Mehr als eine WG
Die Super 8, das ist eine Wohngemeinschaft in Lichtenrade, in der Menschen mit und ohne Beeinträchtigung zusammenleben. Was zunächst wie eine klassische Wohngemeinschaft wirkt, ist ein Wohnprojekt des Vereins Gemeinsam wohnen Berlin und der Wajekama Stiftung, das Selbstständigkeit, Gemeinschaft und Inklusion im Alltag verbindet. An einem warmen Nachmittag im August mache ich mich auf den Weg ganz in den Süden von Berlin, nach Lichtenrade, denn ich habe die Möglichkeit, die Super 8 kennenzulernen.
Für diesen Artikel fahre ich in die Super 8 WG nach Lichtenrade. Als ich an der S-Bahn-Station aussteige, weiß ich noch nicht so recht, was mich erwartet. In diesem Teil Berlins war ich noch nie. Ich hatte mit einem ruhigen Kiez gerechnet. Stattdessen lande ich mitten im Lichtenrader Revier, einem neuen, autofreien Stadtquartier, das bezahlbaren Wohnraum mit Kultur-, Bildungs- und Nachbarschaftsangeboten verbindet, und bin überrascht, wie viel hier los ist.
Zwischen den Wohnhäusern gibt es Geschäfte, Cafés und einen großen, belebten Platz mit Bänken. Zum Revier gehört ein Wohnkomplex mit rund 200 Mietwohnungen, darunter auch eine Demenz-WG, ein Schwimmbad und eine Sauna. Es gibt inklusive Tanzkurse und Stadtteilspaziergänge. In der Alten Mälzerei, einem ehemaligen Fabrikgebäude, befinden sich eine Bibliothek, ein Café und die Volkshochschule.
Ein paar Minuten später stehe ich vor der Super 8 und werde von Maja in Empfang genommen. Maja ist 22 Jahre alt und vor rund anderthalb Jahren in die WG eingezogen.
Eine WG wie jede andere?
Drinnen ist es gemütlich. Pflanzen stehen auf dem Balkon, es gibt einen großen Esstisch, bunte Bilder hängen an den Wänden, Wäsche hängt zum Trocknen und im Wohnzimmer gibt es eine gemütliche Sitzecke. Auf einem Board wird festgehalten, was eingekauft werden muss, in der Küche hängt ein Putzplan. Eigentlich sieht es hier genauso aus wie in einer regulären Wohngemeinschaft.
Acht Menschen leben hier zusammen: vier Menschen mit Beeinträchtigung und Unterstützungsbedarf und vier Menschen ohne. Dennis, der pädagogische Leiter der WG, erklärt mir, dass diese Begriffe bewusst gewählt sind: Die Menschen mit Unterstützungsbedarf werden Bewohner*innen genannt, die Menschen ohne Unterstützungsbedarf Mitbewohner*innen. Dennis und weitere Assistenzkräfte wohnen nicht in der Super 8, unterstützen die Bewohner*innen dort bei allem, bei dem sie Hilfe benötigen. Dabei geht es nicht darum, ihnen möglichst viele Aufgaben abzunehmen. Im Gegenteil: Ziel ist es, dass sie möglichst viel selbstständig übernehmen können.
Auch sonst funktioniert hier vieles wie in einer klassischen WG. Es gibt Gemeinschaftsräume, eigene Zimmer und Aufgaben, die untereinander aufgeteilt werden. Eingekauft, gekocht und aufgeräumt wird in der Regel gemeinsam. Assistenzkräfte unterstützen die WG bei diesen alltäglichen Dingen.
Bevor ich das alles genauer erfahre, bekomme ich eine kleine Führung durch das Revier.
Von der Gemeinschaftsterrasse bis zum Waschraum
Lili, eine der Mitbewohnerinnen, zeigt mir die Terrasse und den Waschraum. Dabei erzählt sie mir von Maja. Heute kümmert sich Maja dort selbstständig um ihre Wäsche. Sie kennt die Automaten und kann sie allein bedienen. Das war nicht immer so. Für Lili ist das ein Beispiel dafür, was sich durch das Wohnen in der WG konkret verändern kann. Selbstständigkeit entsteht hier nicht plötzlich, sondern Schritt für Schritt im Alltag.