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Behinderte Menschen brauchen spezielle Hilfe

Assistenz kann lebensnotwendig sein – sie wird aber nur teilweise finanziert

Demonstration für die Finanzierung von Assistenzdiensten. Foto: C. Dörner, ambulante DiensteViele behinderte Menschen brauchen auch während eines Krankenhausaufenthalts die Unterstützung einer Assistenzkraft. Diese wird aber nur teilweise, meist jedoch gar nicht finanziert.

Erhöhter Hilfebedarf

Rückblick: Anfang des Jahres traten Pflegekräfte in den Streik. Sie wollen den „Horror auf Station“ nicht länger mitmachen und fordern mit einem Volksentscheid mehr Personal. Wenn schon die Versorgung der größtenteils nichtbehinderten Patientinnen und Patienten nicht adäquat gewährleistet werden kann, dann ist es wohl kaum möglich, den erhöhten Hilfebedarf von Menschen mit einer Behinderung abzudecken. Denn für sie ist die ständige Anwesenheit einer Person teilweise überlebenswichtig, etwa, wenn es ihnen nicht möglich ist, die Rufklingel zu bedienen. Geht es um eine schmerzfreie Lagerung oder um Einschränkungen in der verbalen Kommunikation, wird klar, dass hierfür eine mit der individuellen Behinderung vertraute Assistenzkraft erforderlich ist.

Finanzierung nur teilweise

Im Jahre 2009 wurde aufgrund der starken Lobbyarbeit von behinderten Menschen, die ihre Assistenzkräfte im sogenannten Arbeitgebermodell beschäftigen, das Gesetz zur Regelung des Assistenzpflegebedarfs im Krankenhaus verabschiedet. Es sieht vor, dass für diese Personengruppe die Finanzierung ihrer Assistenz im Krankenhaus gesichert ist. Für die weitaus größere Gruppe von Menschen mit Behinderung, die Kundinnen und Kunden eines Assistenzdienstes sind, fehlt dafür aber bis heute eine gesetzliche Grundlage.

Lücke im Pflegestärkungsgesetz

In Berlin gab es in den vergangenen beiden Jahren eine bundesweit einmalige Regelung, die vorsah, dass die Bezirksämter bei besonders stark eingeschränkten Kundinnen und Kunden der drei großen Berliner Assistenzdienste die notwendige Assistenz im Krankenhaus zumindest anteilig finanziert haben. Durch das Inkrafttreten der Pflegestärkungsgesetze im Januar 2017 konnte diese Regelung leider nicht aufrechterhalten werden.

Regelung auf Bundesebene nötig

Derzeit laufen auf Landesebene Gespräche mit dem für Gesundheit zuständigen Staatssekretär Boris Velter, der Krankenhausgesellschaft und den Krankenkassen. Um eine grundsätzliche Lösung für die Finanzierung der Assistenz im Krankenhaus zu finden, bedarf es jedoch einer Regelung auf Bundesebene. Als Anstoß dazu wäre eine Bundesratsinitiative des Landes Berlin sehr hilfreich.

Mehr zum Verein

Der Verein ambulante dienste e.V. möchte Menschen mit einer Behinderung ein selbstbestimmtes und selbstverantwortetes Leben ermöglichen. Mit etwa 100 Kunden und über 500 Mitarbeitenden ist ambulante Dienste e. V. einer der größten Anbieter von persönlicher Assistenz in Deutschland.

Zur Internetseite des Vereins:
www.adberlin.com

(aw)

Datum, 27 | 08 | 2018