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Zusammenarbeit und Finanzierung verbessern

Kategorie: Aus dem Verband, Stellungnahmen, Schule

Positionspapier der im Paritätischen Wohlfahrtsverband Berlin organisierten Fachschulen für Sozialpädagogik

Seminar; Foto: pixabay.de

Seit längerer Zeit bauen die Fachschulen für Sozialpädagogik in freier Trägerschaft ihre Kapazitäten aus. Dabei handelt es sich in erster Linie um die berufsbegleitende Ausbildung, auch Teilzeitausbildung genannt. Der massive Ausbau der Kapazitäten ist aufgrund der Nachfrage nach Ausbildungsplätzen entstanden, den die öffentliche Schule nicht abdecken konnte oder wollte. Darüber hinaus waren einige Träger der Kindertagesbetreuung mit der Verzahnung des Lernortes Schule mit dem Lernort Praxis äußerst unzufrieden, sodass auch Fachschulgründungen in den vergangenen Jahren aus dem Trägerkreis der Kindertagesbetreuung erfolgten. Die gemeinnützigen Fachschulen sind in erster Linie gemeinnützige Organisationen, die entsprechend ihrer Satzungszwecke die Einnahmen verwenden müssen. Die Fachschulen in freier Trägerschaft erhalten zudem nur max. 93 % der Personalkosten finanziert. Sachkosten werden ihnen vom Land Berlin nicht erstattet. Daher sind sie strukturell gezwungen, Schulgeld zu verlangen, um ihre Gesamtkosten decken zu können. Das Schulgeld ist seiner Höhe nach festgelegt, da seit 2016 das Land Berlin durch einen festgelegten Schulgeldersatz das Schulgeld der Studierenden finanziert. Ob die Schule den Schulgeldersatz grundsätzlich annimmt, hat die Schule im Vorfeld zu entscheiden. Wir kennen unter dem Dach des Paritätischen keine Fachschulen für Sozialpädagogik, die diesem Verfahren nicht zugestimmt hat. Der Betrag  liegt derzeit für die vollschulische Ausbildung oder Vollzeitausbildung bei 115 Euro je Studierende/Monat und für die berufsbegleitende oder Teilzeitausbildung nach der neuen Verordnung bei 106 Euro je Studierende/Monat. Eine Anpassung, aufgrund der gestiegenen Lebenshaltungskosten seit der Einführung 2016, ist bisher nicht erfolgt. 

Wie viel tatsächlich ein öffentlicher Schulplatz an den Fachschulen für Sozialpädagogik kostet, wurde bisher nicht ermittelt. Zu vermuten ist, dass die öffentlichen Schulen besser ausgestattet sind als die Fachschulen in freier Trägerschaft. Der Paritätische vermutet, dass die Senatsbildungsverwaltung in den vergangenen Jahren die öffentlichen Fachschulen außergewöhnlich gut ausgestattet hat. Vermutlich geschah das in der Erwartung steigender Studierendenzahlen in der vollschulischen Ausbildung. 

Mit diesem Positionspapier wollen die im Paritätischen Wohlfahrtsverband Berlin organisierten Fachschulen für Sozialpädagogik auf Probleme in der Ausbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin/zum staatlich anerkannten Erzieher aufmerksam machen und gleichzeitig auf Lösungsmöglichkeiten hinweisen.

1.  Zusammenarbeit zwischen dem Lernort Schule und dem Lernort Praxis verbessern

Die Fachschulen in freier Trägerschaft haben in den vergangenen Jahren erheblich ihre Kapazitäten in der teilschulischen Ausbildung erhöht. Nahmen hier 861 Studierende im Schuljahr 2014/2015 die Ausbildung auf, so waren es zum Schuljahr 2017/2018 bereits 1.486 Studierende. 

Bei den Vollzeitstudierenden nahm die Anzahl der Personen, die das Studium begannen, von 978 im Schuljahr 2014/2015 auf 1.138 im Schuljahr 2017/2018 zu. In allen drei Jahrgängen befanden sich im Schuljahr 2017/2018 in den Fachschulen in freier Trägerschaft 5.768 Studierende und an den Fachschulen des öffentlichen Trägers 3.179 Studierende. In der Gesamtsumme also 8.974 Studierende in allen Studienjahren und an allen Schulen zusammen.

Mit Einführung des neuen Rahmenlehrplans zum Schuljahr 2016/2017 wurden die Ausbildungsinhalte auf die berufsrelevanten Kompetenzen hin orientiert. Damit wurde etwas verspätet die bundesweite Vergleichbarkeit der Ausbildung nunmehr auch in Berlin abgesichert. Auf der Seite der Praxisanleitung bzw. des Mentorings in den Berufspraktika bzw. der berufsbegleitenden Ausbildung hat das Land Berlin bisher kaum etwas unternommen, um die Fachpraxis hierüber zu informieren. Die Spitzenverbände der Wohlfahrtspflege und die Fachschulen haben diese neue Situation so gut es ging kommuniziert. Darüber hinaus fehlen in der Praxis ausgebildete Mentorinnen bzw. Praxisanleiter. Ressourcen stehen für die Abstimmung der Ausbildungsplanung, von Reflexionsgesprächen mit den Praxisstellen oder Auswertungen mit den Studierenden und der Praxisstelle seitens der Fachschulen für Sozialpädagogik kaum zur Verfügung. Das Bundesmodellprojekt Lernort Praxis hat in Berlin keine Verbreiterung oder Verstetigung gefunden, sodass die Studierenden manchmal auch sich selbst überlassen sind. Mit der Einführung der Zeit für Anleitung in den Kindertagesstätten ist ein großer Schritt zur Verbesserung der Situation getan worden. Dies gilt es jetzt zu flankieren und für weitere Arbeitsfelder des Erzieher- bzw. Erzieherinnenberufs nutzbar zu machen. Das Land Berlin hat in den vergangenen Jahren jährlich selber nur 10 Mentorinnen bzw. Praxisanleiterinnen landesweit am SFBB (Sozialpädagogisches Fortbildungsinstitut Berlin-Brandenburg) ausgebildet und das bei stark ansteigenden Ausbildungszahlen seit Jahren. Auf schätzungsweise 500  ausgebildete Mentoren und Mentorinnen in Berlin kommen derzeit jeweils rund 9.000 Studierende oder 18 Studierende je Mentor bzw. Mentorin.

Forderungen:

Nachdem die Zeit für Anleitung in Praxisstellen der Kitaträger für die berufsbegleitende Ausbildung gewährt wird (3 Wochenstunden im ersten Ausbildungsjahr, 2 Wochenstunden im zweiten Ausbildungsjahr und 1 Stunde im dritten Ausbildungsjahr), ist diese auch für die anderen Berufsfelder zu übertragen. Darunter insbesondere die ergänzende Förderung und Betreuung (Hort), die Eingliederungshilfe, die erzieherischen Hilfen, die Jugendarbeit, usw. Zur besseren Verzahnung der Lernorte Schule und Praxis, sind den Fachschulen je Studierenden mindestens 0,25 Wochenstunden einer Lehrkraft für die Begleitung der Studierenden in der Fachpraxis zur Verfügung zu stellen. Damit kann eine Verzahnung der Lerninhalte und ein Austausch mit den Einrichtungen erfolgen, in denen die praktische Ausbildung geleistet wird, und die Situation der Studierenden am Lernort Praxis angemessen begleitet werden. 

Darüber hinaus sollte das Land Berlin in den kommenden drei Jahren jährlich mindestens 200 Plätze für die Grundqualifizierung von Mentor*innen in Berlin an den Schulen in freier 

Trägerschaft fördern, da die Sozialpädagogische Fortbildungsstätte Berlin Brandenburg (sfbb) diese Anzahl nicht erbringen kann. Hierfür sollte vorab ein Grundkonzept des Mentorings bzw. der Praxisanleitung, mit den definierten personellen und fachlichen Kompetenzen durch die Träger der Kindertagesbetreuung und den Fachschulen für Sozialpädagogik, erstellt werden. Die vielen Studien der Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte (WiFF) und die entsprechenden Ergebnisse aus dem Bundesprogramm „Lernort Praxis“ sowie „Mehr Männer in die Kitas“ geben hier entsprechende Empfehlungen. 

Kontakt beim Paritätischen Wohlfahrtsverband Berlin:
Torsten Wischnewksi-Ruschin
Referent für Kinder und Kindertagesstätten/Schule
wischnewski-ruschin(at)paritaet-berlin.de
Tel: 030 86001-163

Datum, 21 | 01 | 2019