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30 Jahre Kältehilfe - das ist kein Grund zum Feiern!

Paritätischer Wohlfahrtsverband Berlin zum Start der Kältehilfesaison am 1. Oktober 2019

Symbolfoto Obdachlosigkeit, Foto: José Manuel de Laá/Pixabay

Symbolfoto Obdachlosigkeit, Foto: José Manuel de Laá/Pixabay

Die Berliner Kältehilfe wurde 1989 auf Initiative von Berliner Kirchgemeinden und den Wohlfahrtsverbänden ins Leben gerufen, um obdachlosen Menschen eine unbürokratische Übernachtungsmöglichkeit während der kalten Jahreszeit zu bieten. Die Kältehilfe ist als „improvisierte Notlösung“ zur unmittelbaren Überlebenshilfe entstanden.

Auch heute, im Jahr 2019, ist die Kältehilfe als Nothilfe für auf der Straße lebende Menschen ein überlebenswichtiges Angebot.

Anlässlich des 30jährigen Jubiläums würdigt die Geschäftsführerin des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Berlin, Dr. Gabriele Schlimper, die Leistungen der Kältehilfe:
„30 Jahre Kältehilfe spiegeln das unermüdliche und großartige Engagement vieler Ehrenamtlicher wider. Sie sorgen dafür, dass obdachlose Frauen, Männer und auch Familien mit Kindern in den kalten Monaten einen sicheren Schlafplatz und etwas zum Essen haben. Ganz herzlichen Dank dafür! Gleichzeitig sehen wir, dass die Not nicht geringer geworden ist, im Gegenteil. Wir brauchen dringend mehr Wohnungen, gerade für die, die unsere besondere Hilfe benötigen. Wir sehen das Land Berlin in der Pflicht, dafür zu sorgen, dass ausreichend preiswerter Wohnraum gebaut wird.“

Laut Schätzungen der LIGA der Freien Wohlfahrtsverbände leben in Berlin zwischen 6.000 und 8.000 Menschen obdachlos auf der Straße. Etwa 40.000 Menschen sind ordnungsrechtlich in Unterkünften untergebracht. Dem steht das Recht auf Wohnen, das bereits 1948 in der UN-Charta der Menschenrechte und in der Berliner Verfassung verankert ist, gegenüber: „Jeder Mensch hat das Recht auf angemessenen Wohnraum.“ (Art. 28 Berliner Verfassung)

Betrachtet man die Entwicklungen auf dem angespannten Berliner Wohnungsmarkt ist zu erwarten, dass die Zahl der Menschen in Wohnungsnotfallsituationen weiter ansteigen wird. Immer mehr Menschen in Berlin sind von Wohnungsverlust bedroht, sie leben in prekären Wohnsituationen oder leben bereits schutzlos, ohne ein Dach über dem Kopf auf der Straße. Viele Unterkünfte, Wohnheime und Notschlafplätze sind überfüllt.
Der Paritätische Wohlfahrtsverband Berlin fordert zur Prävention von Wohnungsnotfällen:
•    ein Frühwarnsystem, das vor dem Verlust der Wohnung greift
•    die Umsetzung des Fachstellenkonzeptes
•    keine Zwangsräumungen von besonders gefährdeten Zielgruppen
•    die Umsetzung der Hilfen zur Überwindung besonderer sozialer Schwierigkeiten nach §§ 67 ff SGB XII

Zur Verbesserung der Situation bereits obdachloser Menschen fordert der Paritätische Wohlfahrtsverband Berlin:
•    Wohnungen für wohnungslose Menschen
•    keine Verdrängung und unangekündigte Räumung von öffentlichen Plätzen
•    den Ausbau von streetwork (multilingual) an Brennpunkten
•    die auskömmliche Finanzierung von Wohnungslosentagesstätten zum Tagesaufenthalt
•    den Ausbau der ganzjährigen Notübernachtung auch für spezifische Zielgruppen
•    Umsetzung des Rechtsanspruches zur Unterbringung auch von EU-Bürgerinnen, EU-Bürgern

Die Kältehilfe ist in den vergangenen Jahren immer mehr zum Rettungsanker für die Menschen geworden, die woanders nur schlecht oder keine Hilfe finden. Menschen mit chronischen und massiven psychischen Erkrankungen, Suchterkrankungen, körperlichen Beeinträchtigungen, mit Sprachbarrieren und erheblichen Teilhabeschwierigkeiten stranden in der Kältehilfe. Es muss unser gemeinschaftliches Ziel sein, nicht das Notsystem zu stärken, sondern für wohnungslose Menschen Wohnungen zur Verfügung zu stellen und die Zugangsbarrieren der gesundheitlichen und medizinischen Hilfesysteme zu verringern.

(aw)

Datum, 01 | 10 | 2019