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Das einzig Zuverlässige ist die Unzuverlässigkeit

Vergessenen Kindern eine Stimme geben – Aktionswoche für Kinder aus suchtbelasteten Familien

Foto: Pixabay

Berlin, den 14. Februar 2017 Der größte bekannte Risikofaktor für eine Suchtentstehung ist ein Aufwachsen mit suchtkranken Eltern. Gründe hierfür sind nicht nur das elterliche „Vorbild“, das konstruktive Problembewältigung aufgrund der eigenen Erkrankung vermissen lässt, sondern insbesondere die familiäre Atmosphäre, die geprägt ist von Instabilität, Anspannung, Unberechenbarkeit, Willkür, Vernachlässigung und vielleicht sogar von Gewalt.

Die internationale Aktionswoche vom 12.02. bis zum 18.02.2017 macht auf die Situation der Kinder aufmerksam: www.coa-aktionswoche.de

Die Kinder werden in aller Regel nicht ausreichend gefördert. Sie stellen ihre eigenen Bedürfnisse zurück, weil sie sich um die jüngeren Geschwister oder den suchtkranken Elternteil kümmern. Scham und Abschottung, um das Familiengeheimnis zu wahren, bringen zudem soziale Isolation mit sich. Die Mehrheit der Kinder in suchtbelasteten Familien ist mit den Problemen allein, nur wenige bekommen ausreichend Unterstützung.

„Das müssen wir ändern“, fordert Heike Drees, Fachreferentin Sucht des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Berlin. „Durch Sensibilisierung der Pädagoginnen und Pädagogen in Kitas und Schulen kann den Kindern geholfen werden und ein aufeinander abgestimmtes Handeln im Netzwerk der Hilfen sorgt dafür, dass die Kinder nicht durch die Maschen fallen“.

„Die Arbeit im Netzwerk voranbringen, dafür sorgen, dass die Familie als System betrachtet wird und nicht als Summe voneinander unabhängiger Personen sowie das Thema ‚Sucht in der Familie‘ aus der Tabuzone herauszuholen – das sind unsere Ziele“, sagt Kerstin Jüngling, Geschäftsführerin der Berliner Fachstelle für Suchtprävention.

„Kinder sind bemüht, sich auch in schwierigste Situationen einzufügen. Sie stehen zu ihren Eltern, auch unter problematischsten Bedingungen. Wir als Gesellschaft sollten alles dafür tun, dass Kinder in von Sucht betroffenen Familien nicht vergessen, nicht sich selbst überlassen werden“, fasst die Landesdrogenbeauftragte Christine Köhler-Azara zusammen.

Die Fachstelle hat zusammen mit Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Arbeitsbereichen Empfehlungen für den Schutz von Kindern in suchtbelasteten Familien formuliert und fordert eine engere Zusammenarbeit der Fachdienste.

Die Empfehlungen können unter www.berlin-suchtpraevention.de/wp-content/uploads/2017/01/170126_Stellungnahme_KindSuchtFamilie_web.pdf heruntergeladen werden.

Weitere Information zur Situation der Kinder finden Sie im Informationsblatt „Kinder in suchtbelasteten Familien“, Download unter www.berlin-suchtpraevention.de/wp-content/uploads/2016/09/170201_Infoblatt_Kinder_s_F_Online.pdf

Zahlen und Fakten zum Thema:

  • Jedes 6. Kind lebt zumindest vorübergehend in einer suchtbelasteten Familie
  • Das Risiko der Kinder, selbst abhängig zu werden, ist stark erhöht: etwa ein Drittel der Kinder wird später selbst suchtkrank.
  • Kinder aus suchtbelasteten Familien erleben wesentlich häufiger verbale, körperliche aber auch sexualisierte Gewalt als Kinder, die in einer Familie ohne Suchterkrankung aufwachsen.
  • Hochrechnungen zufolge werden jährlich 3.000 bis 4.000 Kinder mit schweren Entwicklungsstörungen aufgrund von Alkoholkonsum der Mutter während der Schwangerschaft geboren.

Pressekontakt: Fachstelle für Suchtprävention im Land Berlin

Kerstin Jüngling, Geschäftsführung

Tel: 030 – 29 35 26 15, Mobil: 0162 – 909 13 92

E-Mail: info(at)berlin-suchtpraevention.de

www.berlin-suchtpraevention.de 

(vb)

Datum, 14 | 02 | 2017