Kinder- und Jugendhilfetag 2014 - Foto: Christiane Weidner Jugendliche bei der Pädalogik gGmbH - Foto: Martin Thoma

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Fünf Therapiehunde für den Tannenhof Berlin-Brandenburg

Die Sucht- und Kinderhilfe freut sich über die tierische Unterstützung

Der erste im sozialen Träger Tannenhof Berlin-Brandenburg in der Therapie eingesetzte Hund war Labrador-Retriever-Rüde Neo. Er begleitet schon seit 2015 den Jugend- und Heimerzieher Björn Kleinert zur täglichen Arbeit auf den Kinderhof Lichtenrade. Ein umgebauter Gutshof, der jetzt eine stationäre Wohngruppe und zwei Tagesgruppen beheimatet, in denen Kinder mit erhöhtem pädagogischem Förderbedarf, wie es in offizieller Amtssprache heißt, betreut werden.

Auch wenn die Ausbildung zum Therapiehund erst 2018 beendet wurde, hat Neo schon direkt nach dem ersten "Hallo" sagen, den Rang des heimlichen Kinderhof-Lieblings eingenommen. In Einzel- und Gruppengesprächen ist er dabei, bewegt sich aber auch frei auf dem Kinderhof. Neo sorgt für mehr Disziplin… ohne, dass Herr Kleinert Machtworte sprechen muss: „Neo ist Allergiker und die Kinder achten total darauf, dass er nichts zu essen bekommt, was im nicht bekommt. Sie erinnern und ermahnen sich – in anderen Situationen könnte so etwas eskalieren. Aber nicht, wenn der Hund die Begründung ist. Da greifen sich die Kinder nicht an.

Gerade im Umgang mit Kindern mit großen Verhaltensauffälligkeiten oder auch sehr aggressiven Verhalten, erkennt Neo Stimmungen bei den Kindern häufig sogar noch bevor diese frei raus brechen. Sind die Kinder sehr verschlossenen kann die bloße Nähe zum Hund entkrampfend und entspannend wirken, so dass das Eis zwischen Betreuer und Kind aufbrechen und ein Gespräch in Gang bringen.

Therapiehund Kalle – der neue Star in der tiergestützten Therapie in Schönbirken

Zwei Jahre nach Neo kam Mini Australian Shepherd Kalle im Sucht-Therapiezentrum Haus Schönbirken an. Nicht erst seit dessen Ankunft, sondern eigentlich schon immer fragt man sich dort, ob der Standort „nur“ eine Reha-Einrichtung ist oder schon ein kleiner Bauernhof. Sobald man das Gelände mit der denkmalgeschützten Villa, unweit vom malerischen Lindow gelegen, betritt, merkt und sieht man, dass dort Tiere eine große Rolle in der Betreuung von Suchtkranken spielen.

Esel Gustav, Therapie-Hühner, Mini-Schweine... alle werden in der Therapie eingesetzt und von den Rehabilitierenden vor Ort versorgt. Doch mit dem extra ausgebildeten Therapiehund Kalle wurde 2017 ein neuer Liebling ins Haus gebracht, dem 2021 Luna als weiterer Hund der Ergo- und Arbeitstherapeutin Anne Melzer folgte. Dass der Hund ihr die Arbeit gerade mit stark beeinträchtigten Rehabilitierenden erleichtert, berichtet auch die in der Therapiearbeit mit Tieren erfahrene Frau Melzer:
„Kalle ist wie eine Brücke zum Kontakt. Das ab und zu vorhandene Misstrauen mir gegenüber wird schneller abgebaut, wenn Kalle dabei ist. Er wird auch immer als Erstes begrüßt.“

First Lady Inu ist die erste im Träger eingesetzte Hündin

Seit Mai 2018 gibt es im Tannenhof-Adaptionshaus in Berlin-Buckow als neuen Kollegen den Sucht- und Verhaltenstherapeuten Benjamin Igel, der nicht nur das Labrador Border Collie Mischlingsweibchen Inu mitbrachte, sondern auch die Expertise seiner Bachelorarbeit über tiergestützte soziale Arbeit: Gerade Hunde haben oder entwickeln ein anderes Wahrnehmungsvermögen für die Schwingungen und Spannungen in Menschen. Sie können eine Gruppe zur Ruhe bringen, denn der Stresshormonspiegel wird durch anwesende Hunde nachweislich gesenkt.

Auch Inu ist in den Einzelgesprächen dabei und liegt häufig neben oder vor den Personen. Der wichtigste Effekt für Herrn Igel ist, dass die Atmosphäre zwischen Therapeut und Rehabilitierenden viel familiärer beziehungsweise entspannter wird und das Therapiesetting nicht so streng wirkt. Den Beweis dafür spürt auch er in seiner Arbeit: „Montags ist Inu nie da und die Gespräche laufen merklich unruhiger im Vergleich zu den anderen Tagen!“

Nach Hühnern jetzt auf den Hund gekommen – Lichtenrade und Tobi

In der Mozartstraße in Berlin Lichtenrade nahm vieles für den Tannenhof Berlin-Brandenburg seinen Anfang. Dort befindet sich noch immer das älteste Therapiezentrum „Der Tannenhof“, welches später auch dem Gesamtträger seinen Namen gab. Ende 2020 war es zunächst ein ganzer Schwung Federvieh, der für Aufsehen und Furore unter den Rehabilitierenden und Mitarbeitenden sorgte. Seit April 2021 gibt es aber auch dort weitere tierische Unterstützung. Der Labrador-Rüde Tobi kam gemeinsam mit Psychologin Laura Kraus neu ins dortige Team der Bezugstherapie.

Da die offizielle Ausbildung zum Therapiehund erst im April kommenden Jahres fertig ist, wird Tobi zwar bereits jetzt eingesetzt, kriegt aber noch keine aktiven Aufgaben. Er ist in Bezugsgruppen und Einzeltherapien dabei, die aktuelle Phase soll als Eingewöhnung gelten. Die Rolle und Bedeutung von tiergestützter Therapie – beispielsweise dem Therapeutischen Reiten – hatte Frau Kraus schon begleitend zu ihrem Psychologie Studium kennengelernt und so die großen Chancen für Betroffene beobachtet. „Tobi ist sehr achtsam, hat alles im Blick, ist sehr ruhig und lässt den Rehabilitand*innen Zeit und Abstand. Er ist fast so was wie ein Co-Therapeut für mich.“ stellt Frau Kraus dabei fest.

Neo, Kalle, Luna, Inu und Tobi

Ein Träger, vier Standorte, fünf Hunde… und alle verbindet, dass die Tiere den Menschen helfen Ängste besser zu lösen, mit Aggressionen besser umzugehen und Suchtprobleme besser in den Griff zu kriegen.

Weitere Informationen zum Tannenhof Berlin-Brandenburg finden Sie hier.

(ik)

Datum, 26 | 07 | 2021