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Schreiben und Lesen lernen – egal wann

Der Arbeitskreis Orientierungs- und Bildungshilfe bietet Alphabetisierungskurse

Symbolfoto mit Buchstaben. Foto: AOBAnalphabetismus existiert auch in Deutschland. Wenn Erwachsene nicht ausreichend lesen und schreiben können, hat das weitreichende Auswirkungen auf ihr Leben. Oft sind selbst dem direkten Umfeld der Betroffenen die Einschränkungen nicht bewusst, die Ängste der Menschen liegen teilweise jahrelang im Verborgenen, Vermeidungsstrategien bestimmen den Alltag. Lesen und Schreiben sind grundlegende Voraussetzungen für die Teilhabe am gesellschaftspolitischen Leben. Der Arbeitskreis Orientierungs- und Bildungshilfe e. V. (AOB) macht es sich seit 1977 zur Aufgabe, Menschen auf ihrem Weg zu mehr Lese- und Schreibkompetenz zu unterstützen.

7,5 Millionen Menschen können nur einzelne Wörter oder kurze Sätze lesen und schreiben

Das mediale Bewusstsein über das Thema Analphabetismus in Deutschland ist geprägt durch den Begriff des funktionalen Analphabetismus. Studien aus dem Jahr 2011 belegen, dass mehr als vierzehn Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung in Deutschland von funktionalem Analphabetismus betroffen sind. Das entspricht einer Größenordnung von 7,5 Millionen Menschen, die nur einzelne Wörter oder kurze Sätze lesen und schreiben können. Zusammenhängende Texte können nicht erfasst werden, funktionalen Analphabeten misslingt das Lesen schriftlicher Arbeitsanweisungen. Sehr oft sind Betroffene in Arbeitsbereichen tätig, die ohne Schrift auskommen oder sie sind gar nicht in das Erwerbsleben eingebunden.

Mehr als 13 Millionen Menschen schreiben und lesen sehr langsam oder fehlerhaft

Der AOB arbeitet mit einer zweiten großen Gruppe von Lernenden, die sich nicht unter dem Begriff des funktionalen Analphabetismus wiederfindet. Weitere fünfundzwanzig Prozent der erwerbstätigen Bevölkerung, also über 13 Millionen Menschen in Deutschland, schreiben und lesen sehr langsam und/oder fehlerhaft und die Rechtschreibung auf Grundschulniveau wird nicht hinreichend beherrscht. Schreiben und Lesen findet für diese Menschen oft unter Druck statt und ist mit negativen Gefühlen verbunden. Sehr oft hängt damit eine große Angst um den Verlust des Arbeitsplatzes zusammen.

AOB bietet Kurse für das Lesen- und Schreibenlernen auch neben dem Beruf

Grundlegend in der Arbeit des AOB ist die Idee, dass jede und jeder sich auf den Weg machen kann, um das Lesen und Schreiben von Grund auf zu lernen oder zu verbessern. Die Angebote des AOB richten sich speziell an Menschen, die mit dem Lesen- und Schreibenlernen schlechte Erfahrungen gemacht haben und nach neuen Formen und Möglichkeiten des Lernens suchen. Das Kursangebot ermöglicht und unterstützt das berufsbegleitende Lernen und geht auf konkrete berufliche Bedarfe der Lernenden ein. 

Persönliche Lernziele werden berücksichtigt

Die individuellen Lernprozesse werden durch regelmäßige Lerngespräche im Kurs und durch Einzelgespräche unterstützt. Durch begleitendes Lern-Coaching sowie psychosoziale Beratung werden die Voraussetzungen für den Einstieg in erfolgreiches und positives Lernen geschaffen. Die individuellen Zielsetzungen der Lernenden stehen auf diesem Weg im Mittelpunkt.

Verein sensibilisiert Öffentlichkeit für das Thema und will Verständnis schaffen

Ein weiteres zentrales Tätigkeitsfeld des AOB ist Sensibilisierungs- und Vernetzungsarbeit, um das Bewusstsein für Menschen mit Schreib- und Leseschwierigkeiten zu erweitern. Ein gesellschaftlicher Diskurs ist wichtig, um Betroffene zu erreichen und ein Verständnis dafür zu schaffen, wie es zu diesem Phänomen kommen kann und was es für Betroffene konkret bedeutet. Die aktive Mitgestaltung des gesellschaftlichen Umfelds ist für Menschen mit geringen Lese- und Schreibkompetenzen wesentlich erschwert. Der Zugang zu neuen Technologien steht nicht offen, die Teilhabemöglichkeiten am Arbeitsmarkt sind wesentlich eingeschränkt und der Zugang zu Aus- und Weiterbildung oft verhindert. Das fördert Ausgrenzung und bewirkt prekäre Lebensumstände.

Lesen und Schreiben fördern Teilhabe am öffentlichen Leben und auf dem Arbeitsmarkt

Grundbildung und Alphabetisierungsarbeit setzen einen wichtigen Grundstein für lebenslange Lernbiographien. Die konkreten Lernziele der einzelnen Lernenden führen auch zu Selbstermächtigung und Selbständigkeit. Sie fördern gleichzeitig sehr konkret die Teilhabe am öffentlichen Leben in all seinen Facetten. Grundbildung fokussiert auf soziale, demokratische, teilhabende und kritisch handlungsorientierte Dimension des Lebens.

Mehr Informationen finden Sie auf der Internetseite:

Birgit Lacheiner, Arbeitskreis Orientierungs- und Bildungshilfe e. V.

(aw)

Datum, 11 | 01 | 2019