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„Berlin für Berliner“ – erste Stadtrundfahrt in einfacher Sprache

Angebot für Klienten aus dem Unionhilfswerk war ein großer Erfolg

„Wie Touristen in der eigenen Stadt“ - Stadtrundfahrt in einfacher Sprache; Foto: Gesine Schubert

Die 70 Plätze des Doppeldeckerbusses waren bis auf den letzten Platz besetzt zu dieser ganz besonderen Sightseeingtour durch die Hauptstadt. Rita Hübenthal-Montero, Betreuerin in einer Wohngemeinschaft für Menschen mit Behinderungen im Unionhilfswerk und außerdem zertifizierte Stadtführerin in Berlin und Potsdam, hatte zu dieser Premiere eingeladen. „So als wären wir Touristen in der eigenen Stadt“, kündigte sie ihren Gästen im Bus die Tour an. Alle warteten auf ihren Sitzen und voller Vorfreude schon darauf, dass der Sightseeing Bus sich in Bewegung setzte. Gesteuert wurde er von Peter Jürgensmeier – nicht nur versierter Busfahrer, sondern auch Betreuerkollege von Rita Hübenthal-Montero in der Wohngemeinschaft.

Rund drei Stunden lang führte sie ihre ganz besonderen Berliner Gäste – meist im Bus, mal zu Fuß – durch das Berlin der Touristen und wählte dafür eine Sprache, die alle verstanden. Die Tour führte aus der City West über den Tauentzien in Richtung Potsdamer Platz, vorbei am T 4 – Gedenk- und Informationsort für die Opfer der nationalsozialistischen Euthanasie-Morde und weiter zum Potsdamer Platz, nach Kreuzberg, zur East Side Gallery, über die Karl-Marx-Allee, Unter den Linden, das Brandenburger Tor, Tiergarten und Schloss Bellevue wieder zurück zum Start am Bahnhof Zoo.

Wie beschreibt man den Holocaust, Euthanasie oder auch das Abgeordnetenhaus in einfacher Sprache? Wie geht man auf den Terroranschlag vom 18.12. auf dem Breitscheidplatz ein? Was kann vorausgesetzt, was muss erklärt werden – Rita Hübenthal-Montero hatte sich bestens vorbereitet auf diese erste Tour. Sie kennt ihre Zielgruppe aus ihrer langjährigen Arbeit als Betreuerin  sehr gut und weiß daher, wie  sie ihre Zuhörer erreichen kann. Orientiert hat sie sich bei der Vorbereitung der Tour am Niveau von Zehnjährigen, wobei die Kenntnisse der Teilnehmer über die politischen Zusammenhänge oder die historischen Hintergründe durchaus verschieden sind: „Ich bin ein Berliner“, Kennedys berühmten Satz, den er vor über 50 Jahren vom Balkon des Schöneberger Rathauses zu den Berlinern sprach, gaben etliche Fahrgäste im rechten Moment zum Besten.

Um die Gäste bei einer Tour von drei Stunden bei der Stange zu halten, holte sie sich zwischendurch „lokales Fachwissen“ hinzu, z.B. von Tour-Teilnehmer Pierre aus Kreuzberg, der in einer betreuten WG in der Görlitzer Straße wohnt und souverän über seinen Bezirk erzählte: „Hier gibt es Kinos und Döner und es nervt mich, dass es Drogendealer gibt. Wenn ich Bürgermeister von Kreuzberg wäre, würde ich die abschaffen.“  

Zurück am Bahnhof Zoo gab es großen Applaus – die Fortsetzung folgt!

Frau Hübenthal-Montero hofft mit diesem Angebot vielen  Menschen mit Lernbehinderungen Stadtführungen zugänglicher  zu machen. Das neue Angebot für Berlin oder Potsdam ist für alle Gruppen buchbar.

Text: Gesine Schubert

Weitere Informationen: berlin-in-leichter-sprache.de

(Pe)

Datum, 29 | 03 | 2017