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Beratung auf Augenhöhe

Lebenshilfe Berlin setzt Peer Berater für die Bereiche Wohnen und Sucht ein

Die Lebenshilfe bietet Peer-Beratung an.
Die Peer-Berater haben eine geistige Beeinträchtigung.
Sie beraten andere Menschen mit geistiger Beeinträchtigung.
Sie beraten zu den Themen „Wohnen“ oder „Sucht“.
Sie beraten aus ihrer eigenen Erfahrung heraus.
Für ein Gespräch müssen Sie einen Termin vereinbaren.
Oder Sie besuchen die offene Sprech-Stunde.
Zu der Sprech-Stunde können Sie ohne Termin kommen.
Die Sprech-Stunde kostet kein Geld.

Die Termine finden Sie hier.

 Die UN-Behindertenrechtskonvention und das neue Bundesteilhabegesetz fordern den Ausbau von Peer-Beratung. In einem dreijährigen Modellprojekt hat die Lebenshilfe Berlin fünf Peer-Berater zum Thema Sucht und sechs zum Thema Wohnen ausgebildet und etabliert damit Peer-Beratung als ergänzendes Angebot der Beratungsdienste.

Ab April 2017 nahmen die Beraterinnen und Berater ihre Arbeit auf. Sie begleiten neben ihrer Tätigkeit in Werkstätten für behinderte Menschen trägerübergreifend Ratsuchende mit Beeinträchtigung.  Für ihre stundenweise Tätigkeit erhalten sie einen Lohn über die Ehrenamtspauschale.

Der künftige Suchtberater Michel Will wurde durch seine Assistentin auf das Projekt aufmerksam gemacht. „Ich weiß selbst, wie es ist, in der Krise zu stecken“, erzählt der 23-Jährige.  In seiner Jugend sei er abhängig gewesen und freue sich, bald Menschen in der Situation zu helfen, die er selber kenne. Seine Kollegin Michaela Noack kennt das Thema Sucht aus der Perspektive der Angehörigen. „Ich weiß, was es bedeutet, betroffen zu sein“, berichtet die 45-Jährige. Sie hat erlebt, wie ihr Vater an Alkoholsucht starb. Stephen Musgrave wird als Wohnberater arbeiten. Der gebürtige Engländer lebt heute im betreuten Einzelwohnen. „Ich möchte mich mit anderen austauschen und ihnen helfen, so gut ich kann, weil ich selbst schon so viel umgezogen bin“, beschreibt der 48-Jährige seine Motivation.

Die drei und die übrigen künftigen Berater kommen von ganz unterschiedlichen Berliner Trägern. Nach zehn Monaten Schulung erhielten sie am 14. Januar im Rahmen einer Feierstunde ihre Ausbildungszertifikate sowie Flyer und Visitenkarten, um sich bekannt machen zu können.
Das inklusive Projekt mache das Konzept der Peer-Beratung erstmals zugänglich für Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung, erläutert Projektleiterin Nicole Genandt. Das Konzept beruht auf dem Ressourcenansatz und  sieht Menschen mit Beeinträchtigung als Experten in eigener Sache. Bisher wird Peer-Beratung überwiegend für Menschen mit Körperbehinderung angeboten.

Das von Aktion Mensch und der Software AG Stiftung geförderte Projekt läuft noch bis Ende September 2018. Es soll auch andere Träger sensibilisieren, Peer Beratung als ergänzendes Beratungsangebot zu implementieren.

Text und Foto: Christiane Müller-Zurek/Lebenshilfe Berlin

(rs)

Datum, 11 | 07 | 2017