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10 Jahre Stop Stalking

Alles bleibt, und zwar anders!

Im Gespräch bei 10 Jahre Stop Stalking!; Foto: Michael Wilberg

Unter diesem Motto feierte die Anlauf- und Beratungsstelle „Stop Stalking“ des KUB e.V. (Krisen- und Beratungsdienst e.V.) am 3. Mai im Louise-Schröder-Saal des Roten Rathauses gemeinsam mit zahlreichen Gästen aus der Berliner Politik und Verwaltung und mit Netzwerkpartnern ihr zehnjähriges Jubiläum.   

Wie der Leiter der Beratungsstelle, Wolf Ortiz-Müller, in seiner Begrüßung berichtete,  nehmen jährlich etwa 1.000 stalkende und  2.000 von Stalking betroffene Menschen das Angebot von „Stop Stalking“ in Anspruch. Nicht zuletzt aus dem im Februar 2018 in Deutschland in Kraft getretenen  Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt („Istanbul Konvention“) ergäben sich weitreichende Verpflichtungen der Mitgliedsstaaten zur Unterstützung von Menschen, die Opfer von Gewalt geworden sind.

Ziel müsse es daher sein, zukünftig noch mehr Betroffene so früh wie möglich zu erreichen, und ihnen die passende Unterstützung anzubieten. Herr Ortiz-Müller verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass sich mehrere Berliner Opferhilfeeinrichtungen zusammengeschlossen haben, um gemeinsam mit der Polizei den pro-aktiven Ansatz der Kontaktaufnahme zu Betroffenen von Straftaten umzusetzen.   

Dr. Dirk Behrendt, Senator für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung, gratulierte im Namen des Landes zum Jubiläum und betonte, dass Berlin stolz auf eine solch qualifizierte Beratungsstelle sein könne. Er machte in seinem Grußwort auf die im vergangenen Jahr geänderte Gesetzeslage aufmerksam, wonach das Strafrecht nun schon eingreife, bevor ein Stalker oder eine Stalkerin das gewohnte Leben der betroffenen Menschen zerstört habe. Obwohl es noch zu früh sei, um die Auswirkungen dieser Gesetzesänderungen einschätzen zu können, sicherte der Senator zu, die Entwicklungen im Bereich Stalking sehr genau zu verfolgen und „Stop Stalking“ auch weiterhin zu unterstützen.     

„Erst wenn die Täter aufhören, sind die Opfer nachhaltig geschützt“ 

Wolfram Pemp, Landespräventionsbeauftragter der Polizei Berlin und Leiter der Zentralstelle Prävention im LKA richtete die Grüße und Glückwünsche von Barbara Slowik, der neuen Berliner Polizeipräsidentin Berlins, aus. Er bekräftigte, dass mit einer qualifizierten Beratung von Täterinnen und Tätern zukünftige Taten verhindert werden können, was erheblich zu einem effektiven  Opferschutz beitrage. 

Das Thema Stalking habe bei der Berliner Polizei einen hohen Stellenwert. Wolfram Pempf richtete das Augenmerk zudem auf den speziellen Bereich des Cyberstalking, welches ein neues Handlungsfeld sowohl für die Beratungseinrichtungen als auch für die zuständigen Behörden sei. Im gemeinsamen Kampf gegen Stalking, so versicherte er, sei die Berliner Polizei auch in Zukunft ein verlässlicher Partner.

Auch Roland Weber, der Opferbeauftragte des Landes Berlin, zählte zu den Gratulanten.  Er würdigte die hohe Professionalität von Stop Stalking und wies gleichzeitig darauf hin, dass noch zu viele Menschen, die von Stalking betroffenen sind, nicht von der Existenz dieses Angebotes wissen. Obwohl das Gesetz vorsehe, dass Geschädigte  von Straftaten über die vorhandenen Unterstützungsangebote zu informieren sind, könne die Polizei unter den derzeitigen Voraussetzungen lediglich allgemeinere Informationen weiter geben.

Ebenso wie eingangs Wolf Ortiz Müller, warb der Opferbeauftragte für eine pro-aktive Herangehensweise an die Betroffenen, indem sie unter der Voraussetzung ihres  Einverständnisses von den Hilfseinrichtungen mit einem entsprechenden Angebot kontaktiert werden. 

Inspiriert zeigte sich Herr Weber nicht zuletzt durch die Ergebnisse der europäischen Studienreisen der Paritätischen Mitgliedsorganisationen der Straffälligen- und Opferhilfe:  So werden beispielsweise in Nordirland durch das pro-aktive Vorgehen 70 und in den Niederlanden sogar 80 Prozent der Geschädigten einer Straftat erreicht, wohingegen in Berlin derzeit lediglich 10 Prozent der Betroffenen ein entsprechendes Hilfsangebot in Anspruch nehmen.

Ermutigend seien jedoch die aktuellen Entwicklungen im Hinblick auf die Einrichtung einer zentralen Anlaufstelle für die Opfer von Terror, in der der pro-aktive Ansatz bereits praktiziert werden solle. Wünschenswert sei es, dass die dortigen Erfahrungen zu einer flächendeckenden Umsetzung beitragen werden.

10 Jahre Stop Stalking – aber wie?          

Diese Frage bildete die Überschrift für eine Podiumsdiskussion, an der die Mitarbeitenden von Stop Stalking beteiligt waren, um den anwesenden Gästen Einblicke in die Praxis  der vergangenen zehn Jahre zu gewähren. Dabei wurde deutlich, dass die Arbeit von Beginn an von einem starken Vernetzungsgedanken geprägt war, und dass sie ohne die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den zuständigen Strafverfolgungsbehörden und den vielen professionellen Opferunterstützungseinrichtungen in Berlin nicht möglich gewesen wäre. Zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter dieser Institutionen waren im Roten Rathaus dabei, um gemeinsam das zehnjährige Jubiläum der Beratungsstelle zu feiern.

(vb)

Datum, 07 | 05 | 2018