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Auftakt der 11. Aktionswoche für Kinder suchtkranker Eltern

Den „vergessenen“ Kindern endlich die Unterstützung geben, die sie brauchen!

Pressekonferenz am 10. Februar 2020, Foto: Kathrin Zauter

Pressekonferenz am 10. Februar 2020, Foto: Kathrin Zauter

Etwa drei Millionen Kinder in Deutschland leben mit Eltern zusammen, die alkohol- oder drogenkrank sind. Doch obwohl dieses Problem jedes sechste Kind betrifft, gibt es in Deutschland immer noch zu wenige Hilfeangebote für sie.

Prof. Barbara John, Vorstandsvorsitzende Paritätischer Wohlfahrtsverband Berlin:
„Es ist wichtig, dass wir gerade die Kinder, die in Familien mit suchtkranken Eltern leben, nicht allein lassen. Sie brauchen dringend eine verlässliche Hilfe und unsere Unterstützung. Nur so können wir ihnen ermöglichen, später ein glückliches Leben zu führen. Denn diese Kinder tragen nicht nur eine große Bürde sondern selber ein hohes Risiko, suchtkrank zu werden.“

Auf einhellige Zustimmung stieß bei den Initiator/innen und Unterstützer/innen der Aktionswoche ein Statement der Bundesfamilienministerin. Franziska Giffey hatte sich jüngst in einem Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland für mehr Hilfen für suchtbelastete Familien und ihre Kinder ausgesprochen. „Das ist ein hoffnungsvolles Zeichen“, sagt Henning Mielke von der bundesweiten Interessenvertretung für Kinder aus Suchtfamilien, NACOA. „Allerdings reicht es nicht aus, den Kindern nur einen elternunabhängigen Anspruch auf Beratung einzuräumen, wie es jetzt vorgesehen ist. Wenn sie nicht anschließend in ein Unterstützungsangebot weitervermittelt werden, ist für die Kinder nicht viel gewonnen.“ An solchen Angeboten aber mangelt es in Deutschland.
Bundesweit gibt es nur ca. 200 spezialisierte Angebote für die drei Millionen betroffenen Kinder!

Von der 11. Aktionswoche ergeht daher die Aufforderung an den Deutschen Bundestag, die Finanzierung von Hilfeangeboten für Kinder suchtkranker Eltern auf eine solide gesetzliche Grundlage zu stellen und finanziell abzusichern! Dafür bedarf es einer konzertierten Aktion von Bund, Ländern und Gemeinden.
                              
Die 2020 anstehende Novellierung des Sozialgesetzbuches VIII (Kinder- und Jugendhilfe) ist hierfür die entscheidende Weichenstellung.

Als positives Beispiel ist die Förderung von Hilfeangeboten für Kinder suchtkranker Eltern in Berlin zu nennen. Nachdem es in der Hauptstadt in der Vergangenheit im Vergleich zu Bundesländern wie Baden-Württemberg oder Rheinland-Pfalz kaum Landesmittel für Projekte freier Träger gab, hat der Senat nun im Doppelhaushalt 2020/21 insgesamt eine halbe Million Euro zur Verfügung gestellt.
Hiervon sollen unter anderem Projekte der Träger vista gGmbH, Notdienst für Suchtmittelgefährdete und -abhängige e. V. und NACOA Deutschland e. V. gefördert werden.

Dazu Nina Pritszens, Geschäftsführerin bei vista gGmbH: „Es ist ganz wichtig, dass die betroffenen Kinder erleben, dass es nicht ihre Schuld ist, wenn die Eltern suchtkrank sind.“ Heike Drees, Referentin für Suchthilfe und Gesundheit beim Paritätischen Berlin ergänzt: „Wir müssen aus der Stigmatisierung von Menschen mit Suchtproblemen raus und ihnen dringend Hilfsangebote machen, insbesondere den Kindern. Dafür brauchen wir in Berlin eine langfristige Finanzierung.“

Die bundesweite Aktionswoche für Kinder aus Suchtfamilien (9. bis 15. Februar) startet mit einem umfangreichen Angebot von 120 Veranstaltungen in über 60 deutschen Städten. Viele davon sind Weiterbildungen für Fachkräfte.

Das Programm der Aktionswoche ist zu finden unter:
www.coa-aktionswoche.de
Zeitgleich finden Aktionswochen auch in den USA, Großbritannien, Schweden, der Schweiz und in Slowenien statt.

Die Pressemitteilung als PDF finden Sie hier.

Pressekontakte:

Henning Mielke
E-Mail: mielke(at)nacoa.de
Tel.: 030 35 12 24 30

Kathrin Zauter
E-Mail: zauter(at)paritaet-berlin.de
Tel. mobil: 0172 292 45 94

(aw)

Datum, 10 | 02 | 2020