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Zu voll, zu laut, zu hektisch – Umfrage zum beitragsfreien Mittagessen erhöht Handlungsdruck

Pressemitteilung

Quelle: pixabay

Zum Schuljahr 2019/20 wurde in Berlin das kostenfreie Mittagessen für alle Schülerinnen und Schüler der Klassen 1 bis 6 eingeführt. Vier Monate nach der Einführung wollte das Bündnis Qualität im Ganztag die stadtweite Wirklichkeit zur Umsetzung des kostenfreien Mittagessens ergründen. Lehrkräfte, Erzieherinnen und Erzieher, Koordinierende Erziehende, Schulleitungen und auch Eltern waren aufgerufen, ihre Sicht der neuen Essenssituation darzustellen. An der Umfrage haben sich insgesamt 532 Menschen beteiligt.

Die Auswertung der Umfrage ergab, dass die Zahl der Essensteilnehmenden deutlich angestiegen ist. Die ermittelte Steigerungsrate liegt bei 58 Prozent. Schulleitungen und Koordinierende Erziehende geben die Steigerungen mit insgesamt 42 Prozent an. Die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie rechnete zu Beginn des Schuljahres mit einer Steigerungsrate von 11 Prozent. Die erhebliche Fehleinschätzung ist gleich an mehreren Stellen spürbar.

Fast 70 Prozent der Befragten stellen fest, dass die bereitgestellten Räume nicht den Ansprüchen einer pädagogisch wertvollen Essensituation entsprechen. Das hat eine Zunahme von Konflikten, Aggressivität, Anspannung bei den Kindern und eine Überlastung der Pädagoginnen und Pädagogen zur Folge.

75 Prozent der Befragten geben an, dass ihre Betreuungs- und Aufsichtszeiten ausgeweitet wurden. Hiervon sind Lehrkräfte und sozialpädagogische Fachkräfte betroffen. Die Ausweitung der Aufsichtszeiten geschieht jedoch größtenteils auf Kosten der Personalkontingente in der ergänzenden Förderung und Betreuung.

In der Folge spiegelt sich das auch in den Essenszeiten wider. 77 Prozent der Befragten geben eine Essenszeit für die Schülerinnen und Schüler von 5 bis 25 Minuten an, obwohl teilweise Hofpausen verkürzt wurden und das Essen verstärkt im Unterricht angeboten wird.

Eine erste Auswertung der Umfrage finden Sie hier: www.qualitaet-im-ganztag.de/downloads/blitzumfrage_schulmittag_191202.pdf

Roland Kern, Dachverband Berliner Kinder- und Schülerläden – DaKS: „Ein leckeres und in angenehmer Atmosphäre eingenommenes Mittagessen ist ein zentraler Bestandteil einer guten Ganztagsschule. Das kostenfreie Mittagessen darf aber nicht dazu führen, dass die pädagogische Arbeit im Ganztag leidet.“

Elvira Kriebel, Paritätischer Wohlfahrtsverband Berlin e.V.: „Die Ganztagsschule ist ein Lern- und Lebensort an dem die Kinder die meiste Zeit ihres Alltags verbringen. Dafür muss es Räume geben, die den vielfältigen Ansprüchen der kindlichen Entwicklung gerecht werden. Ein Raum kann nicht gleichzeitig NAWI Raum, Mensa und Entspannungsraum sein. Das ist absurd."

Doreen Siebernik, GEW BERLIN: „Die Kolleginnen und Kollegen müssen nach der Einführung des beitragsfreien Mittagessens noch mehr leisten als bisher. Zusätzliches Personal gibt es aber nicht. Die Arbeitsbedingungen sind damit noch schlechter geworden – das ist skandalös. Unsere Umfrage unter den Beschäftigten bestätigt: Es muss ganz schnell etwas passieren, der Ganztag braucht mehr Platz und mehr Personal!“

www.qualitaet-im-ganztag.de

Kontakt über:
Der Paritätische Wohlfahrtsverband Berlin, Elvira Kriebel, Tel. 030 860 01-166, kriebel(at)paritaet-berlin.de; GEW BERLIN, Ronny Fehler, Tel. 030 21 99 93-40, ronny-fehler(at)gew-berlin.de

(rs)

Datum, 04 | 12 | 2019