Zuwendung geben, Rückhalt erfahren
Im Herbst 2024 begegnen sich Frank Ewers und Rebecca Jennerjahn zum ersten Mal. Beide erinnern sich noch gut an diesen Moment. Rebecca Jennerjarhn hatte die Björn Schulz Stiftung kontaktiert, nachdem sie bei ihrer Suche nach einem Ehrenamt auf den Bereich Kinderhospizarbeit gestoßen war. Ewers ist in der Stiftung seit über acht Jahren für das Ehrenamtsmanagement verantwortlich und führt die ersten Gespräche mit Menschen, die sich engagieren wollen.
„In mir schlummerte schon länger der Gedanke, mein Leben nicht nur meinem Job zu widmen“, erinnert sich Rebecca Jennerjahn. „Ich war lange in der Unternehmensberatung tätig – ein großer Zeitfresser! Es war mir wichtig, einen Ausgleich zu finden und etwas zu tun, was für mich und andere eine Bereicherung sein kann.“ Auf die Möglichkeit, sich in der Kinder- und Jugendhospizarbeit zu engagieren, stößt sie eher zufällig: Beiträge von Ehrenamtlichen tauchen in ihrem Feed auf. Sie beginnt zu recherchieren – und entdeckt schließlich die Björn Schulz Stiftung.
Schon nach dem ersten Gespräch, in dem Frank Ewers Rebecca Jennerjahn erzählt, wie die Stiftung arbeitet und in welchen Bereichen sie sich engagieren kann, ist für sie klar: Sie möchte im Sonnenhof unterstützen, dem Hospiz für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene.
Bevor es für Rebecca Jennerjahn losgeht, durchläuft sie eine umfassende Vorbereitung. In Theorie- und Praxisschulungen lernt sie, was Kinder- und Jugendhospizarbeit bedeutet, welche Bedürfnisse die Gäste – die erkrankten Menschen, aber auch ihre An- und Zugehörigen – im Sonnenhof haben und wie sie ihnen begegnen kann. An die Vorbereitungsseminare schließt sich eine Hospitation an. Für Frank Ewers ist diese strukturierte und sorgsame Heranführung entscheidend: „Dass unsere Ehrenamtlichen gut vorbereitet sind auf das, was sie erwartet, gibt sowohl ihnen als auch uns Sicherheit.“
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Ehrenamt im ambulanten Kinderhospizdienst
Ihren ersten Tag im Sonnenhof hat Jennerjahn noch genau vor Augen: die Aufregung, die Neugierde, die leise Unsicherheit. „Ich bin kein Mensch mit großen Berührungsängsten. Aber ich habe mich schon gefragt: Was unternehme ich mit den Kindern? Vorlesen? Spielen? Singen?“, erzählt sie. „Und dann habe ich gemerkt: Es ergibt sich einfach.“ Rebecca Jennerjahn stellt schnell fest, dass jeder Tag anders ist, jede Begegnung neu. Es kommt nicht auf perfekt durchgeplante Aktivitäten an, sondern auf spontane Gesten und die Bereitschaft, mit anzupacken. Das fordere Flexibilität und nehme gleichzeitig den Druck raus, sagt sie. Langweilig werde es außerdem nie.
Möglichkeiten, einen schönen Tag zu verbringen, gibt es im Sonnenhof reichlich: ein Raum zum Musizieren, ein Bewegungsraum, ein großer Garten mit Spielplatz, ein Bällebad und den sogenannten Snoezelenraum, der mit Lichtinstallationen, leiser Musik und Wasserbett eine beruhigende Atmosphäre schafft.
Viele seien überrascht, wenn sie zum ersten Mal im Sonnenhof sind – zum Beispiel zu einer der Veranstaltungen, für die die Björn Schulz Stiftung ihre Türen für die Nachbarschaft und andere Interessierte öffnet. „Die meisten stellen sich einen Ort der Stille und der Schwere vor, wenn sie an ein Hospiz denken“, erzählt Frank Ewers. Der Sonnenhof hingegen strahlt Lebendigkeit aus: Die Räume sind lichtdurchflutet, die Wände bunt bemalt, es finden sich gemütliche Sitzecken. „Wir wollen einen Ort schaffen, an dem unsere Gäste Freude und Teilhabe erleben“, so Ewers.
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Kinder- und Jugendhospiz vs. Erwachsenenhospiz
Rebecca Jennerjahn geht hier inzwischen regelmäßig ein und aus. Ein paar Mal im Monat ist sie im Sonnenhof, spielt mit den Kindern, liest vor, begleitet Spaziergänge oder hilft beim Abendessen. Dabei erlebt sie viele schöne Momente. Zum Beispiel, wenn Gäste, die sich kaum artikulieren können, plötzlich über das ganze Gesicht grinsen und sich dann vor Lachen nicht mehr einkriegen. Manchmal, sagt sie, gehe es einfach nur darum, da zu sein. „Präsent sein – das ist oft das Wichtigste.“
Gerade darin liegt die besondere Rolle der Ehrenamtlichen. Wobei eine klare Rollenverteilung der Björn Schulz Stiftung wichtig ist: Ehrenamtliche ersetzen keine Fachkräfte, sondern ergänzen deren Arbeit. Während Pflegekräfte, Pädagog*innen, Therapeut*innen und Sozialarbeiter*innen viele Aufgaben gleichzeitig im Blick behalten müssen, können Ehrenamtliche ihre Aufmerksamkeit ganz einem Gast widmen.
Damit das gut gelingt, braucht es klare Strukturen und vor allem verlässlichen Rückhalt. „Bei uns ist niemand allein mit einem Kind“, betont Ewers. „Es ist immer eine Fachkraft in der Nähe, ansprechbar und unterstützend.“
Diesen Rückhalt erfährt auch Rebecca Jennerjahn sehr deutlich. „Es wird immer darauf geachtet, wie es mir geht“, sagt sie. „Die Kolleg*innen fragen nach, sie ermutigen mich, ehrlich zu sagen, wenn mir etwas zu viel ist.“ Das helfe ihr auch dabei, ihre eigenen Grenzen zu reflektieren. Gerade in einem Umfeld, das emotional fordernd sein kann, ist das für sie zentral.
Denn Rebecca Jennerjahn erlebt auch Situationen, die nachwirken. Besonders eindrücklich erinnert sie sich an ein Kind, das erst ein paar Monate auf der Welt war, als es im Sonnenhof aufgenommen worden ist – ohne seine Eltern. „Das hat mich sehr beschäftigt“, erinnert sie sich. Was ihr half, war der Austausch im Team und mit Menschen in ihrem privaten Umfeld. „Darüber zu sprechen, ist wichtig.“
Niemand bleibt mit seinen Eindrücken allein.
Im Sonnenhof ist dieser Austausch fest verankert. Ehrenamtliche können sich jederzeit an hauptamtliche Mitarbeitende wenden. Bei Bedarf werden Supervisionen oder Einzelgespräche organisiert. Zusätzlich entstehen viele Gelegenheiten für informelle Gespräche – bei Festen, gemeinsamen Veranstaltungen oder einfach zwischendurch. „Niemand bleibt mit seinen Eindrücken allein“, sagt Frank Ewers.
Neben Rebecca Jennerjahn sind 20 weitere Ehrenamtliche im Sonnenhof aktiv. Die meisten kommen regelmäßig und bleiben über viele Jahre hinweg dabei. Frank Ewers ist sich sicher, dass das auch an der sorgsamen Vorbereitung und vertrauensvollen Begleitung der Ehrenamtlichen liegt. Für ihn ist entscheidend, dass freiwilliges Engagement nicht „nebenbei mitläuft“, sondern professionell und wertschätzend organisiert wird. „Unsere Ehrenamtlichen sind nicht jeden Tag im Haus – umso wichtiger ist es, dass sie sich trotzdem eingebunden fühlen und wissen, dass ihre Arbeit ein wichtiges Zahnrad im großen Ganzen ist“, so Ewers.
Für Rebecca Jennerjahn hat ihr Engagement nicht nur den Alltag vieler Gäste im Sonnenhof verändert, sondern auch ihre eigene Perspektive. Der direkte Kontakt mit schwerstkranken Kindern und ihren Familien habe ihren Blick dafür geschärft, was im Leben wirklich Gewicht hat. „Ich nehme vieles anders wahr“, sagt sie. „Manches, was mich früher gestresst hat, wirkt heute weniger wichtig.“ Die Begegnungen im Sonnenhof haben sie ruhiger gemacht – und zugleich wacher für das, was zählt.
übrigens
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Neben dem Sonnenhof bietet die Björn Schulz Stiftung in Berlin und Brandenburg einen ambulanten Kinderhospizdienst, sozialmedizinische Nachsorge und Trauerbegleitung für Eltern, Geschwister, Kitas und Schulen an. Am Chiemsee in Bayern betreibt es ein Nachsorge- und Erholungshaus für Familien mit schwer und chronisch kranken Kindern.
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Die Björn Schulz Stiftung ist aus einer Elterninitiative heraus entstanden und feiert 2026 ihr 30-jähriges Bestehen.