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Das lange Ankommen eines irakischen Geflüchteten mit geistiger Behinderung

Ein Bericht der Heilpädagogischen Ambulanz Berlin e.V.

Die Flucht
Die Geschichte ihrer Flucht aus dem Irak und ihrer Heimatstadt Kirkuk beginnt für die Familie Kashar, im Sommer 2015. Aufgrund des Bürgerkriegs im Nordirak und ihrer sich stetig verschlechternden und gefährdeten Lebenssituation hatten sie sich, nach langem Zögern, zur Flucht entschlossen.
Zum Hintergrund der aktuellen Situation der Familie, und vor allem von Sohn Alaz Kashar, gehört dies insbesondere deshalb, weil er im irakischen Krieg und auf der Flucht nach Schilderungen seiner Eltern Erlebnisse hatte, die ihn nachhaltig traumatisiert haben. Im Irak hat er mehrfach Artilleriebeschuss erlebt und zwei Angehörige seiner Mutter wurden in unmittelbarer Nähe erschossen.
Bei der über die Türkei und Südosteuropa (sogenannte Balkanroute) führende Flucht kam es außerdem zu einem Übergriff durch ungarische Sicherheitskräfte, unter Einsatz von Schlägen und Pfefferspray, von dem Alaz Kashar persönlich betroffen war.

Ihr erstes Jahr in Deutschland verbringt die Familie Kashar aufgrund der geistigen Behinderung von Alaz in einer Unterkunft für besonders schutzbedürftige Flüchtlinge, in einem 1-Zimmer-Apartment. Die dürftigen Umstände und eine fehlende Tagesstruktur belasten die ganze Familie sehr.

Engagement und Zusammenarbeit der sozialen Einrichtungen: So kann es gehen
Im Juni 2016 kommt dann über MiNA e.V. der Kontakt der Familie Kashar zur Heilpädagogischen Ambulanz e.V. zustande. Der gemeinnützige Verein HpA e.V. wurde 1999 gegründet und hält ein spezialisiertes ambulantes Angebot für Menschen mit geistiger Behinderung und zusätzlichen psychischen Störungen bzw. gravierenden Verhaltensauffälligkeiten vor. Der Geschäftsführer der HpA e.V. Eckhard Busch bemüht sich gemeinsam mit den Mitarbeitern schon seit der Flüchlingskrise 2015 um eine Verbesserung der prekären Situation für diesen Personenkreis.

Sohn Alaz nimmt seit dem Sommer 2016 im Rahmen eines Praktikums am Arbeits- und Beschäftigungsprojekt (ABP) der HpA e.V. teil, er benötigt jedoch dringend auch differenzierte Hilfs- und Unterstützungsangebote. Alaz Kashar gehört zum Personenkreis von Menschen mit einer geistigen Behinderung und zusätzlichen psychischen Störungen bzw. gravierenden Verhaltensauffälligkeiten im Sinne der §§53/54 SGB XII. Durch ihr spezialisiertes, pädagogisch-therapeutisches Angebot, wie z.B. das Einzelangebot der sogenannten Heilpädagogischen Übungsbehandlung (HPÜ) hilft die Heilpädagogische Ambulanz e.V. Menschen wie Alaz und auch deren Angehörigen, z.B. durch systemische Beratung.

Angekommen im Sozialsystem
Im Dezember 2016 wird das Asyl-Anerkennungsverfahren für Alaz Kashar durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge dann endlich mit der Zuerkennung von subsidiärem Schutz abgeschlossen. Ein Antrag an das zuständige Sozialamt gemäß der Eingliederungshilfe ist nun möglich, weil Alaz nach Anerkennung durch das BAMF nun unter das reguläre Sozialrecht fällt. Ende April 2017 hatte Alaz Kashar dann endlich einen Begutachtungstermin beim Sozialpsychiatrischen Dienst, die Leistungen sind entsprechend der vorläufigen Hilfeplanung nun bewilligt worden.

Für Alaz Kashar hat sich nach langem Ringen alles zum Guten gefügt und er erhält nun endlich die Unterstützung, die er so dringend braucht. Aber Alaz ist leider kein Einzelfall. Ein Netzwerk, das nach der Erfassung der betroffenen Menschen greift und die notwendigen Hilfs- und Unterstützungsmaßnahmen garantiert, existiert bislang noch nicht. Menschen wie die Familie Kashar sind bis dahin auf unser aller Engagement angewiesen.

Nur Alaz hat bisher eine Anerkennung durch das BAMF erhalten. Seine Eltern haben nach ihrem Anhörungstermin im Sommer 2016 noch keinen Bescheid bekommen, das heißt sie haben weiterhin lediglich die Aufenthaltsgestattung für die Dauer ihres Verfahrens, welche bis Mai 2018 gültig ist. Der nächste Termin bei der Ausländerbehörde wird frühestens im August 2017 sein.

Bild und Text: Kathrin Wunderer

Heilpädagogische Ambulanz e.V.
Turmstraße 21, Haus K, 10559 Berlin
www.hpa-berlin-ev.de

(rs)

Datum, 27 | 06 | 2017