Kiezreporter der Schulstation von Aufwind e.V. - Foto: Stefanie Lehmann Unionhilfswerk - Kindergartengruppe - Foto: Christiane Weidner Eine Breakdanceshow - Foto: Eberhard Auriga Kletterwald - Foto: Nachbarschaftsheim Schöne

Demokratiebildung in Kitas und Schulen

Beteiligungsverfahren und Partizipation sind Schlüssel für Bildung und Demokratie

Vielfalt gestalten lernen. Foto: Christoph Eckelt für Kinder im Kiez GmbH

Vielfalt gestalten lernen. Foto: Christoph Eckelt für Kinder im Kiez GmbH

Das Recht auf Teilhabe zählt zur Basis unserer Demokratie und wurde in den vergangenen Jahrzehnten in zahlreichen internationalen und nationalen Gesetzestexten festgeschrieben: etwa in der UN-Kinderrechtskonvention, im Bürgerlichen Gesetzbuch sowie in einzelnen Ländergesetzen. Das Kinder- und Jugendhilfegesetz (SGB VIII) verpflichtet Träger und Einrichtungen in § 45 ausdrücklich zur konzeptionellen Ausgestaltung von Beteiligungsformen und Beschwerdeverfahren. 

Wo Kinder und Jugendliche in das politische und institutionelle Geschehen eingebunden werden, eröffnen sich ihnen vielfältige Handlungs- und Lernfelder. Sie ermöglichen ihnen, neue Kompetenzen zu entwickeln. Partizipation ist damit ein Schlüssel für gelingende Aneignungs- und Bildungsprozesse.

Partizipation ist ein wichtiger Bestandteil der Arbeit in der Kinder- und Jugendhilfe. Doch die Vorstellungen darüber, wie eine partizipative pädagogische Praxis aussieht, gehen weit auseinander. Der Alltag in den Einrichtungen und Institutionen hält eine Fülle von Situationen bereit, die die Erwachsenen immer wieder herausfordern, Kinder ernst zu nehmen und die Kinder herausfordern, sich am Geschehen in der Gruppe zu beteiligen. Die Kinder machen demokratische Erfahrungen, es gehört zu ihren Rechten sich mitzuteilen, mitzubestimmen und sich zu beschweren. Für die Erwachsenen bedeutet das: themenorientierte Projekte und viele Entscheidungen im Alltag müssen unter Beteiligung der Kinder gestaltet, durchgeführt und reflektiert werden.

Kinder sollen Möglichkeiten erhalten, über sich selbst zu bestimmen und mit anderen zusammen entschieden zu können, in den Dingen, die sie selbst betreffen. Mit einer partizipativen Arbeitsweise können Kinder bereits im jungen Alter mit demokratischen Vorgängen in Berührung kommen. Diese Erfahrungen wirken sich nachhaltig auf die Entwicklung der Kinder und die demokratische Gesellschaft aus, die nur funktionieren kann, wenn die Bürgerinnen und Bürger teilhaben und sich beteiligen.

Sabine Radtke, Referat Kinder und Kindertagesstätten beim Paritätischen Berlin

Wie können Kinder und Jugendliche beteiligt werden? Zwei Beispiele

In der Kita Wolkenreise üben Kinder im Kinderparlament ihre Interessen ohne Streit zu vertreten

Phillip, Linh, Annika und Friedrich sitzen mit einer Handvoll anderer Kinder an einem großen Tisch und schneiden Bilder für eine Collage aus. Heute tagt das Kinderparlament in der Kita Wolkenreise in Lichtenberg des Trägers Kinder im Kiez. Früh übt sich, wer seine Interessen ohne Streit vertreten möchte. »Die Kinder können Probleme im Parlament ansprechen und sie lernen ihre Rechte kennen und Regeln zu akzeptieren«, erklärt Kristin Zimmermann, die das Kinderparlament seit fast zwei Jahren leitet. Sie greift in ein Regal und fördert zwei Stöcke zutage, an deren Ende ein Stück rote und grüne Pappe befestigt ist. Wie bei einer Ampel kann jeder damit signalisieren, wenn ihn etwas stört – oder ihm etwas gefällt. Nach einer halben Stunde hält es die Kinder nicht mehr am Tisch. Das schöne Wetter und der große Garten locken nach draußen, wo schon gespielt und getobt wird. Auch das haben die Kinder als ein Recht auf der Collage festgehalten: mit meinen Freunden spielen.

Anja Karrasch, Kinder im Kiez GmbH

In der Netzwerk-Schule entscheiden die Jugendlichen über Lerninhalte und Bedingungen mit

Die Netzwerk-Schule des Vereins Netzwerk Spiel/Kultur ist eine Demokratische Gemeinschaftsschule mit derzeit 107 Schulmitgliedern: 92 Schülerinnen und Schüler und 15 Erwachsenen. Ihre wesentlichen Merkmale sind: Selbstbestimmung und Mitbestimmung. Schülerinnen und Schüler können selbst entscheiden, was, wie, wo, wann und mit wem sie lernen. Zensuren gibt es nicht. Sie werden von den Erwachsenen begleitet und machen am Ende den MSA in einer externen Prüfung. Die Regeln der Schule werden von allen Schulmitgliedern gemeinsam festgelegt. Jedes Schulmitglied kann Anträge stellen. In der wöchentlichen Schulversammlung wird darüber nach dem Prinzip „Ein Mensch – eine Stimme“ abgestimmt. Viele Entscheidungen werden auch in Komitees aus gewählten Schulmitgliedern getroffen. Gegen Regelbrüche kann vor dem Schulgericht geklagt werden. Gewählte Richter klären den Fall und beschließen gegebenenfalls Konsequenzen.

Text: Dr. Meta Sell und Mike Weimann, Netzwerk-Schule

(aw)

Datum, 11 | 02 | 2019