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  • Art Meldungen
  • Veröffentlichungsdatum 24.09.2025

Protest gegen Kürzungen psychosozialer Hilfen in Tempelhof-Schöneberg

© Christine Göttert/Paritätischer Berlin

„Ich habe so eine gute Erziehung gehabt! bin Demokrat! Ich bin freiheitsliebend! Es lebe die Freiheit!“ ruft Klaus, regelmäßiger Besucher der Kontakt- und Beratungsstelle, am 23. September mit fester, ja geradezu kämpferischer Stimme ins Mikrofon vor dem Schöneberger Rathaus.

Was das mit den geplanten Kürzungen und der Schließung der Kontakt- und Beratungsstelle (KBS) im S-Bahnhof Schöneberg zu tun hat, fasst er für die BVV Abgeordneten, die zur selben Zeit im Rathaus den Bezirkshaushalt beraten, gerne noch einmal zusammen. Öffentliche Bekanntmachung quasi, nur halt mal andersherum: „Die geplante Streichung wird viele von uns in die Vereinsamung treiben. Vereinsamung führt zu Hilflosigkeit und Verunsicherung. Und Verunsicherung führt zu politischer Radikalisierung oder Gesundheitsgefährdung wie Alkoholismus oder Drogenkonsum. Solche Gefahren bedrohen unsere Regierung auch finanziell und deswegen macht die Kürzung einer KBS einfach keinen Sinn! Es ist demokratiewiedrig und schadet der Stabilität unseres freiheitlichen Lebens!“

Rund 250 Menschen waren dem spontanen Aufruf des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Berlin gefolgt, um gegen die drastischen Kürzungen psychosozialer Hilfen in Tempelhof-Schöneberg zu protestieren. Die Stimmung war einigermaßen verzweifelt, der Schreck und auch die Fassungslosigkeit über diese Kürzungsentscheidung ist Mitarbeitenden und Betroffenen gleichermaßen anzumerken. Auch aus anderen Bezirken waren Menschen gekommen, die Sorge vor weiteren Kürzungen auch in anderen Stadtteilen ist sehr groß.

Noch mehr Andersrum-Tag-Gefühl kam beim Redebeitrag von Gesundheitsstadtrat Oliver Schworck auf, der die Kürzung zwar selbst veranlasst hat, sich aber trotzdem mit den Protestierenden solidarisch zeigte. Er würde weiter dafür kämpfen, dass die Finanzierung der gemeindenahen psychosozialen Hilfen endlich auf solide Füße gestellt wird, versprach er den protestierenden Bürger*innen. Auch Bezirksbürgermeister Jörn Oltmann, (Leiter der Finanzabteilung), nahm sich die Zeit, den Protestierenden zuzuhören. Wie sich die beiden Bezirkspolitiker dann später in der BVV zu den Kürzungen positionierten, wissen wir noch nicht.

Was wir wissen: Jede weitere Kürzung in diesem Bereich schlägt Lücken in das Versorgungssystem und verursacht Folgekosten, die höher sind als die Einsparungen, die sie erzielen. Im Haushaltsplan erscheinen sie nur als Kostenfaktor. Ihre entlastende Wirkung für den Sozialraum, für Kliniken, Ärzte, Polizei und natürlich die Nutzenden wird nicht eingepreist und bleibt so lange unsichtbar, bis die Angebote wegfallen. Uwe Brohl-Zubert, Referent für soziale Psychiatrie beim Paritätischen Berlin: „Statt Schönrechnerei braucht es endlich eine gesamtstädtische Planung. Eine Planung, die sich an den Menschen orientiert, für die sie gemacht wird und nicht an fiskalischen Vorgaben der Finanzverwaltungen!“

Kontakt

Uwe Brohl-Zubert
Referent Soziale Psychiatrie | Queere Lebensweisen
Telefon: 030 86 001-555
E-Mail: brohl-zubert[at]paritaet-berlin.de
Christine Göttert
Mitarbeiterin Öffentlichkeitsarbeit für das Referat Soziale Psychiatrie
Telefon: 030 86 001-554
E-Mail: goettert[at]paritaet-berlin.de

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