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„Vergissmeinnicht لا تنساني Unutmabeni" im Theater der Erfahrungen

Ältere Menschen unterschiedlicher Herkunft mit und ohne Demenz im Scheinwerferlicht

Alt zu werden kann heißen, vergesslich zu werden, sich nicht mehr zurechtzufinden in seiner Umgebung, zu vereinsamen. Das ist schwierig für jeden Menschen und noch sehr viel schwieriger für Menschen, die aus anderen Ländern zugewandert sind. Ihr Langzeitgedächtnis knüpft an Kindheits- und Jugenderinnerungen an, die hier in Deutschland nur wenige nachvollziehen können, das familiäre Umfeld ist oft in der alten Heimat und die sprachlichen Hürden verhindern Kontakte. Ältere Menschen aus anderen kulturellen Zusammenhängen mit Demenz ziehen sich sehr oft zurück und sind gesellschaftlich ganz wenig integriert.

Christine Roth, Theater der ErfahrungenDas hat zwei Ursachen, zum einen sind Menschen mit Migrationshintergrund im alltäglichen Zusammenleben häufig nicht gut eingebunden, und mit zunehmendem Alter vermindern sich ihre Partizipationschancen. Zum anderen führt die Krankheit Demenz sehr leicht in die Isolation, wenn nicht seitens der Angehörigen und des gesellschaftlichen Umfeldes entschieden gegengesteuert wird – zwei Tendenzen, die sich wechselseitig verstärken. Diese Notlage ist bisher nur in Umrissen bekannt, und es gibt nach unserem Kenntnisstand keine Angebote oder Maßnahmen im Sozialraum, ihr zu begegnen.

Um das zu ändern, hat sich das Theater der Erfahrungen zum Ziel gesetzt und sich in dem neuen Projekt „Vergissmeinnicht لا تنساني Unutmabeni“ mit weiteren Kooperationspartnern zusammengetan, um an Demenz erkrankte ältere Menschen mit Migrationshintergrund und nicht erkrankte ältere Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammenzubringen.

Dabei wurden zunächst der türkische Frauenladen KIDÖB, der arabische Frauenladen Al Nadi sowie der ehrenamtliche Besuchsdienst für die Zusammenarbeit mit dem Theater der Erfahrungen (alles Einrichtungen des Nachbarschaftsheim Schöneberg e.V.) gewonnen.

Gemeinsam soll älteren, an Demenz erkrankten, Menschen und nicht erkrankten älteren Menschen unterschiedlicher Herkunft ein Forum für regelmäßige Treffen mit Austausch und Spiel geboten werden. Darin können sie sich durch gemeinsames Theaterspiel kennen lernen und auch über unterschiedliche Sprachen und Kulturen hinweg Brücken schlagen. Mit ersten Ergebnissen werden sie an die lokale Öffentlichkeit gehen und so mit ihrem Auftreten um mehr Akzeptanz werben können.

Zu einem ersten Treffen kamen am 3. März 2016 im Kinder- und Jugendzentrum VD 13 ältere, an Demenz, erkrankte Menschen mit Migrationshintergrund und nicht erkrankte ältere Menschen unterschiedlicher Herkunft sowie mehrere ehrenamtliche Helferinnen und Helfern zusammen.

Danach folgen wöchentliche Treffen unter der Leitung Hülya Karcıs, bei denen es darum gehen wird, Sprachbarrieren zu überwinden und miteinander ins Spiel zu kommen. Durch gemeinsame Übungen und Stegreifaktionen wird in den Treffen allmählich die Scheu voreinander abgebaut und der Boden bereitet für die Erarbeitung eines kleinen Programms. 

Denn alle Teilnehmende – gesunde wie weniger gesunde – verfügen über einen reichhaltigen Erfahrungsschatz auf vielen unterschiedlichen Gebieten: Sie können oft singen, tanzen, malen, schneidern, trommeln, basteln; sie haben Humor, retten sich aus schwierigen Situationen mit Schlagfertigkeit, können hervorragend improvisieren, haben Freude am Verkleiden, genießen das Spiel im Scheinwerferlicht; sie kompensieren sprachliche Probleme und Erinnerungslücken mit gestischem oder musikalischen Einsatz. Ihre oft verborgenen und verschütteten Talente können wieder belebt und für die gemeinsame Arbeit genutzt werden.

Wenn alle Beteiligten sich ausreichend gut vorbereitet fühlen und das kleine Programm steht, kann es zu einer ersten öffentliche Aufführung kommen. Möglicherweise bietet auch die Veranstaltung „Theater und Kulturprojekte mit und über Menschen mit Demenz im Scheinwerferlicht“ am 1. November 2016 einen geeigneten Rahmen dafür.

Diese inzwischen schon mehrmals vom Theater der Erfahrungen organisierte Veranstaltung rund um die Frage ‚Passen Demenz und Kultur zusammen?‘ könnte dann zum ersten Mal auch an Demenz erkrankte Menschen mit Migrationshintergrund auf die Bühne bringen. So könnte ein größeres, unterschiedliche Sprachen sprechendes, Publikum erreicht und mehr Sensibilität für das Thema Demenz bei Menschen mit Migrationshintergrund geweckt werden. Während des gesamten Prozesses sollte die Theatergruppe offen bleiben, um auch neue Mitglieder aufzunehmen und mit diesen an einem erweiterten Programm zu arbeiten.

Eine filmische Dokumentation des Projekts "Vergissmeinnicht – Ältere Menschen unterschiedlicher Herkunft mit und ohne Demenz im Scheinwerferlicht" wird über die zweijährige Dauer erfolgen. Ziel ist es, mithilfe dieser Dokumentation das Projekt so weit wie möglich bekannt  zu machen und dadurch auch andere Menschen zu motivieren, ihre Ressourcen zu nutzen und sichtbar zu machen.

Mehr zum Projekt beim Theater der Erfahrungen unter 030 855 42 06, Ansprechpartnerin ist Hülya Karcı.

Das Theater der Erfahrungen finden Sie unter theater-der-erfahrungen.nbhs.de

Foto: Christine Roth, Theater der Erfahrungen

Datum, 02 | 03 | 2016