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„Bei der speziellen ambulanten Palliativversorgung arbeiten Ärzte und Pflegedienste eng zusammen“

Fünf Fragen an: Simona Blankenburg, Geschäftsführerin von Home Care Berlin e. V.

Simona BlankenburgIst sicher, dass ein Mensch in der nächsten Zeit stirbt, wollen er und seine Angehörigen bestmöglich beraten und behandelt werden. Dabei soll die spezielle ambulante Palliativversorgung (SAPV) helfen. Arzt und Pflege stimmen ihre Handlungen hierbei detailliert ab. Einen Einblick gibt Simona Blankenburg, Geschäftsführerin von Home Care Berlin e. V. Pflege wie Ärzte treten dem Vertrag zwischen Home Care, der KV, dem Berliner Aktionsbündnis Ambulante Palliativpflege e. V. und den Krankenkassen bei. Die Ärzte kooperieren etwa mit dem Palliativ-Team SAPV des Unionhilfswerks. Der dortige Pflegedienstleiter Sebastian Loh führte das Interview mit Simona Blankenburg.

Was genau ist die SAPV? 

Eine enge Zusammenarbeit von Arzt, Pflege und anderen Professionen. Das sind etwa Physiotherapeuten, Sozialarbeiter und oder Seelsorger. Die SAPV kann verordnet werden bei einer nicht heilbaren, weit fortgeschrittenen und unheilbaren Erkrankung mit einem komplexen Symptomgeschehen. Nur einige Symptome, bei denen eine SAPV indiziert sein kann: bei ausgeprägten Schmerzen; bei neurologischer, psychiatrischer oder und psychischer Symptomatik; bei ausgeprägter respiratorischer oder kardialer Symptomatik und bei bestimmten ausgeprägten Tumoren.

Wie ist sie im Detail organisiert, wer übernimmt was? 

Bundesweit ist die SAPV unterschiedlich organisiert. In den meisten Bundesländern gibt es SAPV-Teams, das heißt, ein Koordinator regelt die Einsätze des multiprofessionellen Teams und rechnet die Leistungen mit der Krankenkasse ab. In Berlin gibt es keine solchen Teams. Der SAPV-verordnende Arzt koordiniert die Versorgung des Patienten und entscheidet, wer mit in die Betreuung des Patienten einbezogen wird. Auch umgekehrt ist es möglich, dass Pflegedienste einen Arzt anfragen. Die Pflegedienste haben umfangreiche Koordinationsaufgaben, und halten engen Kontakt zum Arzt, Hospizdiensten, Physiotherapeuten und weiteren an der Versorgung beteiligten. In wöchentlichen Fallbesprechungen tauschen sich Pflege und Arzt eng aus. Darüber hinaus besteht häufig mehrmals am Tag telefonischer Kontakt. Die Abrechnung der Leistung erfolgt durch Pflege und Arzt in eigener Verantwortung.

Wo sehen Sie die Vorteile in Abgrenzung zum Hospiz? Wann ist ein Hospiz geeignet, wann die SAPV?

Sterbende, die aufgrund ihrer häuslichen Situation nicht in der SAPV versorgt werden können, sind in einem stationären Hospiz besser aufgehoben. Dabei geht es in den meisten Fällen nicht um die ärztliche oder pflegerische Versorgung, sondern um eine Überforderung der Angehörigen oder um Allleinstehende.

Was klappt bei der SAPV gut, was sind die Vorteile dieses Angebots?

Die spezialisierte ambulante Palliativversorgung zeichnet aus, dass sowohl die Ärzte, als auch die Pflegedienste in 24-Stunden-Rufbereitschaft sind. Dadurch kann in Krisensituation vom Sterbenden und seinen Angehörigen jederzeit eine Unterstützung angefordert werden mit dem Ziel einer bestmöglichen Symptomlastlinderung und Sicherung der Lebensqualität. 

Was könnte in den Abläufen oder der Zusammenarbeit noch verbessert werden?

In Berlin reicht die Kapazität der Ärzte und Pflegedienste nicht aus, um alle Patienten in der SAPV zu versorgen. Es besteht großer Mangel an qualifiziertem Personal, ganz besonders in der Pflege, hier ist der Pflegenotstand in aller Munde. Wir hoffen, dass die Politik Wort hält und hier Lösungen herbeiführt. Nicht zuletzt sind aber auch die Krankenkassen in der Verantwortung die Leistungen so zu vergüten, dass es den Anbietern möglich ist, die Fachpflegekräfte besser zu bezahlen.

Mehr über die Arbeit von Home Care Berlin e.V. finden Sie unter:
www.homecareberlin.de

Mehr über die Arbeit des Palliativ-Team SAPV vom Unionhilfswerk Ambulante Dienste gGmbH erfahren Sie hier:
www.unionhilfswerk.de/de/angebote/pflege/ambulante-pflegedienste.html

(aw)

Datum, 20 | 08 | 2018