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„Bildung ist zu wichtig, um sie allein der Schule zu überlassen“

Von der frühkindlichen Förderung bis zur Weiterbildung: Bildung ist ein Schlüssel zur Chancengleichheit und sozialen Teilhabe

Martin Hoyer, Foto: Holger Groß

Martin Hoyer, Foto: Holger Groß

Bildung ist mehr als Schulbildung und Universitätsabschluss oder Ausbildung. Sie endet auch nicht mit dem endlich erlangten Zeugnis oder Diplom. So oder ähnlich beginnen viele Texte zum Thema Bildung. Dennoch fällt Vielen zum Thema Bildung zunächst die Schule ein. Woran liegt das? Wir alle (und es ist ein großes Glück das so sagen zu können) sind zur Schule gegangen. Für viele eine grundsätzlich gute Erfahrung, für manche aber auch nicht. Diese Erfahrungen prägen unser Bild von Bildung. 

Dass sie aber auch in anderem Rahmen stattfindet, muss man sich gezielt vergegenwärtigen. Denn Bildungsprozesse finden in allen Lebensbereichen statt. Im Alltag ergeben sie sich oft zufällig und ungeplant, indem Haltungen, Werte, Fähigkeiten und Wissen durch Einflüsse und Quellen der eigenen Umgebung erworben und aus der täglichen Erfahrung – durch Familie, Nachbarn, Medien, Arbeit, Spiel etc. – übernommen werden. 

In der Arbeit sozialer Organisationen ist Bildungsarbeit, wie es auch in den Grundsätzen des Paritätischen formuliert ist, der Idee sozialer Gerechtigkeit verpflichtet. Verstanden als das Recht eines jeden Menschen auf gleiche Chancen zur Verwirklichung seines Lebens in Würde und der Entfaltung seiner Persönlichkeit. Sie erfolgt also nicht zufällig und schon gar nicht ziellos. 

Dabei nutzt Soziale Arbeit die Stärken und Fähigkeiten der Menschen und vermeidet es, die Defizite und Probleme der Individuen in den Vordergrund zu stellen. Das tut sie nicht „gegen“ die Schule, sondern immer mehr in guter und erprobter Kooperation. Dabei geht es gerade für Kinder und Jugendliche darum, selbst Verantwortung zu übernehmen und ihnen den Rahmen anzubieten, die Fähigkeiten hierfür zu entwickeln. Aktivierende und gemeinschaftsfördernde Angebote stärken Selbstbewusstsein und Selbstsicherheit, nicht nur bei jungen Menschen. 

In welcher Vielfalt und Breite dies die Paritätischen Mitgliedsorganisationen leisten, wird an den Beispielen dieses Schwerpunktheftes deutlich. Neben der frühen Bildung in Kindertagesstätten und der Arbeit in Schulen, geht es auch darum, lebenslang Bildung zu ermöglichen. Sei es mit dem Ziel der Prävention und Unterstützung, wie in den Angeboten der Familienbildung und -zentren oder der Kompensation und des Empowerment durch Alphabetisierungs- und Grundbildungskurse. Nicht zuletzt ist es auch für die Fachkräfte selbst wichtig, Ausbildung und Weiterbildung auf hohem Niveau zu organisieren – auch hierzu finden sie Beispiele. 

Der viel zu früh verstorbene ehemalige Vorstand des Paritätischen Berlin, Georg Zinner, formulierte einmal sinngemäß: „Bildung ist viel zu wichtig, um sie allein der Schule und dem Staat zu überlassen“. Viele Mitgliedsorganisationen des Verbands, weit mehr als hier dargestellt, handeln danach. Ergänzend und manchmal ersetzend, aber nicht gegen die formalen Bildungssysteme. Soziale Teilhabe und Chancengerechtigkeit sind eine Gemeinschaftsaufgabe und Bildung ist hierzu ein wichtiger Schlüssel.

Martin Hoyer, stv. Geschäftsführer des Paritätischen Berlin 

(rs)

Datum, 23 | 01 | 2019