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Bewährtes weiterführen und neue Akzente setzen

Gespräch mit Manuela Schulze und Babett Schott, Geschäftsführerinnen des Tannenhof

Mit dem Jahresbeginn 2016 wurde beim Tannenhof Berlin-Brandenburg ein Generationenwechsel vollzogen: Der langjährige Geschäftsführer Horst Brömer hat seine Aufgaben an die Kolleginnen Manuela Schulze und Babett Schott übergeben. Boris Knoblich, verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit beim Tannenhof, hat mit den beiden neuen Geschäftsführerinnen gesprochen.

Horst Brömer hat die Funktionen als besonderer Vertreter des Tannenhof Berlin-Brandenburg e.V. und als Geschäftsführer der Tannenhof Berlin-Brandenburg gGmbH in Personalunion fast drei Jahr-zehnte ausgeübt. Nun sind Sie beide als weibliche Doppelspitze seit 1.1.2016 in der Verantwortung. Passt der Begriff des Generationenwechsels, und wie bewerten Sie die letzten Jahren des Trägers in seiner Rolle in der Kinder-, Jugend- und Suchthilfe?

Babett Schott und Manuela Schulze im InterviewBabett Schott: Ja, der Begriff Generationenwechsel passt sehr wohl auf unsere Leitungsübernahme.
Als ich im Juni 1995 im Träger begonnen habe, haben wir zwei Monate später die erste Tagesgruppe eröffnet. Heute, 20 Jahre später, sind wir zu einem großen Kinder- und Jugendhilfebereich gewachsen. Die Herausforderung besteht mehr denn je, sich dem verändernden Bedarf unter der Berücksichtigung der gesellschaftlichen Veränderungen anzupassen. Erziehung findet heute immer mehr in institutionellen Kontexten statt, und insofern müssen sich auch die Tagesgruppen den neuen Bedarfen stellen.
Worauf wir besonders stolz können, ist die nunmehr 18 Jahre enge Zusammenarbeit mit dem Bereich Schule. Unsere Arbeit ist inzwischen über den Bezirk hinaus bekannt, und wir werden oft als Experten zum Thema Beschulung eingeladen.
Insgesamt hat der Tannenhof Berlin-Brandenburg sehr viel dazu beigetragen, dass Familien, die Un-terstützung und Begleitung wollen, ein qualifiziertes Angebot in Anspruch nehmen können.

Manuela Schulze: Wir folgen mit Horst Brömer einem Geschäftsführer, der den Träger fast seit dem Beginn geprägt und aufgebaut hat.
Nun ist es an uns beiden, die bewährte Arbeit des Tannenhof Berlin-Brandenburg in allen seinen Arbeitsfeldern und somit natürlich auch in der Suchthilfe fortzusetzen. Wir wollen aber auch unsere eigenen Ideen einbringen und Akzente finden und hoffentlich damit den Träger in der nächsten „Ge-neration“ ebenso wesentlich prägen und weiterentwickeln.
Die letzten Jahre waren geprägt durch viele neue Herausforderungen einerseits im Reha-Sektor und andererseits intern durch neue Ideen, Angebotsstrukturen und Einrichtungen:
Wir haben neue Qualitätsstandards und Projekte erfolgreich umgesetzt, waren gemeinsam mit dem Kostenträgern, Fachverbänden und anderen Trägern daran beteiligt, Angebote zu verbessern und für besondere Zielgruppen zu differenzieren.
Mit dem neuen Standort des Zentrum für Gesundheit und Rehabilitation haben wir Synergien ge-schaffen: Zwischen der zentralen Aufnahme als übergeordneter Anlaufstelle und zur Reha-Vorbereitung, mit unserer dortigen Tagesklinik Sucht, dem Ambulanten Zentrum, dem Betreuten Gruppenwohnen und dem neuen Angebot der Ganztägig Ambulanten Rehabilitation Psychosomatik.

Sie arbeiten beide ja schon viele Jahre in leitenden Positionen in Teilbereichen des Tannenhof Berlin-Brandenburg. Was hat Sie persönlich bewogen, den Schritt in die Geschäftsführung  des Trägers zu gehen?

Manuela Schulze: Schon seit mehreren Jahren hab ich viel im Bereich fachliche Koordination, Leitung und Organisation gearbeitet und dabei gemerkt, dass mir dies neben der therapeutischen Arbeit viel Freude macht.
Schon dabei habe ich die Devise verfolgt, dass ich dann zwar nicht mehr so direkt mit den Hilfesu-chenden arbeite, aber vielen Mitarbeitern durch meine organisatorische und fachliche Arbeit die Basis und Unterstützung für ihre Arbeit mit den Menschen geben kann.
So sehe ich es jetzt auch in der Geschäftsführung: Meine Aufgabe ist es, unseren Mitarbeitern und Teams einen wirtschaftlich stabilen, fachlich guten und innovativen Rahmen für die Arbeit vor Ort zu bieten.
Man kann also sagen, dass Spaß und Neugierde an neuen Aufgaben und die starke Verbundenheit mit dem Träger und der Arbeit meine Hauptmotivation waren und sind.

Babett Schott: Seit über 20 Jahren bin ich jetzt im Tannenhof Berlin-Brandenburg in verschiedenen Bereichen tätig. Dabei hatte ich die Möglichkeit, unsere Angebote weiterzuentwickeln und neue zu implementieren, und habe immer die Stärke und die Kraft des Netzwerkes Tannenhof gespürt. Ich hatte in meinen bisherigen Positionen bereits weitereichende Verantwortung und hatte immer Freude am Gestalten und an der gesamten Entwicklung des Trägers. Insofern lag es nah, sich damit zu befassen, diese Arbeit auch von der Geschäftsführungsebene aus zu lenken.
Natürlich weiß ich auch, welche Anforderungen mit dieser Position verbunden sind und welches Ver-trauen in uns gesetzt wurde.

Frau Schott, wohin sollten oder werden sich aus die Geschäftsfelder des Vereins in den nächsten Jahren weiterentwickeln?

Babett Schott: Wenn wir den Kinder- und Jugendhilfebereich sehen, dann gibt einen ganz aktuellen Handlungsbedarf und natürlich auch Visionen.
Aktuell sind wir damit konfrontiert, dass die Kinder, die bei uns in den Tagesgruppen gefördert werden, immer jünger werden. Die Vorbereitung auf den Schulalltag findet ganz häufig nicht mehr in den Familien statt, und die Kinder kommen dann schon vor dem regulären Schulantritt zu uns in die Ta-gesgruppen. Für diese Familien braucht es ein Angebot, um den Kindern eine reguläre Einschulung in die Regelschule zu ermöglichen.
Wir haben dazu ein Konzept erarbeitet, eine Tagesgruppe für Vorschulkinder, für die die Förderung in der Kita nicht ausreicht. Das Konzept beinhaltet die aktive Teilnahme der Eltern am Tagesgruppenalltag, um die Eltern in den Themen Erziehung, Gesundheitsförderung und Leben als Familie weiter zu stärken. Dieses Angebot würden wir gern gemeinsam mit dem Jugendamt Tempelhof-Schöneberg im Sozialraum umsetzten.
Auch die ambulante Nachbetreuung der Familien nach Entlassung der Kinder aus unseren Einrichtungen ist uns schon seit langem ein Anliegen. Dazu wollen wir in den nächsten Jahren etwas entwickeln.
Der Fortbildungsbereich als verhältnismäßig junger Bereich im Tannenhof wurde vor kurzem von einer auch schon langjährig erfahrenen Mitarbeiterin des Tannenhofes übernommen. Hier wird es zukünftig vorrangig darum gehen, diesen weiter auszubauen und mehr  Fortbildungsangebote zu erarbeiten, die die Tannenhof-Expertise nach außen tragen.
Im Präventionsbereich sind wir seit vielen Jahren sehr gut aufgestellt. Bisher finden unsere Angebote vorrangig in Brandenburg statt. Auch hier gibt es Überlegungen, stärker in Berlin Fuß zu fassen.

Und was sind für Sie, Frau Schulze, die wichtigsten Zukunftsaufgaben vor allem für stationäre und ambulante Suchthilfearbeit des Trägers?

Manuela Schulze: Die Herausforderungen stehen ganz deutlich im Raum: Veränderungen im Bereich der Qualitätssicherung realisieren, Anforderungen von Leistungsträgern umsetzen, neue Angebots-strukturen entsprechend den Bedürfnissen der Hilfesuchenden zu entwickeln…Letztendlich geht es darum, die Einrichtungen und Angebote weiterhin fachlich und wirtschaftlich gut aufzustellen und dabei die Entwicklungen in den verschiedenen Bereichen mitzugestalten oder sogar zu initiieren.
Nicht zu vergessen sind unsere Kolleginnen und Kollegen! Wir wollen alle, die in so einem anspruchs-vollen Umfeld für uns tätig sind, so gut wir möglich unterstützen.

Gibt es für Sie beide etwas, was Sie sich für Ihr erstes Jahr in neuer Position ganz persönlich erhoffen oder wünschen?

Manuela Schulze: Ich wünsche mir viele spannende neue Aufgaben und Begegnungen, und dass ich weiterhin so viel Freude an meiner Arbeit habe.
Mein Ziel ist es, den Tannenhof Berlin-Brandenburg zusammen mit Babett Schott erfolgreich durch diesen Wechsel zu führen.

Babett Schott: Wir beiden sehen uns als Führungsteam und wünschen uns von allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Verständnis dafür, dass es hier und da sicherlich auch mal nicht so wie bisher gewohnt abläuft. Und natürlich auch Verständnis dafür, dass wir nicht sofort mit jedem Sachverhalt vertraut sind. Ich möchte uns eigentlich auch das Recht auf Fehler einräumen, wenn ich das an dieser Stelle so sagen darf.

Foto: Tannenhof Berlin-Brandenburg

(vb)

Datum, 26 | 01 | 2016