Kiezreporter der Schulstation von Aufwind e.V. - Foto: Stefanie Lehmann Unionhilfswerk - Kindergartengruppe - Foto: Christiane Weidner Eine Breakdanceshow - Foto: Eberhard Auriga Kletterwald - Foto: Nachbarschaftsheim Schöne

Aus- und Weiterbildung im Bereich Bildung

Wo können sich pädagogische Fachkräfte beruflich weiterentwickeln? Wir stellen Angebote vor: vom Netzwerk über Fachschulen bis zur Akademie

Symbolbild: Studierende, Bezugslehrer und LOP (Lernort Praxis) reichen sich die Hände

Fachschulen für Sozialpädagogik sichern den Fachkräftebedarf

Derzeit gibt es zehn Fachschulen für Sozialpädagogik, die von Paritätischen Mitgliedsorganisationen betrieben werden. Sie bilden zur staatlich anerkannten Erzieherin beziehungsweise zum Erzieher aus. Die Träger dieser Fachschulen betreiben darüber hinaus weitere Einrichtungen der Jugendhilfe, so zum Beispiel Kindertagesstätten, Wohngruppen der erzieherischen Hilfen usw. 

Sie sind in der Mehrzahl aus dem Bedarf entstanden, die Anforderungen an personelle und fachliche Kompetenzen aus dem Tätigkeitsfeld zielgenau zu vermitteln. Dabei schaffen die Fachschulen den Studierenden ein gutes Lernumfeld und unterbreiten ihnen über den normalen Standard hinaus vertiefende Schwerpunkte, wie Inklusion, Diversity, Sprache, ästhetische Bildung, Theater- und Medienpädagogik. Dies macht die besondere Stärke dieser Schulen aus. 

Aufgrund des sich verschärfenden Fachkräftemangels – in den kommenden drei Jahren werden zum Beispiel etwa 5.300 zusätzliche Fachkräfte in den Kindertagesstätten Berlins benötigt – müssen erhebliche Anstrengungen unternommen werden, um potentielle Kräfte zu gewinnen. Es wird damit noch stärker als bisher notwendig sein, Ausbildungs- sowie Fort- und Weiterbildungskonzepte für die Beschäftigten in den pädagogischen Arbeitsfeldern berufsbegleitend zu entwickeln. 

Neben den Fachkräften benötigen die Quereinsteigenden in diesen Berufsfeldern eine Perspektive beim Erreichen formaler Berufsbildungsabschlüsse und von Zusatzqualifikationen für die berufliche sowie persönliche Weiterentwicklung. Eine dauerhafte Tätigkeit im Berufsfeld wird dadurch unterstützt. Die Träger der Fachschulen setzen dabei auf langfristige Berufsbildungs- und Bindungsstrategien für die Fachkräfte. 

Aus Sicht des Paritätischen ist es wichtig, dass sie so auch einer Segmentierung der pädagogischen Arbeit, in einerseits „wertvolle“ pädagogische (Bildungs-)Arbeit und andererseits „nicht so wichtige“ Aspekte des pädagogischen Handelns, etwa Assistenzen in der Betreuung, entgegen steuern. Assistenzkräfte haben so auch die Möglichkeit, sich fortzubilden und sich weiterzuentwickeln.

Der Fachkräftemangel in Berlin wäre heute deutlich höher, wenn die Fachschulen in freier Trägerschaft nicht frühzeitig reagiert und ihre Ausbildungsangebote entsprechend erweitert hätten.

Torsten Wischnewski-Ruschin, Referat Kinder und Kindertagesstätten/Schule

 

Netzwerk im Rahmen des Bundesprogramms Qualität vor Ort - „Gemeinsam die berufsbegleitende Ausbildung neu denken“

Der Paritätische hat zusammen mit Mitgliedsorganisationen im Herbst 2017 ein Netzwerk im Rahmen des Bundesprogramms „Qualität vor Ort“ initiiert. Das berlinweite Netzwerk bietet die einzige unabhängige Austauschplattform zwischen in der Ausbildung engagierten Trägern der Kinder- und Jugendhilfe, anerkannten Fachschulen und Studierenden an. Im Netzwerk engagieren sich regelmäßig 20 anerkannte Fachschulen und 30 Träger der Kinder- und Jugendhilfe. 

Zusammen mit all diesen Akteuren geht es darum ein gemeinsames Verständnis um die Bedeutung dieser berufsbegleitenden Ausbildung und deren Qualität zu entwickeln, die Zusammenarbeit zwischen den Lernorten zu stärken, neue Impulse zu finden und zu einer besseren Vernetzung miteinander zu kommen.

Das Programm Qualität vor Ort ist eine Gemeinschaftsaktion der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS), des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und der Jacobs Foundation. Es zielt darauf ab, die Qualitätsentwicklung in der frühen Bildung, Betreuung und Erziehung zu unterstützen und das Zusammenspiel wichtiger Partner zu stärken – damit alle Kinder in Deutschland gleiche Chancen haben und ihre Fähigkeiten und Talente voll entfalten können.

Zum Jahresende läuft das Bundesprogramm aus. Der Paritätische wird das Netzwerk ab 2019 weiterführen und gemeinsam mit den Netzwerkpartnern die Sicherstellung eines dauerhaften und regelmäßigen Austauschs zwischen Lernort Schule und Lernort Praxis, die Weiterentwicklung und Sicherung der Ausbildungsqualität sowie die Rückkopplung der Ergebnisse an die Politik weiterverfolgen.

Dorothee Thielen, Referat Kinder und Kindertagesstätten

Mehr über das Netzwerk finden Sie auf der Internetseite: www.qualitaet-vor-ort.org

 

Hochschule für angewandte Pädagogik

Bildung ist in unserer Gesellschaft kein Privileg mehr für wenige. Jedoch darf nicht übersehen werden, dass die soziale Herkunft, die Bildungsnähe oder Bildungsdistanz von Familien eine erhebliche Bedeutung hinsichtlich des Bildungserfolgs und des Berufswegs von Kindern und Jugendlichen entfalten.

Eine solide und abschlussorientierte schulische sowie berufliche Bildung sind hinreichende Bedingung für Jugendliche und junge Erwachsene, eine breite gesellschaftliche Teilhabe an der Gestaltung grundlegender demokratischer Prozesse und Entwicklungen zu verwirklichen. Zugleich trägt sie wesentlich zur individuellen existenziellen Sicherung der Befriedigung grundlegender Bedürfnisse bei. Sie ist eine der Grundlagen für Partizipation und Mitgestaltung einer kulturellen Vielfalt und somit unverzichtbarer Bestandteil unserer modernen Zivilgesellschaft.

Eine lebensbejahende Selbstverwirklichung, die Entfaltung und Entwicklung von Begabungen und Interessen sind eine Art verbindende Klammer, die alle Bildungsinstitutionen in ihrer übergreifenden gesellschaftlichen Funktion gleichermaßen anstreben und diese trotz spezifischer Zielstellungen eint.

Die Hochschule für angewandte Pädagogik (HSAP) stellt sich seit ihrer Gründung im Jahr 2013 einer doppelten Herausforderung. Einerseits bietet sie interessierten jungen Menschen Hilfen und Unterstützung bei ihrer Berufswahlentscheidung an, in einem sozialpädagogischen oder im Bereich der Sozialen Arbeit eine anspruchsvolle und zugleich sichere berufliche Perspektive zu finden. Andererseits leistet sie mit ihren Studienangeboten im Bereich der Sozialen Arbeit sowie der Kindheitspädagogik einen wichtigen Beitrag, die so dringend benötigten Fachkräfte in den unterschiedlichen Bildungsbereichen solide fachwissenschaftlich und zugleich praxisnah zu qualifizieren. 

Die von der HSAP gewählten Studienformen – duales und weiterführendes berufsbegleitendes Studium – ermöglichen es, dass das Erleben und die aktive Mitgestaltung sozialpädagogischer Prozesse beziehungsweise das Kennenlernen und die Gestaltung von Präventions-, Hilfe- und Unterstützungsmaßnahmen im Bereich der Sozialen Arbeit ein Organisations- und Gestaltungsgrundsatz der unterschiedlichen Studienangebote sind.

Die Studienangebote – "Sozialpädagogik mit dem Schwerpunkt Ganztagsschule“, ein neues, an den realen Bedarfen der Praxis ausgerichtetes Studium „Soziale Arbeit mit dem Schwerpunkt Kinder- und Jugendhilfe“ sowie Kindheitspädagogik – erfreuen sich einer wachsenden Nachfrage bei Studieninteressierten und Kooperationspartnern. Sie verknüpfen den Lernort Hochschule mit der Vielfalt beruflicher Erfahrungen am Lernort Praxis. Die Kooperationspartner gewährleisten die Voraussetzungen für die Entwicklung beruflicher Handlungskompetenzen und tragen somit wesentlich zum Studienerfolg bei.                                                                                                    

Mit dem Studienabschluss verfügen die Absolventen und Absolventinnen über einen berufsqualifizierenden akademischen Abschluss und erhalten eine dem Profil des Studiengangs entsprechende berufsrechtliche Anerkennung auf der Grundlage des Sozialberufe-Anerkennungsgesetzes im Land Berlin.

Prof. Dr. Joachim Hage, Präsident der Hochschule für angewandte Pädagogik

Mehr Informationen finden Sie auf der Internetseite der Hochschule für angewandte Pädagogik: www.hsap.de

 

Personalführung und Organisationsentwicklung  – Kurse an der Paritätischen Akademie Berlin

Vor einigen Jahren stellte man sich bei dem internationalen Marktforschungs- und Beratungsunternehmen Nielsen die Frage, was eigentlich aus den vielen Unternehmen geworden ist, die man über all die Jahre beraten hat. 

Wie nicht anders zu erwarten, waren einige davon sehr erfolgreich, andere entwickelten sich normal und wieder andere sind völlig vom Markt verschwunden. Aus der Frage warum das so war, entstand eine Meta-Studie, die zu einem letztendlich sehr einfachen Ergebnis kam. Wirklich entscheidend für Erfolg oder Misserfolg der Unternehmen war nicht, ob sie im Einzelhandel, in der Industrie oder im Dienstleistungs- und Mediensektor tätig waren. Ausschlaggebend für die Innovationsfähigkeit – und daraus abgeleitet den Erfolg – war vor allem die Art der Kommunikation zwischen den verschiedenen Hierarchieebenen und zwischen den Kolleginnen und Kollegen der gleichen Hierarchiestufe. 

Unternehmen in denen die Informationen zwischen den Kolleginnen und Kollegen der gleichen Ebene, aber auch zwischen den Vorgesetzten und den Mitarbeitenden, vor allem auch von unten nach oben, frei fließen konnten, waren im Durchschnitt am erfolgreichsten.

Davon ist auch der soziale Sektor nicht ausgenommen. Führungskräfte in der sozialen Arbeit stehen vor erheblichen neuen Anforderungen. Soziale Leistungen werden nicht mehr als Wert an sich gesehen, sondern müssen sich unter wirtschaftlichen Aspekten rechtfertigen. Gleichzeitig wird es immer schwieriger, geeignete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden und sie dann auch zu halten. 

Diesem Wandel versucht auch die Paritätische Akademie Berlin gerecht zu werden, um die Führungs- und Fachkräfte unserer Mitgliedsorganisationen zu unterstützen, weiterhin erfolgreich im Markt der sozialen Arbeit zu bestehen.

So gab es im Jahr 2018 viele Neuerungen in der Akademie. Wir haben unser Portfolio erweitert und verstärkt Fortbildungen in den Bereichen Organisationsentwicklung und Betriebswirtschaft aufgenommen, aber auch in den Bereichen Kommunikation und Führung. Dabei rücken Aspekte wie die Ausgestaltung von Hierarchie heute aussehen sollte, um den produktiven Informationsfluss zu fördern, oder die Frage nach dem Umgang mit unterschiedlichen Lebensmotiven der Mitarbeitenden in den Vordergrund. Wir bieten auch Seminare an, wie Führungskräfte ihre Mitarbeitenden kommunikativ am besten erreichen können.

Die aktive Gestaltung des Wandels in den Einrichtungen unterstützen wir durch ein verstärktes Angebot zum Transition- und Change-Management sowie zum professionellen Umgang mit daraus resultierenden Konflikten. 

Ein weiterer neuer Schwerpunkt ist das Thema Wirkungsorientierung, bei dem es darum geht, das Potenzial zu ermitteln, das soziale Organisationen für den angestrebten gesellschaftlichen Effekt besitzen.     

Neben den Seminaren, Zertifikatskursen und Studiengängen unterstützen wir auch verstärkt den fachlichen Austausch und die Vernetzung durch Fachforen, mehr dazu im Serviceteil hinten im Heft.

Rudi Thurner, Bildungsreferent an der Paritätischen Akademie Berlin

Das gesamte Bildungsangebot finden Sie unter: www.akademie.org

Weitere Beispiele finden Sie im RB 4/2018 

(rs)

Datum, 22 | 02 | 2019