Pflege genutzt werden kann. Sie stellte Apps, Weiterbildungsportale und Lernspiele vor, die unterhaltsam und hilfreich sind. Den Teilnehmerinnen und Teilnehmer demonstrierte sie die Möglichkeiten und den gleichzeitigen Unterhaltungswert der Technik anhand eines digitalen Wettbewerbs mittels Smartphone.

Anschließend konnten die Teilnehmenden des Fachtages in drei kleineren Runden zu verschiedenen Fragen mit Expertinnen und Experten ins Gespräch kommen. Die Workshops beschäftigten sich mit Chancen und Hemmnissen der Digitalisierung in der ambulanten Pflege, mit der telemedizinischen Arztversorgung im Heim und mit der digitalen Gesundheitsakte. Mit diesen intensiven Diskussionsrunden endete der Fachtag des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Berlin, der sich mit vielen Aspekten dieses Zukunftsthemas auseinandersetzte.

Text und Bild: Dominique Hensel

Hier können Sie die Vorträge des Fachtages herunterladen:

Datum, 03 | 05 | 2019