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„Der Kiez soll uns kennenlernen“

Am Gleisdreieckpark steht ein neues Haus der Parität

Dr. Gabriele Schlimper begrüßt die Bewohner und Gäste; Foto Martin Thoma

Der Sommer war wechselhaft, doch am 15. September zur Eröffnung des Hauses der Parität in Schöneberg zeigte sich das Wetter von seiner sonnigen Seite. Entsprechend gut war die Stimmung im Garten der Dudenstraße 92. Viele Bewohner des Hauses – vom Kita-Kind bis zur Seniorin – und interessierte Menschen aus der Nachbarschaft waren gekommen. Außerdem Vertreter des Paritätischen Wohlfahrtsverbands, der Geschäftsführer der UTB Projektmanagement GmbH Thomas Bestgen und die Bezirksstadträtin von Tempelhof-Schöneberg Jutta Kaddatz. Mit alkoholfreiem Sekt stießen sie auf das Ereignis an.

Das Haus der Parität soll ein Ort der Begegnung werden. „Wir sind verschieden und das ist gut so“, steht in seinen Leitsätzen, die Frau Teschera vom KommRum e. V. zu Beginn der Eröffnung vorlas. „Wir sind: jung, alt, Kinder, Erwachsene, schwer, leicht, alleinstehend, befreundet, verheiratet, witzig, ernst, groß, klein und noch vieles mehr. Wir können vieles gut und vieles fällt uns schwer. Wir haben unterschiedliche Interessen und sprechen verschiedene Sprachen. Wir helfen und unterstützen uns. Wir wollen den Kiez kennenlernen und der Kiez soll uns kennenlernen.“

Unter dem Dach des im Neubauareal am Gleisdreieckpark gelegenen Hauses finden Angebote mehrerer Paritätischer Träger der Psychiatrie, der Kinder- und Jugendhilfe und des betreuten Wohnens zusammen: GamBe gGmbH, aktion weitblick gGmbH, TÄKS e.V., KommRum e.V. und Pinel gGmbH. Entstanden sind 34 Wohnungen und Zimmer für psychisch kranke und geistig- oder lernbehinderte Menschen, vier Senioren-Appartements, fünf Gemeinschaftsräume, eine Kindertagesstätte, ein Gemeinschaftsgarten. Menschen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen leben hier gemeinsam und selbstbestimmt und erhalten Betreuung, wenn sie sie benötigen.

„Dieses Haus leuchtet“

„Wenn man mit dem Zug vorbeifährt, dann leuchtet dieses Haus der Parität“, sagte Dr. Gabriele Schlimper, Geschäftsführerin des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Berlin. In einer Gegend, die eine Brache war, in der jetzt aber qualitativ hochwertige Wohnungen entstehen, gebe das Haus Menschen in schwierigen Lebenslagen die Möglichkeit, in der Stadt zu wohnen. Mittendrin. Gabriele Schlimper betonte: „Wir wollen soziale Angebote in den Bezirken mitten in der Stadt stärken. Und das gemeinsame vielfältige Leben in Berlin erhalten.“ Aus diesem Grund hat die Stiftung Parität den Bau und die Einrichtung des Hauses finanziell gefördert. Besonders bedankte sie sich Gabriele Schlimper für das keineswegs selbstverständliche soziale Engagement der Stifterin des Grundstücks, der UTB Projektmanagement GmbH, und ihres Geschäftsführers Thomas Bestgen.

Thomas Bestgen ging auf die Baugeschichte des Hauses ein. Die Idee, soziale Träger in die Gebäude mit hinein zu nehmen, hatte der Bezirk bei Gesprächen über den letzten Bauabschnitt des Areals an ihn herangetragen. Mit den Geschäftsführern der Träger unterhielt er sich dann über ihren Bedarf an Wohnraum und man entschied sich für das Grundstück. Bauherrin wurde die Stiftung trias, Mitglied des Paritätischen Wohlfahrtsverband. Beteiligt waren aber noch viel mehr. Bestgen nennt die Planer vom Architekturbüro d+, die Baufirma Mastiok und dankt allen für die gute Arbeit auch in schwierigen Situationen. Zum Beispiel als im Sommer des letzten Jahres nach einem Starkregen die Baustelle unter Wasser stand. Der Estrich musste neu gemacht werden. Die Bauarbeiten verzögerten sich.

Alle waren sich einig: So wie die Bauarbeiten würde auch das Zusammenleben im Haus bestimmt nicht immer reibungslos funktionieren, aber gemeinsam werde man das gut hinbekommen. Kritik äußerte die Bewohnerin Frau Stubenvoll, eine engagierte Seniorin im Rollstuhl. Es sei schade, dass ein inklusives Projekt wie dieses Haus auch heute noch nur in Neubaugebieten möglich sei. Und nicht dort, wo schon mehr andere Menschen wohnen. Die Elternvertreterin der Kita nahm das auf. Ihre Tochter finde es schön, in einem so lebendigen und vielfältigen Haus in die Kita zu gehen. Und sie selbst wünsche sich wie Frau Stubenvoll, dass hier ein lebendiger Kiez entstehe. „Ich glaube, dass das Haus der Parität dazu einen guten Beitrag leistet. Und darüber freuen wir uns – als Eltern und als Nachbarn.“

Text und Fotos: Martin Thoma

(vb)

Datum, 12 | 10 | 2017